SEELISBERG: Zum Schluss wirds so richtig laut

Traditionsgemäss endet das Jahr mit einem grossen Umzug und einem gemütlichen Festabend. Über 400 «Tryychler» und Lichtträger sind am kommenden Freitag unterwegs.

Christoph Näpflin
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«Schällä», «Tryychlä» und «Yffälä» werden den Umzug durch Seelisberg prägen. (Bild: Christoph Näpflin (Seelisberg, 27. Dezember 2015))

«Schällä», «Tryychlä» und «Yffälä» werden den Umzug durch Seelisberg prägen. (Bild: Christoph Näpflin (Seelisberg, 27. Dezember 2015))

Christoph Näpflin

redaktion@urnerzeitung.ch

Am kommenden Freitagabend, 30. Dezember, 20 Uhr, gehen in Seelisberg die Lichter aus. Für einen kurzen Moment wird sich wenige Stunden vor dem Jahreswechsel gespenstische Stille über das Dorf legen. Überall im Dorf werden Gäste aus nah und fern auf den Jahresausklang warten. Dann setzt sich im Seelisberger Oberdorf der Umzug in Bewegung in Richtung Dorf, und zwar mit ohrenbetäubendem Lärm. Über 400 «Tryychler» aus der ganzen Innerschweiz werden auch in diesem Jahr zum Jahresausklang in Seelisberg erwartet.

«Es ist immer wieder ein wunderbares Gefühl, nur vom Licht der Fackeln und ‹Yffälä› begleitet, im Einklang mit den vielen andern ‹Tryychlern› und den Peitschenknallern durchs nächtliche Seelisberg zu laufen», sagt Stefan Truttmann von der Seelisberger «Tryychler»-Gruppe. Sie wird wie immer den grossen Umzug durchs Dorf anführen.

Zur 700-Jahr-Feier ins Leben gerufen

Der stets wachsende und mächtige Klang der vielen Kuhglocken eilt dem Umzug voraus und lässt die wartenden Zuschauer in mystischer Stimmung erschaudern. «Es ist unsere Art, dem alten Jahr auf Wiedersehen zu sagen und uns auf das neue Jahr einzustimmen», erläutert Stefan Truttmann die Idee, die hinter dem Jahresausklang steckt. Diese wurde zur 700-Jahr-Feier der Schweiz 1991 ins Leben gerufen.

Nach dem lautstarken Umzug vom Oberdorf hinunter zum Bahnhofplatz und wieder zurück steigt im Kirchendorf ein grosses Fest. «Zusammen mit den Zuschauern und Aktiven setzen wir uns gemütlich zusammen und geniessen die letzten Stunden im alten Jahr», freut sich Stefan Truttmann bereits jetzt auf die Geselligkeit, die an diesem Abend grosse Bedeutung hat – neben der Arbeit, die das 100-köpfige Festkomitee zu erbringen hat. In der Turnhalle, im grossen Festzelt und in der Bar stehen über 700 Plätze zur Verfügung, um bei Kaffee und urchiger Unterhaltung durch die beiden Ländlerkapellen den Abend bis zum Morgengrauen zu geniessen. Der Eintritt zum Fest ist frei.

«Tryychlä» ist ein alter Brauch

Im Unterschied zu einer Glocke besteht die «Tryychlä» nicht aus gegossenem Metall, sondern aus gehämmertem Blech. Deshalb ist sie viel leichter und lässt sich dadurch auch über längere Strecken viel besser tragen. «Tryychlä» stammt aus dem Alemannischen, bedeutet Herden- oder Viehglocke und kommt nur im süddeutschen Raum und in der deutschsprachigen Schweiz vor. Es reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Vom Klauseinzug bis zum Sportanlass

Beim «Tryychlä» handelt es sich um einen alten Brauch, der in verschiedenen Ausprägungen im nördlichen Alpenraum anzutreffen ist. Ganz allgemein werden «Tryychlä» als Klanginstrument bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten in weiten Teilen der Schweiz verwendet, so etwa bei Klauseinzügen, an der Fasnacht, zum Jahresende und vermehrt auch bei Sportanlässen.

Beim Umzug in Seelisberg kommen verschiedene Arten von «Tryychlä» zum Einsatz, die je nach Grösse und Bauweise auch ganz unterschiedlich tönen. Besonders eindrücklich sind die Joch-«Tryychler». Diese Gruppen zeigen unterwegs zum Teil auch Tanzschritte.

Hinweis

Der Umzug beginnt am kommenden Freitagabend, 30. Dezember, 20 Uhr, im Oberdorf. Der Festabend findet anschliessend in der Turnhalle, im Festzelt und in der Bar statt.