SEEDORF: Vier Fäuste für das Rollhockey

Max («Mags») Aschwanden und Hans («Hanz») Schuler stehen vor dem Höhepunkt als Trainer des RHC Uri. Die beiden verstehen sich nicht nur auf der Trainerbank blind. Sie pflegen auch denselben Humor – und teilen sich sogar die Hochzeitsgäste.

Florian Arnold
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Hans Schuler (links) und Max Aschwanden freuen sich aufs kommende Wochenende. (Bild: Florian Arnold (Seedorf, 16. Januar 2017))

Hans Schuler (links) und Max Aschwanden freuen sich aufs kommende Wochenende. (Bild: Florian Arnold (Seedorf, 16. Januar 2017))

Florian Arnold

florian.arnold@urnerzeitung.ch

Die Hände stecken in der Hosentasche des gelb-schwarzen Trainingsanzugs, die Trillerpfeife im Mund. «Einen noch», sagt Max Aschwanden. Er pfeift, und seine Truppe setzt sich in Bewegung: Froschhüpfen über die grossen Stufen der Holztribüne in der Rollhockeyhalle in Seedorf. Widerworte gibt es keine. «Im Moment ist es nicht schwierig, Trainer zu sein», erklärt Aschwanden. Kurz vor der Stunde der Wahrheit ist die Motivation so gross wie selten: Die erste Mannschaft des Urner Rollhockeyclubs spielt um den Cup mit – und das in der eigenen Halle in Seedorf.

«Der Sieg wäre das absolute Highlight in knapp 30 Jahren Vereinsgeschichte», sagt Max Aschwanden, der als Co-Trainer der ersten Mannschaft fungiert und einst Präsident des Vereins war. Und sein Trainerkollege Hans Schuler pflichtet ihm bei: «Es würde mich reuen, wenn ich jetzt nicht mehr dabei sein würde.» Als Trainer habe er einen A- und einen B-Junioren-Titel im Sack. «Aber einer mit der ersten Mannschaft fehlt mir noch», sagt Schuler.

Mit Aschwanden und Schuler sowie Philipp Schuler und Roman Gisler hat die erste Mannschaft vier Trainer. Doch zu Meinungsverschiedenheiten komme es praktisch nie. «Wir haben alle dieselbe Philosophie», sagt Schuler. Aschwanden ergänzt: «Ziel ist es, möglichst keine Tore zu bekommen. Das bedeutet, defensiv gut zu stehen und aus dieser Position zu kontern.» Mit dieser Taktik hält der RHC Uri in der Nationalliga mit. «Bei vier Trainern kommt eine sehr gute Mischung zusammen, denn jeder konzentriert sich auf etwas anderes», so Schuler. «Der Stichentscheid liegt immer bei einer Person, aber kurz vor dem Time-out holt man alle Meinungen ein.»

Trainer verschwägern sich gegenseitig

Aschwanden und Schuler verbindet nicht bloss der Sport. Die beiden sind nebeneinander gross geworden und haben sich auch noch gegenseitig verschwägert: Schuler heiratete Aschwandens Schwester – und Aschwanden Schulers Cousine. «Weil wir ohnehin dieselben Gäste gehabt hätten, haben wir eine Doppelhochzeit organisiert», erzählt Schuler.

Und offenbar pflegen die beiden auch denselben Humor. Max Aschwanden schreibt seinen Vornamen zuweilen «Mags», und Hans Schuler wird zum «Hanz». «Wir haben nicht nur einen Sport gewählt, der sich von anderen abhebt, sondern auch eine Schreibweise des Namens», erklärt Aschwanden. «Hans Schuler gibt es einige, aber nur einen, der sich so dämlich schreibt wie ich», sagt Schuler. «Das bleibt den Leuten hängen.»

Die beiden Co-Trainer sind seit Beginn des RHC Seedorf dabei. Nebeneinander aufgewachsen, machten sie schon früh miteinander Sport. «Im Ried haben wir Strassenhockey gegen die Oberdörfler gespielt», erinnert sich Schuler zurück. 1988 gingen die Sportsfreunde einen Schritt weiter. «Im Loch in Bürglen haben wir ein paar Schaltafeln zu Banden zusammengebaut», erzählt Aschwanden. Der Rollhockey-Club Uri war geboren. «Wir haben den Sport unter primitiven Verhältnissen kennen gelernt», sagt Schuler. «Wir hatten zwar das Gefühl, dass wir etwas draufhaben, aber eigentlich konnten wir gar nicht besser werden. Auf schlechtem Teer und bei schlechtem Licht war man einfach limitiert.»

