SEELISBERG: Publikum liebt indische Klänge

Im Hotel Sonnenberg war bei einem Festival die Vielfalt der indischen klassischen Musik zu hören. Auch ein Urner Regierungsrat erfreute sich an der Musik.

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Piu Nandi begeisterte das Publikum mit ihrer wandlungsfähigen Stimme. (Bild: Otto Odermatt (Seelisberg, 1. Juni 2017))

Piu Nandi begeisterte das Publikum mit ihrer wandlungsfähigen Stimme. (Bild: Otto Odermatt (Seelisberg, 1. Juni 2017))

Otto Odermatt

redaktion@urnerzeitung.ch

Das Festival der indischen klassischen Musik, das vom 1. bis zum 4. Juni an der Meru in Seelisberg stattfand, war für Musiker und Zuhörerschaft von Freude geprägt, und somit kann es als grosser Erfolg bezeichnet werden. Auch Regierungsrat Urs Janett freute sich am Samstagabend an der indisch klassischen Musik und der friedlich entspannten Atmosphäre in der grossen Halle des Hotels Sonnenberg.

Das letzte Konzert des Festivals der indischen klassischen Musik fand am Pfingstsonntag an der Meru in Seelisberg statt. Nandkishor Muley spielte auf seiner Santur, einer Art Hackbrett mit hundert Saiten. Das Konzert begann um 11 Uhr. Um 12.30 Uhr stoppte der Musiker und meinte: «Jetzt seid ihr sicher alle hungrig.» Die Zuhörerschaft reagierte nicht, setzte sich nach den Standing Ovations und staunte ganz einfach auf die Bühne.

Zuhörer wollten noch mehr Musik hören

Der Musiker begann zur Begeisterung der Zuhörer nochmals zu spielen. Dies zeigt, dass die indische klassische Musik Erfahrungen vermittelt, die man als innere Ruhe, Freude und als Frieden bezeichnen kann. Beim Mittagessen erklärte der indische Musiker: «Musik ist auch eine Art Nahrung, und diese Nahrung ist für die heutige hyperaktive Gesellschaft ganz wichtig.»
Die Qualitäten Ruhe, Freude und Frieden vermittelte auch die Sängerin Piu Nandi am 1. Juni zur Eröffnung des Festivals. Sie sang zarte Töne fast wie das Zirpen von Grillen bis zum überwältigenden Meeresrauschen, das sich wiederum in überaus leise Töne in der Unendlichkeit des Ozeans verlor. Piu Nandi wurde vom hervorragenden Tablaspieler Udhai Mazumdar begleitet.
Schwingungen und Rhythmen wurden von Ken Zuckerman mit seinem Saiteninstrument Sarod auf prächtige Art wiedergegeben. Da sass auf der Bühne in Seelisberg ein grosser Meister, der die volle Macht des Sarods zu erfassen wusste. Die angeschlagenen Töne, zarte Glockentöne, fegten plötzlich in einer unheimlichen Geschwindigkeit in die Halle, manchmal kaum hörbar leise, manchmal laut anschwellend, und beschrieben so das Wesen der Schöpfung, wie aus dem zart bebenden Nichts die unbegrenzte Verschiedenheit des Kosmos entsteht.

Musiker waren extra aus Indien angereist

Rajendra Prasanna und sein Sohn Ritesh kamen extra für das Konzert am Samstag von Indien in die Schweiz. Wenn Rajendra Prasanna in Indien spielt, strömen Tausende zum Konzert. In Seelisberg kamen mehr als 75. Rajendra Prasanna spielte im ersten Teil seines Konzertes Flöte. Die Flöte ist ein Bambusstecken mit 6 bis 7 Löchern. Es war unglaublich, was für eine Tonvielfalt Rajendra aus diesem simplen Stecken herausholte: zarte, sensible Töne, schrille, frech sich auflehnende laute Klänge, die sich in der unendlichen, leicht bebenden Stille wieder auflösten. Rajenna Prasanna ist ein begnadeter Flötenspieler. Als Rajendra zusammen mit seinem Sohn Ritesh Prasanna spielte, verwoben sich die Klänge mit den Tablaschlägen von Sakrar P. Chowdhury zu einem tragenden Melodienteppich. Im zweiten Teil seines Konzertes spielte Rajendra Shehnai.

Der laute, scharfe Ton dieses Instruments ähnelt dem einer Oboe. Sein überaus enthusiastisches Spiel brachte die Zuhörerschaft zum Staunen, und mit Standing Ovations forderte sie eine Zugabe, die der Musiker mit Freude gewährte.