Urner Grünen-Landrat will Seewasser als Quelle nutzen

Christoph Schillig befürwortet Erdsonden, Grundwasserwärmepumpen und die Nutzung der Tunnelwärme zur Energiegewinnung. Er sieht aber noch brachliegendes Potenzial.

Bruno Arnold
Drucken
Teilen
Die Regierung soll aufzeigen, ob sich der Urnersee für die Wärmenutzung und zur Kühlung eignet. (Bild: Georg Epp (Flüelen, 19. Juli 2016))

Die Regierung soll aufzeigen, ob sich der Urnersee für die Wärmenutzung und zur Kühlung eignet. (Bild: Georg Epp (Flüelen, 19. Juli 2016))

Der Kanton Uri strebt gemäss Gesamtenergiestrategie eine 2000-Watt-Gesellschaft mit klimaneutraler Energiegewinnung an. Bereits 2020 soll der Energieverbrauch auf 4000 Watt gesenkt sein. «In der Strategie ist zwar die Rede von Erdsonden, Grundwasserwärmepumpen und der Nutzung der Tunnelwärme, nicht aber von der Nutzung des Seewassers», hielt Landrat Christoph Schillig (Grüne Uri, Flüelen) am Mittwoch, 5. September, bei der Begründung eines entsprechenden Postulats fest. «Der Fokus wird sehr stark auf die Wasserkraft und deren Ausbau gerichtet.» Schillig fordert deshalb von der Regierung einen Bericht über die Nutzung des Urnersees als Energiequelle.

Bei der Begründung des Vorstosses erwähnte Schillig mehrere Beispiele für bereits funktionierende Nutzungen. So werde in der Stadt Zug bereits seit Jahrzehnten Wärme- und Kälteleistung aus dem Zugersee bezogen. Die Wasserwerke Zug würden zudem unter dem Namen «Circulago» eine weitere Nutzung planen. Das Konzept: Das Seewasser soll in einen Wärmetauscher geleitet werden, wo ihm die Wärme entzogen wird. In einem geschlossenen Kreislauf fliesst es dann in die Quartiere und wird dort über Wärmepumpen auf Heizungswassertemperatur erhitzt.

Von St. Moritz bis an den Bodensee

«Das Potenzial des Zugersees für die Wärmenutzung wird 40-mal höher eingeschätzt als die aktuelle Nutzung, das Potenzial für die Kühlung 13-mal höher», hielt Schillig gestern fest. Am Bodensee würden bereits viele Liegenschaften mit Wärme aus dem See versorgt, und auch in Luzern sei die Nutzung des Seewassers geplant. Bereits 2019/20 sollen dort die ersten Liegenschaften angeschlossen werden. In St. Moritz würden verschiedene Hotels mit Wasser aus dem See beheizt, und in Rapperswil beziehe der Kinderzoo heute Wärme aus dem Zürichsee.

«Der Urnersee ist ein riesiges Reservoir an ungenutzter Energie», so Schillig. «Rund um den Urnersee leben rund 5000 Einwohner. Angesichts der Dringlichkeit, die Produktion von CO2 zu reduzieren, müssen alle Möglichkeiten genutzt werden.»

Bericht soll mehrere Fragen beantworten

Im Bericht, den Schillig von der Regierung fordert, sollen insbesondere folgende Fragen beantwortet werden:

  • Wie gross ist das nutzbare Wärmepotenzial des Urnersees?
  • Wie viele Haushaltungen könnten sinnvoll mit Wasser aus dem Urnersee beheizt werden?
  • Welche Gebiete könnten mit Wärme aus dem Urnersee beliefert werden?
  • Wie gross ist das nutzbare Potenzial des Urnersees für Kühlungszwecke?
  • Welche ökologischen Auswirkungen hätte die Nutzung des Urnersees als Wärmequelle respektive zur Kühlung?
  • Wieviel CO2 könnte nach Ansicht der Regierung in Zukunft durch die Nutzung des Wassers des Urnersees als Energiequelle eingespart werden?
  • Welche rechtlichen und raumplanerischen Voraussetzungen müssten geschaffen werden, damit eine wirtschaftliche Nutzung des Urnersees als Energiequelle möglich wird?
  • Welche regionale Wertschöpfung könnte aus einer Nutzung des Seewasserpotenzials gewonnen werden?
  • Ist die Regierungbereit, diese Energiequelle als Beitrag zur 2000-Watt-Gesellschaft zu fördern und dem Landrat den Entwurf von allenfalls nötigen Rechtserlassen vorzulegen?