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SEELISBERG: Sie bringt frischen Wind in die Gemeinde

Ein reduzierter Gemeinderat, neue Pflichtenhefte und bald eine neue Gemeindeordnung: Seelisberg befindet sich im Umbruch. Mittendrin: Judith Durrer-Ziegler, die als neue Gemeindepräsidentin von Seelisberg die Herausforderung nicht scheut.
Carmen Epp
Judith Durrer-Ziegler sieht den Veränderungen in ihrer Gemeinde optimistisch entgegen. (Bild: Carmen Epp (Seelisberg, 9. Januar 2018))

Judith Durrer-Ziegler sieht den Veränderungen in ihrer Gemeinde optimistisch entgegen. (Bild: Carmen Epp (Seelisberg, 9. Januar 2018))

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Mit Judith Durrer-Ziegler ist Seelisberg zum ersten Mal in der Geschichte unter weiblicher Führung. Während Verfechterinnen der Gleichstellung von Frauen und Männern in der Politik ihre Wahl als Triumph feiern würden, misst Durrer dem wenig Bedeutung zu. Dass man merkt, ob nun eine Frau oder ein Mann an der Spitze der Gemeinde steht, bezweifelt die 40-Jährige. «Vieles ist vorgegeben, da kann das Geschlecht gar keinen grossen Einfluss haben.» Sie sei schon vor viereinhalb Jahren als erste Frau in die gemeindeinterne Wasserkommission delegiert worden. Nun folgte die Wahl als erste Gemeindepräsidentin. «Ich habe diese Rolle nicht gesucht», sagt Durrer. «Das hat sich einfach so ergeben.»

Dass sie dereinst der Gemeinde Seelisberg vorstehen würde, hat sich jedoch schon länger abgezeichnet. 2011 als Mitglied in den Gemeinderat gewählt, bekleidete sie zwei Jahre später bereits das Amt der Vizepräsidentin. «Ab da war es naheliegend, dereinst den nächsten Schritt zu machen», sagt Durrer. Beinahe wäre dieser Schritt schneller gekommen als geplant: 2015 wurde sie mittels Wahlvorschlag aus der Bevölkerung für das Gemeindepräsidium vorgeschlagen. Da der amtierende Gemeindepräsident, Karl Huser, sich für zwei letzte Jahre zur Verfügung stellte und dies im Gemeinderat so besprochen war, kam der Schritt damals für sie nicht in Frage, was sie der Seelisberger Bevölkerung mittels Flugblatt darlegte.

Mit reduziertem Gemeinderat ins Amt gestartet

Damit verschaffte sich Durrer zwei Jahre Zeit, sich gezielt auf die kommende Aufgabe vorzubereiten. Im November 2016 liess sie sich in den Vorstand des Gemeindeverbands wählen – ebenfalls als erste Frau. Auch da zählte für sie nicht die Vorreiterinnenrolle. Nachdem Karl Huser das Präsidium des Gemeindeverbands abgegeben hatte, wollte Durrer den Draht zum Verband nicht verlieren. «Gerade für eine Gemeinde wie Seelisberg, die in Uri gerne mal vergessen geht, ist es entscheidend, wichtige Informationen so früh wie möglich zu erhalten. Durch den Einsitz im Vorstand des Gemeindeverbands ist das gewährleistet.» Daneben beschäftigte sich Durrer im Jahr 2017 mit einer grundlegenden Neuorganisation der Gemeinde. Eine Analyse eines Beratungsbüros hatte ergeben, dass Behörden und Verwaltung in Seelisberg zwar schlank organisiert sind und gut funktionieren, es jedoch an einer klaren Beschreibung und Regelungen der einzelnen Aufgabenbereiche fehlt. Diesen Eindruck konnte Durrer bestätigen. «Wenn jemand Neues in den Gemeinderat gewählt wurde, hiess es jeweils: ‹Du übernimmst einfach die Aufgaben deines Vorgängers.› Die waren teilweise querbeet verteilt durch verschiedene Ressorts, eine klare Aufteilung fehlte.» Zusammen mit dem Beratungsbüro erarbeitete der Gemeinderat neue Ressortaufteilungen und Pflichtenhefte. Und kam zum Schluss, dass der Gemeinderat auch mit fünf statt wie bisher sieben Mitgliedern funktionieren kann, wenn man die Aufgaben klar regelt und Operatives vermehrt an die Verwaltung delegiert.

