SEEDORF: Urner Schüler gewinnen welsche Freunde

Oberstufenschüler aus Uri und dem Wallis nehmen am Sprachaustauschprojekt «Vas-y! Komm!» teil. Um die Fremdsprachen zu lernen, gehen die Schüler jeweils eine Woche ins Welschland – und umgekehrt.

Salome Infanger
Merken
Drucken
Teilen
Aline Aschwanden (rechts) führt Kristina Cittolin in die Urner Fasnacht ein. (Bild: Salome Infanger (Seedorf, 2.Februar 2017))

Aline Aschwanden (rechts) führt Kristina Cittolin in die Urner Fasnacht ein. (Bild: Salome Infanger (Seedorf, 2.Februar 2017))

In einem Klassenzimmer der Kreisschule Seedorf sitzen verkleidete Schüler und konzentrieren sich auf ein französisches Hörverständnis. Diese dritte Stunde am Donnerstagmorgen ist keine normale Französischlektion bei Lehrerin Ulrike Eckelt (32). Die 14-jährige Kristina Cittolin aus Fully VS ist für eine ­Woche zu Gast in der Klasse. Um der Austauschschülerin zu zeigen, wie die Fasnacht in Uri gefeiert wird, dreht sich die ganze Lektion um die fünfte Jahreszeit.

Die Klasse nimmt am Austauschprojekt mit Walliser Schülern teil. Das heisst: Schüler aus Seedorf gehen für eine Woche in eine Schule im französischen Teil des Wallis und umgekehrt. Das Projekt ist eigentlich für die dritte Oberstufe gedacht, doch weil es übrige Plätze hat, können auch Schüler der zweiten Oberstufe mitmachen. Sieben Jugendliche aus Seedorf und sechs Jugendliche aus Altdorf nehmen am freiwilligen Angebot teil.

Motivation zum Französischlernen

Cittolin wohnt seit letztem Freitag bei ihrer Klassenkollegin ­Aline Aschwanden (14). Diese zeigt ihr ausserhalb der Schulzeit den Kanton Uri. Sie haben zusammen schon Altdorf und den See besichtigt. Der Unterricht geht aber ausserhalb der Französischlektionen ganz normal weiter. Eine Herausforderung für die Austauschschüler, aber Kristina sagt: «Im Deutsch lese ich etwas, wenn die anderen Grammatik haben, aber sonst kann ich dem Unterricht meistens folgen.» Das Projekt ist gut in den Schulalltag integriert. «Es ist ein niederschwelliges Angebot mit grosser Wirkung», sagt David Zurfluh, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Amts für Volksschulen.

Für die Urner Oberstufen­lehrer steht es offen, ob sie mit ihrer Klasse am Angebot teilnehmen wollen. Die Lehrerin Ulrike Eckelt hat sich dafür entschieden, weil sie das Ganze als gute Erfahrung für die Jugendlichen sieht. «Sie profitieren viel von der Austauschwoche, und sie haben eine konkrete Motivation, um Französisch zu lernen», sagt sie mit Überzeugung. Die Schüler seien sehr neugierig und hätten bereits im Voraus mit ihren Austauschpartnern Kontakt aufgenommen.

Im Wallis ist dieses Projekt bereits weit verbreitet. Jedes Jahr machen mehrere hundert Jugendliche mit. Die Walliser Verantwortlichen haben dadurch viel Erfahrung, von der die Urner profitieren können. Zum Beispiel geschieht die Zuteilung der Jugendlichen nicht durch Zufall, sondern es wird ermittelt, welche zwei Mädchen oder Jungen aufgrund ihrer Eigenschaften und Hobbys gut zusammenpassen würden.

Projekt soll weitergeführt werden

David Zurfluh will das Angebot auch in Zukunft weiterführen. «Französisch lernt man am besten dort, wo die Sprache gesprochen wird», sagt er. Da Französisch in der dritten Oberstufe ein Wahlfach sei, könne das Projekt auch ein Ansporn sein, das Fach zu wählen.

Es brauche aber noch Verbesserungsmassnahmen, um die Lehrpersonen zu entlasten. Das sieht auch Eckelt so. Sie habe mit dem Projekt einen grossen zeitlichen Mehraufwand, weil sie die Schüler auf die Woche vorbereiten und nebenbei den normalen Französischlehrplan durchbringen müsse. David Zurfluh ­möchte darum nächstes Jahr eine Arbeitsgruppe ins Leben rufen, in der sich die Lehrer austauschen können. Bereits heute schon übernimmt das Amt für Volksschulen die Koordination mit den verschiedenen Walliser Schulen. Für die Jugendlichen, die am Austausch teilnehmen wollen, ist es ein Glücksfall, dass ihre Lehrerin das Projekt mitmacht. Die Rückmeldungen von Eltern und Schülern sind durchwegs positiv.

Aline freut sich schon auf ihre Woche bei Kristina in Fully: «Ich kann dann endlich mein Französisch anwenden und erlebe etwas Neues.»

Salome Infanger

salome.infanger@urnerzeitung.ch