SEELISBERG: «Seeli»: Schlittschuh-Plausch auf eigenes Risiko

Das «Seeli» ist zurzeit klar gefroren – beste Voraussetzung fürs Schlittschuhfahren. Doch wer sich aufs Eis begibt, tut dies meist auf eigene Gefahr.

Florian Arnold und Markus Zwyssig
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Schlittschuhläufer ziehen auf dem gefrorenen Seelisbergsee ihre Runden. (Bild: Nadia Schärli)

Schlittschuhläufer ziehen auf dem gefrorenen Seelisbergsee ihre Runden. (Bild: Nadia Schärli)

Florian Arnold und Markus Zwyssig

Es ist ein seltenes Ereignis. Vor über 20 Jahren war der Seelisbergsee auf 738 Metern über Meer das letzte Mal klar gefroren. Jetzt ist es wieder so weit: Die Kälte und der knappe Schnee machten es möglich, dass sich auf dem 18 Hektar grossen, 800 Meter breiten und 37 Meter tiefen See eine Eisschicht bildete. 12 bis 13 Zentimeter beträgt die momentane Eisdicke.

In der Mitte des gefrorenen Sees steht seit einigen Tagen ein Tannenbaum. Für die Einheimischen bedeutet dies nur eines: Schlittschuhe raus und ab aufs Eis. «Der Baum ist ein Zeichen dafür, dass das Eis mindestens 10 Zentimeter dick ist», erklärt Toni Truttmann. Der Seelisberger Chauffeur hat ihn am 30. Dezember eigenhändig platziert und die Eisdicke seither immer wieder nachkontrolliert. «Wir übernehmen aber keine Verantwortung», betont Truttmann. «Das Betreten des Eises geschieht auf eigene Gefahr.» Den Einheimischen sei dies bewusst. «Wir stellen deshalb keine Tafeln auf und machen auch keine Werbung.»

Eis wächst fast jede Nacht

Dutzende von Sportbegeisterten haben sich in den vergangenen Tagen aufs Seelisberger Eis gewagt. Es sei sogar Hockey gespielt worden, erzählt Truttmann. Teilweise wachse das Eis momentan sogar noch. «Weil der Seelisbergsee in einer Mulde liegt, ist es dort kälter als anderswo im Dorf», so Truttmann. «In den vergangenen Tagen war es in der Nacht bis zu minus 10 Grad kalt.» Bei diesen Temperaturen könne die Eisschicht in einer einzigen Nacht gut und gerne einen weiteren Zentimeter wachsen.

Für die seltenen Eisverhältnisse ist das trockene Wetter verantwortlich. «Nur wenn kein Schnee fällt, ist das Eis derart klar gefroren», sagt Truttmann. Und das sei zuletzt in den 90er-Jahren der Fall gewesen, als einst eine Dicke von 30 Zentimetern erreicht wurde. «Wir haben sogar mitten auf dem See Fondue zubereitet», erzählt Truttmann. Wenn es keine grossen Wetterumbrüche mehr gibt, bleibt der Seelisbergsee noch bis März gefroren, schätzt er.

IG übernimmt Verantwortung

In Uri ist nicht nur der Seelisbergsee zugefroren. Auch auf dem Oberalpsee kann man in dieser Saison erstmals Schlittschuh laufen. Die IG Christen Steffen, welche das Eisfeld auf 2026 Metern über Meer betreiben, vermietet dort sogar Schlittschuhe. «Zuerst haben wir einfach begonnen, das Eis zu benützen, ohne dass wir um Erlaubnis gefragt haben», erzählt Rolf Steffen, einer der Betreiber. Als dann die Tourismusorganisation von Andermatt davon Wind bekam, wollte man es genauer wissen. Das Eis wurde mit Vertretern der Polizei, dem Amt für Tiefbau und dem EW Ursern begutachtet. «Wir haben alle gestaunt, dass der Oberalpsee teilweise bis zu 40 Zentimeter dick durchgefroren war», so Steffen.

Um Sicherheit besorgt

Die Verantwortung wurde schliesslich den Betreibern übergeben. Diese haben eine spezielle Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Der Betrag dafür würden ihnen sogar von der Versicherungsgesellschaft geschenkt. Für die Sicherheit liegen zudem Leitern, Schwimmringe, Kletterseile und Wolldecken bereit. Während der Öffnungszeiten sei das Eis ständig beaufsichtigt, sagt der Betreiber.

Wenn es sich auch um einen Ausnahmewinter handeln dürfte: Bei den Urner Behörden ist man sich unklar darüber, wer im Falle eines gefrorenen Sees darüber entscheidet, ob die Sicherheit bei der Betretung gewährleistet ist. Wie ein Nachfragen ergab, seien zurzeit Abklärungen im Gange. Diese würden allerdings mehrere Tage in Anspruch nehmen, hiess es seitens der Behörden.

Ein märchenhaftes Bild: Die Oberfläche des Seelisbergsees ist klar gefroren und trägt eine bis zu 13 Zentimeter dicke Eisschicht. (Bild: Nadia Schärli)

Ein märchenhaftes Bild: Die Oberfläche des Seelisbergsees ist klar gefroren und trägt eine bis zu 13 Zentimeter dicke Eisschicht. (Bild: Nadia Schärli)

Wer Schlittschuh fährt, tut dies auf eigene Gefahr. (Bild: Nadia Schärli)

Wer Schlittschuh fährt, tut dies auf eigene Gefahr. (Bild: Nadia Schärli)

Ein Baum ragt auf dem gefrorenen See hervor. (Bild: Nadia Schärli)

Ein Baum ragt auf dem gefrorenen See hervor. (Bild: Nadia Schärli)