Gesagt, getan: Seit 1. Januar 2018 ist der Gemeinderat Seelisberg um zwei Mitglieder ärmer. Trotzdem ist Durrer, die den Prozess nahe begleitet hatte, überzeugt, dass die neue Organisation zu einer Entlastung führt. «Dadurch, dass sich der Gemeinderat nun auf Strategisches beschränken kann, die Aufgaben klar verteilt und damit auch die Ansprechpartner besser definiert sind, kann an Sitzungen Zeit eingespart werden. Womit letztlich auch das Amt insgesamt attraktiver wird.» Und nicht zuletzt soll diese neue Organisation die Behörden und die Verwaltung breiter abstützen und für die Bevölkerung nahbarer machen. Überhaupt wolle sie nicht wie eine Chefin über die Gemeinde «regieren», sondern flache Hierarchien pflegen.

Herausforderung spornt sie an

In einer ersten Phase wird die neue Gemeindeorganisation nun von der Theorie in die Praxis überführt. Ob Durrers Visionen in Erfüllung gehen, wird sich zeigen. Daneben beschäftigt sich die neue Gemeindepräsidentin im ersten halben Jahr mit der Einführung einer neuen Gemeindeordnung sowie zweier Verordnungen über Abläufe in den Behörden und der Gemeindeversammlung. Diese wurden wegen des neuen kantonalen Gemeindegesetzes nötig, was Seelisberg im Zusammenhang mit der neuen Gemeindeorganisation «in die Hände spielt», wie Durrer sagt. Sie ist zuversichtlich, die Gemeindeordnung und die Verordnungen an der nächsten Gemeindeversammlung zur Abstimmung bringen zu können.

Durrer tritt nach Karl Huser, der 14 Jahre im Gemeinderat war, davon acht als Präsident, ein grosses Erbe an, noch dazu mit einem reduzierten Rat und neuer Organisation: Ist das nicht etwas viel auf einmal? «Nein», sagt Durrer mit einem Lächeln. «Im Gegenteil, diese Herausforderung spornt mich an.» Und das ist nicht die Einzige, die in naher Zukunft auf die Gemeinde wartet. Nach vielen Jahren mit schwarzen Zahlen geht Seelisberg aufgrund anstehender Investitionen auf magerere Jahre zu. «Da müssen wir sicher mindestens ein Auge darauf haben», sagt Durrer. «Grund zur Sorge besteht jedoch nicht.»

Ein weiteres Thema, das Seelisberg in Zukunft betrifft, ist die geplante Tourismusorganisation der Region Klewenalp, an der sich die Urner Gemeinde ebenfalls beteiligen will. Dass sich Seelisberg in vielen Belangen mehr nach Nidwalden denn nach Uri orientiert, ist kein Geheimnis. So besuchen die Seelisberger Schüler die Oberstufe in der Nachbargemeinde Emmetten, die auch bei Feuerwehreinsätzen zu Hilfe kommt. Ausserdem kann Seelisberg sechs Pflegeheimplätze im Kanton Nidwalden beanspruchen.

«Wir sind in erster Linie Seelisberger»

Die Verbundenheit zu Nidwalden hört man auch, wenn Durrer über «Uiri» spricht. Auf die Frage, ob sich die Seelisberger überhaupt als Urner sehen, muss Durrer nicht lange überlegen: «In erster Linie sind wir Seelisberger. Geografisch bedingt orientieren wir uns gezwungenermassen nach Nidwalden und Luzern. Aber wir sind trotzdem Urner.» Das merke man jeweils etwa bei Abstimmungen oder Themen, die Uri betreffen; diese würden in Seelisberg immer auf grosses Interesse stossen. Trotzdem komme eine Fusion, etwa mit Seedorf, Flüelen oder Isenthal, für Seelisberg nicht in Frage – weder für die Bevölkerung, noch für sie persönlich. Die Gemeinden hätten zwar die etwa gleichen Themen zu bearbeiten. «Aber aufgrund unserer geografischen Lage würden die Entscheidungswege viel länger und komplizierter», gibt Durrer zu bedenken.

Was, wenn Seelisberg mit einer Strasse nach Bauen auch verkehrstechnisch besser mit Uri verbunden wäre? Durrer ist skeptisch. Abgesehen davon, dass sie das Vorhaben persönlich als unrealistisch erachtet, ist sie sich nicht sicher, ob das überhaupt im Sinne der Seelisberger wäre. «Wir sind zwar eine Sackgasse, was vor allem Touristen immer wieder erstaunt. Wir Seelisberger haben uns jedoch daran gewöhnt und kennen auch die Vorteile, die unsere Lage mit sich bringt. Mit Durchreiseverkehr wäre es vorbei mit der Ruhe hier oben.» Eine Eigenschaft unter vielen, die Durrer an ihrer Gemeinde so schätzt.

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