Doch sie glaubten an die Sache und steckten mit ihrer Motivation auch andere an. «Ohne die richtigen Leute um uns wäre es nicht möglich gewesen, in Seedorf einen eigenen Platz einzurichten und später sogar eine Rollhockeyhalle zu bauen», weiss Schuler. «Wenn wir mit Junioren immer nach Bürglen hätten fahren müssen, wäre der Verein zum Scheitern verurteilt gewesen.»

Das Gegenteil traf ein. Gerade bei den Junioren konnte der Verein zulegen. Das bedeutete aber auch, dass alle Kräfte für die Juniorenarbeit gefragt waren. «Die meisten, die heute in der ersten Mannschaft sind, habe ich einmal als Junioren trainiert», sagt Schuler. «Dass sie es so weit geschafft haben, macht mir riesig Freude. Da schaut man sich jedes Spiel an.» Heute hat der RHC Seedorf eine der grössten Hallen des Kantons, spielt in der Nationalliga A mit und stellt Spielerinnen und Spieler für die Nationalmannschaft. «Das macht stolz, und gleichzeitig möchte man nicht, dass es schiefgeht», sagt Aschwanden. Für ihn gibt es aber mittlerweile noch eine weitere Motivation, sich zu engagieren: Max Aschwandens Sohn Tim trainiert mittlerweile bereits mit der ersten Mannschaft, was den Vater mächtig stolz macht.

«Ich muss nicht den Chef raushängen»

«Wenn wir den Cup-Titel holen sollten, gibt der Gemeindepräsident sicher eine Freinacht durch», sagt Aschwanden. Und das ist keine leere Floskel – denn der Gemeindepräsident ist er höchstpersönlich. Aschwanden, ein richtiggehender Chef-Typ? «Als Gemeindepräsident muss ich nicht den Chef raushängen, denn es läuft in der Verwaltung und im Rat auch ohne mich sehr gut», beschwichtigt er. «Seedorf funktioniert, und einer muss Präsident sein, genauso, wie einer Trainer sein muss.»

Aschwanden betont die Wichtigkeit des Rollhockeyclubs für den Zusammenhalt der Gemeinde, verweist aber auch auf andere: «Wir haben auch eine sehr gute Musikgesellschaft und einen guten Turnverein. Deshalb sind wir keine Schlafgemeinde.» Als Gemeindepräsident amtet Aschwanden Teilzeit, genauso wie als Zugbegleiter bei den SBB. Dies sei auch der Grund, weshalb er sich für den RHC genügend Zeit herausnehmen könne.

Hans Schuler ist selbstständiger Kundenmaler. Doch auch er hänge im Rollhockey nicht den Chef heraus. «Ich war lange Angestellter und habe kein Problem damit, wenn jemand anders das Kommando übernimmt», so Schuler. «Aber es geht nur, wenn ich weiss, dass ich mich auf die Leute verlassen kann, mit denen ich zusammenarbeite. Das hält mich im RHC Uri.»

Sie träumen von der Champions League

Die bisherigen Erfolge des Urner Vereins können sich sehen lassen. Doch es bleibt noch Platz für Träume. «Einmal auf der Tribüne in Barcelona zu sitzen und den eigenen Leuten in der Champions League zuzuschauen, das wäre schon was», sagt Aschwanden. «In einer Randsportart ist das realistischer als im Fussball», räumt er ein. Doch vorerst gilt es, sich auf das kommende Wochenende zu fixieren. Nach den «Final 4», der Schlussrunde des Schweizer Cups, geht es schon bald um den Schweizer-Meister-Titel. Ob sich die Seedorfer dann das Ticket für Barcelona sichern?

 

Hinweis

Der RHC Uri spielt am 27. Januar um 19 Uhr in der Rollhockeyhalle Seedorf gegen den RHC Dornbirn. Um 21 Uhr kommt es zum Duell zwischen Genf und dem SC Thenerstern. Am Samstag spielt das Urner Frauenteam um 10 Uhr gegen den RSC Uttigen und um 12 Uhr der RHC Vordemwald gegen RHC Diessbach. Gleichentags finden die Finals der Frauen (18 Uhr) und der Männer (21 Uhr) statt.