Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SEEDORF: Schwester Judith war von Technik schon immer fasziniert

Wenn im Kloster Computerarbeiten anstehen, übernimmt Schwester Judith. Die 82-Jährige aktualisiert die Website, schreibt Nachrichten und leitet die Bibliothek.
Schwester Judith (82) kümmert sich trotz ihres stolzen Alters im Kloster St. Lazarus um sämtliche Computeraufgaben. (Bild Anian Heierli)

Schwester Judith (82) kümmert sich trotz ihres stolzen Alters im Kloster St. Lazarus um sämtliche Computeraufgaben. (Bild Anian Heierli)

Flink steigt Schwester Judith die steile Treppe im Kloster Seedorf hinauf und bleibt abrupt vor einem hölzernen Türbogen aus dem 16. Jahrhundert stehen. Sie mustert die Schnitzereien: «Man weiss heute nicht mehr, wer den Türbogen früher einmal gemacht hat und wo er stand. Vielleicht in der Kirche», sagt sie, geht bedacht unter dem Bogen durch und betritt ihren Arbeitsreich. Zu diesem gehören ein kleines Zimmer mit Holzwänden, in dem sich zwei Schreibtische und ein Computer befinden, sowie die grosse, feinsäuberlich aufgeräumte Klosterbibliothek.

In diesen Räumen arbeitet die vife 82-Jährige, die höchstens wie 70 wirkt. Auf ihr rüstiges Auftreten angesprochen meint sie: «Das hat vielleicht etwas mit meinen Interessen zu tun. Diese halten mich fit.» Und tatsächlich passt ihr grösstes Interesse – der Computer – nicht unbedingt zu einer 82-jährigen Klosterschwester. Doch trotz ihres stolzen Alters weiss Schwester Judith, wie sie mit Computern umgehen muss. Sie liest und schreibt E-Mails, verfasst Dokumente, verwaltet Adressdateien, und sie aktualisiert regelmässig die Nachrichten der Kloster-Website. Dank ihr und einem befreundeten IT-Spezialisten verfügt das Kloster Seedorf bereits seit 1997 über einen eigenen Internetauftritt – damit waren die Urner Benediktinerinnen schneller als manch grösseres Unternehmen.

Seit 20 Jahren vor dem Bildschirm

«Technik hat mich schon immer fasziniert», erklärt sie. In der Schule sei Geometrie eines ihrer Lieblingsfächer gewesen. 1994 hatte Schwester Judith von ihrer Mutter den ersten Computer geschenkt bekommen. Seither hat sie die Faszination nicht losgelassen, und das Kloster ermöglichte ihr daraufhin die Anschaffung neuer Computer. «Mein erster Computer war klein und hatte einen Schwarz-Weiss-Bildschirm», erinnert sie sich. Doch schon dieses Gerät habe ihr die Arbeit gewaltig erleichtert. Das Verfassen von Texten sei rascher gegangen als zuvor auf der Schreibmaschine. Seit Jahren schreibt, plant und layoutet Schwester Judith die jährliche Zeitschrift «Schul- und Klosternachrichten». Dabei verbindet sie ihre Leidenschaft für Computer mit jener fürs Lesen und Schreiben.

So überrascht es nicht, dass sie auch die Bibliothek des Klosters St. Lazarus leitet und für die Klosterchronik zuständig ist. In der Bibliothek stöbert die Benediktinerin gerne in alten und neuen Werken und durchforstet Zeitungen nach Neuigkeiten. So ist die 82-Jährige immer auf dem neusten Stand. Sie lese die «Neue Urner Zeitung», das «Urner Wochenblatt» und manchmal die «Neue Zürcher Zeitung» – in der Online-Ausgabe. Die Nachrichten prüft sie auf ihre Wichtigkeit aus Sicht des Klosters. Jeweils beim Mittagessen liest eine der Schwestern diese Neuigkeiten ihren Mitschwestern laut vor. An dieser Tischlesung werden auch die Ordensregeln und von Schwester Judith ausgewählte Bücher vorgelesen. «Liebesgeschichten und Krimis eignen sich weniger», erzählt sie lachend. «Am häufigsten lesen wir Biografien. Zurzeit die von Papst Franziskus.»

Der Orden gilt als streng. Das Leben einer Benediktiner-Schwester besteht zu einem grossen Teil aus Gehorsam, Schweigen und Demut. «Ich habe meine Entscheidung, ins Kloster zu gehen, dennoch nie bereut», sagt Schwester Judith. «Ich habe gerne Stille. Und wenn man die Berufung spürt, ins Kloster zu gehen, ist es der schönste Lebensweg, den man sich vorstellen kann.» Selber ist Schwester Judith vor 50 Jahren ins Kloster Seedorf eingetreten und geblieben. «Ich habe mir zahlreiche andere Klöster angeschaut. In Seedorf wusste ich aber sofort, dass ich zu Hause bin», erinnert sie sich. Der Orden habe bei der Wahl des Klosters keine Rolle gespielt.

Im Kloster innere Freiheit gefunden

Früher, als sie in der ehemaligen klostereigenen Hauswirtschaftsschule diverse Fächer wie etwa Werken unterrichtete, hätten sie Schülerinnen oft gefragt, warum man ins Kloster gehe. Da habe man doch keine Freiheit. «Das stimmt nicht», erklärt Schwester Judith. Freiheit sei nicht gleich Freizeit. Innere Freiheit würde man aber gerade im Kloster finden. Und zwar indem man etwas ohne Eigennutz mache. «Freiheit ist ein frei sein von sich selber. Wenn man nicht nur die eigenen Bedürfnisse erfüllt», betont die Schwester. Daran arbeite sie jeden Tag wieder von Neuem.

Anian Heierli

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.