SEELISBERG: «Leonard Chidi ist wieder in Nigeria»

Die 88-jährige Rentnerin Pia Meier aus Fürigen ist eine Vertraute von Seel­sorger Leonard Chidi. Dieser hat die Pfarreien Seelisberg und Bürglen bestohlen und ist Ende März geflüchtet. Die Medien hätten Chidi krank gemacht, sagt Meier.

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Pia Meier mit Ex-Pfarrer Leonard Chidi. (Standbild aus SF-Sendung «Reporter»)

Pia Meier mit Ex-Pfarrer Leonard Chidi. (Standbild aus SF-Sendung «Reporter»)

Pia Meier, haben Sie etwas von Leonard Chidi gehört?
Pia Meier: Gelegentlich informiert mich seine Nichte, die in Freiburg im Preisgau lebt.

Chidi ist also in Deutschland?

Meier: Dort war er nie. Er ist wieder zu Hause in Nigeria. Das wurde mir auch von den Seelisberger Kirchenverantwortlichen gesagt. Monatelang konnte Chidi nicht arbeiten. Er war sehr krank, weil ihn die Medien kaputtgemacht haben. Vieles, was berichtet wurde, ist einfach falsch. So hat er beim Erzbistum Köln nie Unterschriften gefälscht. Und auch, dass ich ihm mein Haus schenke, ist erlogen. Wir wollen nichts mehr mit den Medien zu tun haben.

Wie geht es Chidi jetzt?
Meier: Etwas besser. Doch am Anfang war er wirklich am Boden zerstört. Deshalb hat er in Seelisberg die Erstkommunionfeier nicht mehr geleitet. Er konnte kein fröhliches Gesicht mehr machen und sich vor die Leute stellen.

Sie unterstützen Chidis Trinkwasser-Projekt in Nigeria finanziell. Und für ein Studium haben Sie ihm 50 000 Franken geliehen. Glauben Sie, dass Sie dieses Geld wieder erhalten?
Meier: Natürlich. Einen Teil davon hat er mir bereits zurückgezahlt, als er noch in der Schweiz wohnte. Doch momentan hat er keinen Lohn. Er leitet keine Pfarrei, sondern hilft in Nigeria am Bau des Trinkwasserbrunnens. Sobald Chidi wieder eine Stelle hat, gibt er mir das restliche Geld. Und wenn nicht, kann ich damit leben. Schliesslich verlumpe ich deswegen nicht. Aber auch was das Darlehen betrifft, ist vieles schief gelaufen.

Das da wäre?
Meier: Es wurde behauptet, ich hätte Chidi ein weitaus höheres Darlehen gegeben, und zwar als Geschenk. Alles unwahr. Ausserdem ist das meine Privatsache, das geht niemanden etwas an. Nach dem ganzen Rummel vergisst man eines: Chidi ist ein guter Pfarrer.

Interview Sven Aregger / Neue Urner Zeitung