Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SEELISBERG: So wollen sie für Uri einstehen

Bei einem Podium konnten sich die Kandidaten in Szene setzen. Die Meinungen gehen bei Energie- und Ausländerfragen weit auseinander.
Florian Arnold
Vier der sieben Nationalratskandidaten von Uri: Matthias Fürst, Isidor Baumann, Josef Dittli und Markus Arnold. (Bild: Florian Arnold (Neue UZ))

Vier der sieben Nationalratskandidaten von Uri: Matthias Fürst, Isidor Baumann, Josef Dittli und Markus Arnold. (Bild: Florian Arnold (Neue UZ))

Florian Arnold

Plakate sind rar, und auch sonst wird hier nur sehr spärlich für die nationalen Wahlen vom 18. Oktober geworben. Vielleicht gerade deswegen wurde Seelisberg zur Gastgebergemeinde für ein Wahlpodium gewählt. «Man nimmt uns nicht immer wahr», sagte Gemeindepräsident Karl Huser. Mit der Einladung der fünf Kandidaten habe man dies ändern wollen. Als Partner wurde das «Urner Wochenblatt» gefunden. Leider war vielen der Weg letztlich doch zu weit: Nur gerade rund 50 Politikinteressierte kamen gestern in die Turnhalle. Die beiden UW-Redaktoren Markus Arnold und Matthias Fürst führten durch den Morgen. Sie fühlten den Kandidaten speziell bei der Ausländerthematik und der Energiepolitik auf den Zahn. Die Kandidaten setzten sich dabei in Szene.

«Es ist Zeit für die SVP»

«Ich habe die richtigen Voraussetzungen, den Kanton Uri in Bundesbern zu vertreten», sagte Beat Arnold (SVP, Schattdorf). Als amtierender Landesstatthalter ist Arnold auf dem Sprung zum Landammann. Aber er habe die Chance jetzt packen wollen, auch wenn ihn der Vorsitz der Regierung gereizt hätte. «Es ist an der Zeit, einen ersten Vertreter unserer Partei nach Bern zu schicken», so der SVP-Mann.

Gerade seine Partei war es, die sich stets für eine restriktive Ausländerpolitik einsetzte. «Die Flüchtlingsproblematik wird uns schon bald einholen», sagte Arnold. Trotzdem sei es aber selbstverständlich, dass auch die Schweiz in der jetzigen Situation Flüchtlinge aufnehme. Arnold hofft, dass der Schweiz der Atomausstieg gelingt. «Die Frage ist aber, zu welchem Preis dies geschehen soll», so der Kandidat. Die Lösung könne nicht sein, Kohlestrom aus Deutschland zu importieren. «Ohne grosse Einsparungen werden wir es nicht schaffen.»

Als Vater – seine Tochter ist vergangene Woche zur Welt gekommen – liege ihm viel daran, dass auch zukünftige Generationen im selben Wohlstand leben könnten wie er. «Ich habe die Energie und das Alter, mich mit aller Kraft dafür einzusetzen.»

«Ich kenne die Anliegen»

Auch Frieda Steffen (CVP, Andermatt) würde bei einer Wahl auf ein höheres Amt verzichten müssen. Als Mitglied des Landratsbüros könnte sie schon bald zur Landratspräsidentin und somit zur höchsten Urnerin gewählt werden. Doch dass die CVP jemanden anderes finden wird, darüber macht sich Steffen keine Sorgen. Als Urschnerin wird ihr vorgeworfen, sie würde in Bern nur den oberen Kantonsteil vertreten. «Ich kenne die Anliegen des ganzen Kantons», versicherte Steffen. Sie sagte aber auch, dass ihr Engagement für eine zweite Gotthardröhre daher rühre, dass sie als Urschnerin direkt betroffen sei.

In Bern würde sich Steffen für die Verbesserung der medizinischen Versorgung starkmachen, was sicherlich ganz Uri nützen würde. Ein wichtiges Mandat innerhalb der CVP Schweiz strebe sie aber nicht an. «Ich möchte für Uri und nicht für meine Partei im Parlament sein», betonte sie. Steffen glaubt an einen Atomausstieg. Allerdings malt sie nicht den Teufel an die Wand. «Wir haben noch Zeit», so Steffen. Diese müsse man nutzen, um an der Technologie und der Effizienz zu arbeiten. Bei der Asylfrage setzt Steffen vor allem auf die Rückführung in die Herkunftsländer. Hierbei sei auch die UNO gefragt. Sich selber bezeichnete sie als stille Schafferin. «So vielfältig wie der Kanton Uri sind auch meine Fähigkeiten und Kenntnisse.» Als konsensfähige Politikerin sei sie für Uri die richtige Vertretung.

