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SEEDORF: Wiler kämpft für Autobahn-Lärmschutz

Lärmschutzwände sind für den Bund entlang der A 2 bei der Siedlung Bolzbach nicht verhältnismässig. Aber die Anwohner könnten selber welche bauen – theoretisch.
Elias Bricker
Nick Anklin vor dem Autobahnviadukt im Wiler Bolzbach bei Seedorf. (Bild Elias Bricker)

Nick Anklin vor dem Autobahnviadukt im Wiler Bolzbach bei Seedorf. (Bild Elias Bricker)

Der Wiler Bolzbach bei Seedorf liegt direkt am Vierwaldstättersee. Die Aussicht auf die Berge ist einmalig. Doch die Idylle in Bolzbach trügt. Hinter der Siedlung verläuft gleich die Autobahn A 2. «Um 6 Uhr morgens geht es los», sagt Nick Anklin, der seit seiner Geburt in Bolzbach lebt. «Tagsüber fährt ein Lastwagen nach dem andern über das Autobahnviadukt. Wirklich Ruhe haben wir hier eigentlich nie.»

Neue Fenster statt Schutzwände

Der 48-Jährige kämpft deshalb seit längerer Zeit für Lärmschutzwände entlang der Autobahn zwischen Seedorf und dem Südportal des Seelisberg-Tunnels. Doch der Bund will von Lärmschutzwänden eigentlich nichts wissen. Lärmschutzwände seien aufgrund von Berechnungen wirtschaftlich nicht verhältnismässig, heisst es beim Bundesamt für Strassen (Astra). Konkret: Im Wiler Bolzbach leben zu wenig Leute, damit die Investition für den Bund tragbar wäre. Doch diese Argumentation will Anklin nicht gelten lassen. Er und einige Nachbarn haben deshalb Beschwerden eingereicht. «Die Beschwerden sind noch immer hängig», heisst es auf Anfrage beim Astra.

Ein Schreiben hat den Fall vor mehr als zwei Jahren ins Rollen gebracht. Damals hat das Astra einige Bewohner von Bolzbach darüber orientiert, dass ihre Liegenschaften zwar in einer lärmbelasteten Zone liegen würden, doch Lärmschutzwände aus wirtschaftlichen Gründen nicht tragbar seien. Aber bei der Sanierung der Fahrbahn werde ein leiserer Strassenbelag eingebaut. «Der Bund hätte mir stattdessen zwei neue, lärmdichte Fenster offeriert», sagt Anklin. «Doch darauf kann ich gut verzichten. Wir haben bereits gute Fenster.»

Gemeinde zieht Beschwerde zurück

Nick Anklin, seine Nachbarn und die Gemeinde Seedorf machten daraufhin Einsprache beim Bund – und blitzten ab. Anklin und einige Mitstreiter drohen nun die Beschwerde weiter vor Bundesverwaltungsgericht zu ziehen. Nicht so die Gemeinde. «Wir sehen darin wenig Sinn», sagt Gemeindepräsident Max Aschwanden. «Uns sind leider ein bisschen die Hände gebunden.»

Der Bund schlug den Anwohnern stattdessen vor, dass sie selber Lärmschutzwände erstellen. «Dritte können in Absprache mit dem Astra entlang der Autobahn selber Lärmschutzwände bauen», bestätigt Astra-Sprecherin Esther Widmer auf Anfrage. «Sie haben aber neben den Projektierungs- auch die Erstellungskosten zu tragen.»

Privates Projekt scheitert

Tatsächlich brachten die Autobahnanwohner zwischen Bolzbach und dem Kohlplatz in Seedorf rund 100 000 Franken für ein privates Projekt zusammen und holten Offerten ein, die sogar kostengünstiger sind als jene des Bundes. Auch der Kanton und die Gemeinde Seedorf sprachen ihre Unterstützung aus – ohne genaue Beträge zu sprechen. «Wir unterstützen die ‹Bolzbächler› so gut, wie es geht», sagt Gemeindepräsident Aschwanden. «Doch einen allfälligen Kredit müssten die Stimmbürger gutheissen.» Das private rund 400 000 Franken teure Projekt scheiterte schliesslich unter anderem an der Zuständigkeit für den späteren Unterhalt.

Anklin will endlich Lärmmessungen

Nun will Anklin den politischen Druck erhöhen. Vor seinem Haus hat er eine Tafel mit Unterschriftenzetteln aufgestellt. Innert einem Jahr seien über 500 Unterschriften eingegangen – ohne dass er, wie er betont, selber «Türklinken geputzt» hätte. «Die vielen Sympathiebekundungen bestärken mich», sagt der unermüdliche Kämpfer. Zudem will Anklin erreichen, dass der Bund endlich Lärmmessungen in Bolzbach durchführt, statt sich auf Berechnungen zu verlassen. Doch Esther Widmer vom Astra kontert, dass die Berechnungen auf Messungen an verschiedenen Referenzpunkten entlang der Strecke basieren und sogar auf die Verkehrsprognosen für 2030 hochgerechnet seien.

Elias Bricker

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