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SEELISBERG: «Drehorgelmusik passt einfach immer»

Bereits zum 16. Mal fand das Drehorgeltreffen in Seelisberg statt. Reinhard Horn erklärte seinen Zuhörern, warum Drehorgelspielen durchaus schwierig sein kann.
Reinhard Horn hat in der Drehorgelszene den Übernamen «Der Holländer». (Bild Elias Bricker)

Reinhard Horn hat in der Drehorgelszene den Übernamen «Der Holländer». (Bild Elias Bricker)

Elias Bricker

Von der «Steiner Chilbi» über «Country Roads» bis hin zum «Holzmichel»: In ganz Seelisberg ertönten am Wochenende fröhliche Klänge. An der Treib und an vier Plätzen im Dorf gaben Drehorgelspieler aus der ganzen Schweiz ihre Stücke zum Besten. Denn am Samstag und Sonntag fand zum 16. Mal das Seelisberger Drehorgeltreffen statt. Überall, wo die Musikanten mit ihren Leierkästen auftauchten, blieben die Leute stehen, lauschten den Melodien und wollten selber einen Blick in das Innere der Orgeln werfen. Und die Musikanten – zum Teil in selbst genähten Biedermeier-Kostümen – erklärten den Passanten geduldig, wie denn so eine Drehorgel überhaupt funktioniert.

Muskeln können schmerzen

«Kann eigentlich jeder Drehorgel spielen?», war wohl die häufigste Frage, welche die Musikanten zu beantworten hatten. Denn bei einer Drehorgel müssen die Spieler ein Papierband mit Löchern in die Orgel einspannen. Dank diesen Löchern kommt überhaupt erst Luft in die vielen Orgelpfeifen. Die Melodie ist also fix vorgegeben. «Theoretisch kann wirklich jeder Drehorgel spielen», erklärt Reinhard Horn. «Die Schwierigkeit besteht aber darin, dass man nicht schneller oder langsamer wird. Die Kurbel muss rund laufen.» Zudem könne man Lieder mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, den gezogenen Registern und einem Dämpferknopf ganz verschieden interpretieren. Und seine Frau Gerda ergänzt mit einem Schmunzeln: «Drehorgelspielen geht in den Arm.» Vor allem bei ungeübten Spielern schmerzen die Muskeln meist relativ bald. «Richtig schwierig wird es aber, wenn man versucht, mit anderen zusammen im gleichen Tempo zu spielen», weiss Reinhard Horn. Deshalb seien bei Drehorgel­orchestern die Instrumente digital gesteuert und miteinander vernetzt.

Musikanten werden eingeladen

Reinhard Horn und seine Frau Gerda aus Wängi im Thurgau kommen seit mehreren Jahren immer wieder nach Seelisberg. «Hier treffen wir Kollegen, die wir sonst vielleicht kaum sehen», sagen sie. Das Drehorgeltreffen sei aus Seelisberg nicht mehr wegzudenken.

Was vor rund zwanzig Jahren auf Initiative einzelner Musikanten begann, ist zur Tradition geworden. Das Treffen findet inzwischen alle zwei Jahre statt. Am Samstag stehen jeweils die Platzkonzerte im Vordergrund. Am Sonntag begleiten die Musikanten dann jeweils die Messe mit der anschliessenden Autosegnung, und am Nachmittag geben sie ein Schlusskonzert auf dem Bahnhofplatz – so auch gestern. 21 Orgelspieler aus der ganzen Schweiz reisten heuer für das Treffen an. «Wir laden die Spieler ein, welche wir am Treffen dabei haben möchten», sagt Christoph Näpflin von Seelisberg Tourismus, der seit einigen Jahren für die Organisation zuständig ist.

Schon CDs aufgenommen

Reinhard Horn spielt seit 22 Jahren selber Drehorgel. Sein Vater habe vor etlichen Jahren einmal eine Drehorgel gemietet, um an einem Altersheim-Bazar aufzutreten. Sofort sei er von diesem Instrument fasziniert gewesen und habe sich bald selber eine Orgel erstehen können. Seither ist er schon in halb Europa aufgetreten und hat sogar CDs aufgenommen. In der Szene nennt man Horn nur «den Holländer». Denn der Thurgauer mit niederländischen Wurzeln trat früher in einer Holländer Tracht auf. Seit rund zehn Jahren – seit die Kinder flügge sind – wird der pensionierte Kantinenkoch bei seinen Auftritten von seiner Frau Gerda begleitet. «Wir besuchen im Sommer mehrere Drehorgeltreffen», erzählt der Thurgauer. Zudem würden sie oft in Kirchen auftreten – an Taufen, Hochzeiten, bei Messen oder an Beerdigungen. «Von der Wiege bis zur Bahre: Drehorgelmusik passt einfach immer», sagt Horn und lacht. Denn auf Drehorgeln könne man praktisch alles spielen – vom Kirchenlied bis zum Partyschlager.

«Keine Bettlerinstrumente mehr»

«Unser Hobby ist aber relativ kostenintensiv», sagt der «Holländer». «Deshalb sind wohl vor allem ältere Leute in der Szene aktiv. Nachwuchs gibt es kaum.» Alleine die Papierstreifen mit den verschiedenen Melodien seien extrem teuer und würden zum Teil heute noch handgefertigt. Auch eine Orgel koste mindestens 8000 Franken – dazu käme noch Unterhalt. Und um die 80 Kilogramm schweren Orgeln und die dazugehörigen Wagen zu transportieren, brauche man fast noch einen Autoanhänger. «Drehorgeln sind heute also keine Bettlerinstrumente mehr», so Horn. «Doch ihre Technik fasziniert die Leute noch immer. Das sieht man ja auch hier in Seelisberg.»

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