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SEELISBERG: Seit 100 Jahren wird Tourismus gefördert

In einer Krisensituation wurde vor 100 Jahren der Seelisberger Fremdenverkehrsverein gegründet. In diesem Jahr feiert er sein Jubiläum mit verschiedenen Aktivitäten und einem Theaterspiel.
Christoph Näpflin
Eine historische Postkarte von Seelisberg. (Bild: PD)

Eine historische Postkarte von Seelisberg. (Bild: PD)

Der Tourismus ist aus der Gemeinde Seelisberg nicht weg­zudenken. Gewachsen ist dieser Wirtschaftszweig auch dank des Fremdenverkehrsvereins, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiern kann. «Der Tourismus spielte aber schon früher für Seelisberg eine bedeutende ­Rolle», sagt Ursi Aschwanden, Präsidentin von Seelisberg Tourismus. Ein Blick zurück:

Mit dem Bau der ersten Wallfahrtskapelle in der Mitte des 16. Jahrhunderts kamen immer mehr Gäste nach Seelisberg. Sie fanden zum Teil Unterkunft bei Einheimischen, die den Wall­fahrern Bett und Essen zur Ver­fügung stellten und so einen willkommenen Nebenverdienst erhielten. Unmittelbar bei der Dorfkirche entstand um 1800 eine erste Schenke, die den Kirchgängern nach dem Sonntagsgottesdienst Getränke herausgeben durfte.

Weitere Gasthäuser entstehen

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bot ein Gasthaus bei der Wallfahrtskapelle Pilgern eine Unterkunft. Als 1852 der spätere Urner Regierungsrat Michael Truttmann das alte Gasthaus erwarb, ging es rasch aufwärts mit dem Tourismus. Bald entstand ein zweites Gasthaus, und 1875 baute Stararchitekt Horace Edouard Davinet das Grandhotel Sonnenberg, das bis zu 500 Gäste aufnehmen konnte.

Weitere Hotels entstanden im Dorf, und prominente Gäste aus dem In- und Ausland gaben sich in Seelisberg ein Stelldichein, von Richard Wagner über Oskar von Redwitz bis zu Konrad Adenauer.

«Der erste Weltkrieg setzte dem Aufschwung in Seelisberg ein abruptes Ende», so Aschwanden. Die Gäste blieben aus, und die einst so belebten Hotels kämpften ums Überleben. Dann gingen der Seelisberger Gemeindeschreiber, der Direktor des Hotels Sonnenberg und der Ortspolizist mit total 13 Personen am 15. Februar 1917 den entscheidenden Schritt: Zur Belebung des Fremdenverkehrs gründeten sie den Fremdenverkehrsverein Seelisberg. Als Erstes führten sie den freiwilligen «Kurbatzen» von 10 Rappen pro Gast ein. Erst 1936 wurde dieser von der obligatorischen Kurtaxe abgelöst.

Der Fremdenverkehrsverein setzte sich schon früh für Halte der Schnellzüge in Brunnen ein, um die Gäste mit Schiff und Bahn nach Seelisberg bringen zu ­können. «Teilweise betrieb der Fremdenverkehrsverein sogar eine eigene Motorbootgesellschaft zwischen Treib und Brunnen, zusammen mit der Treib-Seelisberg-Bahn» sagt der ehemalige Tourismuspräsident Aly Truttmann, der für das 100-Jahr-Jubiläum im Archiv gestöbert hat.

Im Jahr 1938 kamen Befürchtungen dazu, dass eine linksufrige Autobahn über Seelisberg dem Kurort vor allem Nachteile bringen könnte. So bekämpfte der Vorstand diesen Vorschlag.

Baden sollen auch die Einheimischen

Schon früh holte sich das Hotel Sonnenberg die Erlaubnis ein, am Seelisberger Seeli eine Badeanstalt für die eigenen Gäste einzurichten. Die Gemeindeversammlung erlaubte dies unter der Bedingung, dass alle Gäste und Einheimischen diese benützen können. «Einigen Seelisbergern ging dies zu weit, und sie beschwerten sich beim Bischof über das ungehörige Baden im Bergsee», weiss Tourismuspräsidentin Ursi Aschwanden. Im Jahr 1925 übernahm der Fremdenverkehrsverein den Badebetrieb am Seeli, stellte eine Bademeisterin ein und baute Umkleidekabinen. Die Anlage wurde immer wieder ausgebaut – zum letzten Mal 2015. 2001 übernahm Seelisberg Tourismus zusammen mit der Gemeinde Seelisberg die Liegenschaft am Seelisberger Seeli von EWA, um diese weiterhin für Einheimische und Gäste als Bade­betrieb sichern zu können.

Ab 1950 setzte sich der Fremdenverkehrsverein immer wieder für die Verbreiterung der Zufahrtsstrasse ein. «Der Vorstand hat bei der Urner Baudirektion den Antrag gestellt, die Strasse nach Seelisberg auch für Autobusse freizugeben und diese entsprechend auszubauen», erzählt Aly Truttmann. «Als das Hotel Sonnenberg im Jahr 1953 die Benzintankstelle im Dorf aufgab, war auch wieder der Tourismusverein um eine Lösung gefragt», zitiert er aus den Protokollen. Als letzter grosser Höhepunkt im ­alten Hotel Sonnenberg bezeichnet Aly Truttmann die wunderbaren Heimatabende mit bestens bekannten Folkloregruppen aus der ganzen Schweiz.

Zusammenarbeit spielt grössere Rolle

Am 29. April 2017 feiert Seelisberg Tourismus die 100. Generalversammlung mit einem Festabend. «Nach 100 Jahren ist noch immer der Betrieb des Strandbads am Seelisberger Seeli und die Betreuung der Gäste vor Ort ein zentrales Thema», so Aschwanden. «Dazu kommen heute die überregionale Zusammenarbeit, vor allem mit der ­Region Klewenalp und Uri Tourismus sowie die Bewusstseinsförderung für den Tourismus.»

Bereits am 20. Mai findet am Seelisberger Seeli ein Modellschifftreffen statt. Es folgen ein Drehorgeltreffen im Juli, ein Folkloresonntag im August und eine spezielle Feier zum 1. August mit Festredner Ständerat Josef Dittli. «Ein Höhepunkt wird das Waldtheater im Juli», so die Präsidentin. «13 Seelisberger spielen die Geschichte des Tourismus in Seelisberg auf einer Bühne im Tannwald.» Das Stück wurde von Seelisbergern geschrieben. «Es wird auch von Seelisbergern inszeniert und aufgeführt. Ein schöneres Geburtstagsgeschenk können wir uns gar nicht vorstellen», sagt Ursi Aschwanden. überzeugt.

Christoph Näpflin

redaktion@urnerzeitung.ch

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