SEEDORF: Gigantische Blätter «wachsen»

Wo sonst riesige Brecher entstehen, wird nun an einer Seerose aus Stahl gearbeitet. Mit dem Transport der Teile wartet jetzt noch die letzte Herausforderung.

Urs Hanhart
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Peter Herger (links) und Ernst Müller bereiten ein Seerosenblatt für den Transport nach Luzern vor. (Bild Urs Hanhart)

Peter Herger (links) und Ernst Müller bereiten ein Seerosenblatt für den Transport nach Luzern vor. (Bild Urs Hanhart)

Urs Hanhart

2015 soll in der Zentralschweiz zum Jahr der Gastfreundschaft werden. Unter dem Motto «Gästival» wird die 200-jährige Tourismusgeschichte der Region gebührend gefeiert. Geplant ist eine breit gefächerte Auswahl von Aktivitäten und Projekten. «Gästival»-Herzstück wird die Seerose sein, eine schwimmende Platzform auf dem Vierwaldstättersee. Diese imposante Stahlkonstruktion mit einem Durchmesser von 48 Metern und einer Höhe von 16 Metern wird vom 29. Mai bis 4. Oktober an verschiedenen Landestellen in den fünf Seekantonen andocken. Zum Schwimmen gebracht wird sie von Pontons. Die multifunktionale Plattform soll zum Begegnungsort für Gäste, Gastgeber, Kulturschaffende, Festivalbesucher, Vereine und Bevölkerung werden. Sie wird aber auch als Bühne für kleine und grosse Anlässe dienen.

Ein Stück weit Neuland

Die zwölf Blätter für die Seerose, die dann später am mittigen Ponton befestigt werden, sind in den vergangenen Wochen von der Emil Gisler AG in Seedorf hergestellt worden. Die Arbeiten stehen kurz vor dem Abschluss. Jedes dieser Blätter ist aus Dutzenden von Stahlteilen zusammengeschweisst worden. Ein fertiges Blatt wiegt gegen 6 Tonnen und ist rund 9 Meter lang und breit. «Dieser Auftrag war für uns eine grosse Herausforderung und auch ein Stück weit Neuland, da wir sonst vor allem Brecher bauen», betont Peter Imhof, Abteilungsleiter Konstruktion bei der Emil Gisler AG. Man habe gegenüber dem Originalplan gewisse Optimierungen bei der Konstruktion vornehmen müssen, um unter anderem den späteren Transport der riesigen Blätter zu vereinfachen. «Vier Blätter sind absolut identisch», erklärt Imhof. «Das hat unsere Arbeit deutlich erleichtert.» Die allergrösste Herausforderung waren laut Imhof die gigantischen Dimensionen der Bauteile. Der «Gästival»-Auftrag konnte nur dank des Vorhandenseins einer neuen Halle ausgeführt werden. Diese ist kürzlich auf dem Firmengelände erstellt worden. «Vorher wäre die nötige Raumkapazität gar nicht zur Verfügung gestanden», betont Imhof.

Firma hat nötiges Know-how

Bei diesem speziellen Projekt waren aber nicht nur der Abteilungsleiter, sondern auch die Mitarbeiter der Emil Gisler AG gefordert, insbesondere beim Zusammenschweissen der Teile. Inklusive Vorabklärungen wurden zirka vier Monate in die Arbeiten investiert. Rund zwei Dutzend Mitarbeiter waren an der Seerose beteiligt, davon deren 20 aus der Schlossereiabteilung. Neue Geräte oder Maschinen musste die Firma für diesen Grossauftrag allerdings nicht anschaffen. «Es war alles schon vorhanden, was wir benötigten», so Imhof, «vor allem auch das nötige Know-how», betont Imhof. Und zur Frage nach dem Auftragsvolumen respektive den Kosten hält der Abteilungsleiter fest: «Darüber hat unsere Firma mit dem Auftraggeber Stillschweigen vereinbart.» Die Planungs- und Baukosten für die gesamte Seerose belaufen sich gemäss Generalunternehmer Shiptec auf etwas mehr als 3 Millionen Franken.»

Äusserst kniffliger Transport

In der kommenden Woche werden die Seerosenblätter von Seedorf nach Luzern verfrachtet, wo die ganze Plattform zusammengebaut wird. Das Ganze geschieht in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Für diese Aktion muss die Strasse zwischen Seedorf und der Isleten, wo die Teile von Tiefgängern auf einen Nauen umgeladen werden, vorübergehend gesperrt werden (siehe Box). Die Emil Gisler AG hat für den Transport der Stahlteile extra einen Rahmen konstruiert. Dieser ist auf einem firmeneigenen Seitenstapler montiert. Jedes Seerosenblatt muss einzeln an die Isleten gebracht werden. Die Strecke dorthin wird in zwei Etappen absolviert. Für den ersten Abschnitt bis zum Freiburgerplatz kommt der Seitenstapler zum Einsatz. Dort erfolgt dann der Umlad auf einen Tiefgänger. «Wir haben diverse Varianten geprüft und sind letztlich zum Schluss gekommen, dass der Transport via Isleten vom Aufwand her die beste Lösung ist», erklärt Imhof. «Wir haben den A-2-Unterführungstunnel in Seedorf bis in den letzten Winkel ausgemessen, um sicherzugehen, dass wir mit den riesigen Teilen durchkommen. Zudem wurde ein Probetransport mit einer Holzkonstruktion ausgeführt. Diese wies exakt die gleichen Dimensionen auf wie die originalen Seerosenblätter aus Stahl. So sind wir vor bösen Überraschungen gefeit», schildert der Fachmann die minutiöse Vorbereitungsarbeit. Die spektakuläre Schwertransportaktion wird gemäss Imhof voraussichtlich acht bis neun Stunden dauern.

Strasse muss gesperrt werden

red. Die Seerose-Elemente werden am kommenden Donnerstag, 12. März, abtransportiert. Die Kantonsstrasse vom Sportplatz Seedorf bis zur Isleten muss für diese Spezialtransporte mit Überbreite und Überhöhe ab 19 Uhr und bis zum Freitagmorgen um 6 Uhr in beiden Richtungen gesperrt werden. Um den Durchgangsverkehr trotzdem aufrechtzuerhalten, wird die Sperrung zu jeder vollen Stunde für 10 Minuten aufgehoben. Die Strasse wird wie folgt freigegeben:
20 bis 20.10 Uhr, 21 bis 21.10 Uhr, 22 bis 22.10 Uhr, 23 bis 23.10 Uhr, 24 bis 00.10 Uhr, 1 bis 1.10 Uhr, 2 bis 2.10 Uhr, 3 bis 3.10 Uhr, 4 bis 4.10 Uhr, 5 bis 5.10 Uhr. Für Notfalldienste ist die Durchfahrt jederzeit gewährleistet.

Ein fertiges Blatt wiegt gegen 6 Tonnen und ist rund 9 Meter lang und breit. (Bild: PD)

Ein fertiges Blatt wiegt gegen 6 Tonnen und ist rund 9 Meter lang und breit. (Bild: PD)