SEELISBERG: Gemeinderat soll personell reduziert werden

Die Gemeinde hat 2016 zum vierten Mal in Folge schwarze Zahlen geschrieben. Der Gemeinderat will gewisse Funktionen und Kompetenzen der Kommunalbehörde neu regeln.

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Die Präsidenten durften sich über positive Zahlen freuen; von links: Rafael Ziegler (Bürgergemeinde), Karl Huser (Einwohnergemeinde) und Edy Huser (Kirchgemeinde). (Bild: Christoph Näpflin (Seelisberg, 19. Mai 2017))

Die Präsidenten durften sich über positive Zahlen freuen; von links: Rafael Ziegler (Bürgergemeinde), Karl Huser (Einwohnergemeinde) und Edy Huser (Kirchgemeinde). (Bild: Christoph Näpflin (Seelisberg, 19. Mai 2017))

Am Freitagabend präsentierten die Einwohner-, Kirch- und Bürgergemeinde Seelisberg ihre Rechnung 2016. Alle hatten mit Mehrausgaben gerechnet, konnten aber schwarze Zahlen präsentieren. «Die Kommissionen und Räte sind sehr haushälterisch mit ihren Budgets umgegangen», fasste Verwalterin Brigitte Püntener die Jahresrechnung 2016 zusammen. «Sie haben die Budgets nicht ausgeschöpft.»

Während bei der Einwohnergemeinde statt des veranschlagten Defizits von 110000 Franken ein kleiner Ertrag von 18 000 Franken resultierte, legte die Kirchgemeinde von einem prognostizierten Minus von 31 000 zu einem Ertragsüberschuss von fast 5000 Franken zu. Trotz des guten Abschlusses ging das Pro-Kopf-Vermögen in Seelisberg auf 608 Franken zurück.

Abwärtstrend bei den Steuern

Die Rechnungen hätten aber auch von Steuereinnahmen profitiert, die etwas höher ausgefallen seien als budgetiert. «Trotzdem ist gegenüber dem Vorjahr ein Abwärtstrend zu verzeichnen», musste die Verwalterin den Stimmbürgern mitteilen. Die Steuereinnahmen der Einwohnergemeinde sanken um knapp 60000 Franken.

In der Investitionsrechnung schlugen neben der Anschaffung des neuen Feuerwehrfahrzeugs (Ausgaben 2016: 278000 Franken) vor allem die Erschliessung der Wasserquelle Egglen (380000 Franken) und der Beitrag an die Stiftung «Wohnen in Seelisberg» zu Buche.

Bei der Korporationsbürgergemeinde steht die Sanierung des Alpwegs auf Matten an. Im Sommer wird mit der Umsetzung der 500000 Franken teuren Wegerschliessung begonnen. Diese Investition in die Alp Matten könne dank eines guten Eigenkapitals verkraftet werden, hiess es. Diskussionslos stimmten die Bürger dem neuen Konzessionsvertrag mit dem EW Altdorf zu, der die Abgaben für die Benützung der Strominfrastrukturen auf öffentlichem Grund und Boden wie in den übrigen 16 Gemeinden des Versorgungsgebiets des EW Altdorfs regelt. Die Konzessionsabgabe stellt für die Gemeinde eine wichtige Einnahmequelle dar. Im EWA-Geschäftsjahr 2015/2016 waren dies 46302 Franken.

Bürgergemeinde plant Kastanienhain

Die Korporationsbürgergemeinde liess sich zudem mehr Finanzkompetenzen geben. Der Bürgerrat kann neu einmalige Bruttoausgaben bis zu 25000 (bisher: 10000) Franken pro Jahr beschliessen. Im Einzelfall darf der Betrag 15000 (5000) Franken nicht übersteigen. Bei den wiederkehrenden Bruttoausgaben liegt die Limite neu bei 10000 (3000) Franken pro Jahr respektive im Einzelfall bei 3000 (1000) Franken. Im Herbst plant die Bürgergemeinde in Treib die Erstellung eines 1,5 Hektaren grossen Kastanienhains.

Anpassung der Gemeindestruktur

Gemeindepräsident Karl Huser informierte die 40 Versammlungsteilnehmer über das Gemeindestrukturenprojekt in Seelisberg. «In den letzten Jahren haben sich die Aufgaben, aber auch die gesellschaftlichen Strukturen markant verändert», sagte Huser. «Zudem werden die Themen immer komplexer und die dazugehörigen Unterlagen von hoch spezialisierten Leuten verfasst, was den Gemeinderäten viel Zeit zum Studium der Akten abverlangt», erläuterte er die Ausgangslage für das Projekt. Deshalb sollen Funktionen und Kompetenzen neu geregelt, zum Teil an die Verwaltung delegiert und den aktuellen Gegebenheiten angepasst werden. «Es ist vorgesehen, den Gemeinderat von heute sieben auf neu fünf Mitglieder zu reduzieren», stellte er in Aussicht.

 

Christoph Näpflin

redaktion@urnerzeitung.ch