«Ich arbeite mit anderen Mitteln»

Mit der Wahl von Annalise Russi (Grüne, Altdorf) in den Nationalrat wäre Uri nur in einer kleinen Fraktion vertreten. Dies betrachtet die Altdorfer Kandidatin aber nicht als Nachteil. «Ich würde Uri mit anderen Mitteln Gehör verschaffen», so Russi. «Ich bin fest davon überzeugt, dass Politik nur funktioniert, wenn alle Akteure mit einbezogen werden», sagte Russi. Deshalb sei es legitim, eine rot-grüne Vertretung nach Bern zu wählen.

Und wie erwartet vertritt Russi auch in Asyl- und Energiefragen die linken Ansichten. «Der Atomausstieg ist beschlossene Sache», betonte Russi. Man müsse sich überlegen, wie noch mehr Strom gespart werden könne. Potenzial dafür macht sie auch im Strassenverkehr aus. «Man sollte nicht unnötig Energie für eine zweite Gotthardröhre verbraten», gab sie zu bedenken. Als Einzige machte sie am Podium auf die Bedeutung der Neat aufmerksam, auf die man nun setzen müsse. Für Russi kommt aber auch eine Erhöhung des Benzinpreises in Frage. Bei der Wasserkraft ist sie aber skeptisch. Dort müsse man auch ein Augenmerk auf das Restwasser legen. Und in der Flüchtlingsdebatte vertritt auch sie die Ansicht, dass nun gehandelt werden müsse. Russi geht davon aus, dass die Schweiz Platz für 20 000 Flüchtlinge hätte. Und auch sie würde es unterstützen, wenn noch mehr in die Herkunftsländer investiert würde.

Das sagen Dittli und Baumann

Die zwei Kandidaten für die beiden Ständeratssitze, Isidor Baumann und Josef Dittli, konnten die Diskussionsrunde lockerer angehen. Josef Dittli (FDP, Attinghausen) sagte, er habe als Regierungsrat gesunden Menschenverstand walten lassen. Neben dem Ständeratsmandat könne er sich sowohl gemeinnützige als auch wirtschaftliche Engagements vorstellen. «Ich werde aber darauf achten, dass stets die Arbeit im Ständerat im Zentrum steht», versprach er.

In der Asylfrage bekannte sich Dittli zu den Kontingenten, welche in Europa nun verteilt werden sollen. Und zur Energiefrage sagte er: «Solange die AKW sicher sind, soll man sie auch betreiben.»

Angst vor Referendum

Isidor Baumann (CVP, Wassen) will das Image des stillen Schaffers bewahren, denn er sei damit gut gefahren. Die Urner würden seine Positionen kennen. Er appellierte an die Weitsicht, was Energiefragen betreffe. Denn «Gesamtzusammenhänge und Einzelinteressen gehen oft auseinander», so Baumann. Und bei der Flüchtlingsthematik fürchtet er sich vor allem vor dem Referendum zum Asylgesetz. «Wenn das Referendum kommen sollte, steht alles still.»

Heisse Themen

Neben den Hauptthemen der Diskussion nahmen die Kandidaten auch kurz Stellung zu folgenden Punkten:
Grossraubtiere: Während Frieda Steffen und Beat Arnold davon ausgehen, dass es in Uri keinen Platz für Grossraubtiere gibt, sind sie Annalise Russi willkommen.

NFA-Zahlungen: Alle drei Kandidaten wollen, dass die NFA-Gelder nicht gestrichen werden.
Rentenalter: Für alle drei ist eine Erhöhung des Rentenalters verhandelbar.

Masseneinwanderung: «Die Initiative muss umgesetzt werden», sagen Frieda Steffen und Beat Arnold. Steffen glaubt daran, dass mit der EU eine gangbare Lösung gefunden werden kann. Annalise Russi sieht die bilateralen Verträge allerdings in Gefahr.

Bundesratswahlen: Frieda Steffen und Annalise Russi sind für eine Wiederwahl von Eveline Widmer-Schlumpf, Beat Arnold würde sie eher nicht wählen.

Nationalratskandidatin Frieda Steffen. (Bild: Florian Arnold (Neue UZ))

Nationalratskandidatin Frieda Steffen. (Bild: Florian Arnold (Neue UZ))

Nationalratskandidatin Annalise Russi. (Bild: Florian Arnold (Neue UZ))

Nationalratskandidatin Annalise Russi. (Bild: Florian Arnold (Neue UZ))

Nationalratskandidat Beat Arnold. (Bild: Florian Arnold (Neue UZ))

Nationalratskandidat Beat Arnold. (Bild: Florian Arnold (Neue UZ))

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.