Seit 30 Jahren pflegen freiwillige Helfer die Urner Wälder

Bereits zum 30. Mal findet das Bergwaldprojekt im Kanton Uri statt. Freiwillige pflegen dabei Schutzwaldgebiete und unterhalten wichtige Forstwege.

Nino Gisler
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Die Aussentemperaturen steigen in hochsommerliche Höhen, doch im Wald bekommt man davon nur wenig mit. Langsam aber bestimmt schwingt Simone Chelbi ihre Sense Richtung Boden und mäht das leicht angetrocknete Gras in einem Steilhang in Schattdorf. Weiter oben im Hang bringt Tino Flühmann einen Haselstrauch zu Fall. Gekonnt bringt er das Sägeblatt am Stamm des Strauches an und sägt im Gleichtakt, bis der Haselstrauch der Schwerkraft unterliegt. «Die Wiese soll möglichst viel Licht erhalten», erklärt Flühmann. Dieser Haselstrauch habe Schatten verursacht, sagt er.

Chelbi und Flühmann sind zwei von rund 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmern am diesjährigen Bergwaldprojekt in Uri. Gegründet im Jahr 1987 und seit 1990 im Kanton Uri aktiv, setzt sich das Bergwaldprojekt für den Erhalt und die Pflege des Schutzwaldes ein. In Zusammenarbeit mit dem lokalen Forstdienst organisiert das Bergwaldprojekt im Kanton Uri eine zweiwöchige Projektwoche, bei der sich Freiwillige, unterstützt durch ortsansässige Forstarbeiter, in den Bereichen Waldpflege und Unterhalt von Forstwegen betätigen können.

Die fleissigen Teilnehmer des Bergwaldprojektes Uri mähen das Gras im Schattdorfer Schutzwald.

Die fleissigen Teilnehmer des Bergwaldprojektes Uri mähen das Gras im Schattdorfer Schutzwald.

Bild: Nino Gisler (7. August 2020)

Pflege und Unterhalt in Urner Wäldern

Seit 30 Jahren ist das Bergwaldprojekt in verschiedenen Gemeinden des Kantons Uri tätig – dieses Jahr in Bürglen, Erstfeld und Schattdorf. In Bürglen und Schattdorf beschäftigen sich die freiwilligen Helfer mit der Pflege von Wildbiotopen. Dabei werden kleine Waldlichtungen mit der Sense freigemäht, damit die Wildtiere genug Nahrung finden und somit keine Jungbäume anknabbern. Im Weiteren werden Weideflächen entbuscht und sonstige Unterhaltsarbeiten durchgeführt. In Erstfeld sind die Frondienster beim Unterhalt der Forstwege tätig und sicheln junge Bäume aus. Chelbi sagt:

«Ich geniesse die Zeit in der Natur, da bekomme ich fast Heimweh.»
Simone Chelbi, Teilnehmerin Bergwaldprojekt Uri.

Simone Chelbi, Teilnehmerin Bergwaldprojekt Uri.

Bild: Nino Gisler (Schattdorf, 7. August 2020)

Aufgewachsen ist sie in Neuenburg. Seit über 25 Jahren lebt sie mit ihrem Mann in Tunesien. Sie ist das erste Mal beim Bergwaldprojekt mit dabei, ihre Tochter hat sie dazu bewogen. «Zuerst wollte sie alleine kommen, doch da habe ich gesagt, dass ich auch mitmachen will. Meine Tochter weiss, dass ich den Wald und die Berge liebe, das ist mein Element», verrät Simone Chelbi sichtlich gerührt.

70 Prozent der Urner Wälder haben Schutzfunktion

«Wir brauchen den Wald. Er benötigt viel Pflege, damit er uns so schützt, wie wir uns das wünschen», sagt Moni Hug, Projektleiterin des Bergwaldprojektes im Kanton Uri. Die Forstingenieurin ist seit 1993 dabei und betreut seit 2003 die Arbeitseinsätze im Kanton Uri. Ihr wichtigstes Anliegen ist, den Freiwilligen aufzuzeigen, dass die Menschen abhängig vom Wald sind. «Ich geniesse es, mit den Teilnehmenden für eine Woche im Wald zu arbeiten. Es bedeutet mir viel, ihnen etwas über die Schutzfunktion des Waldes zu erzählen.»

Moni Hug, Projektleiterin Bergwaldprojekt Uri.

Moni Hug, Projektleiterin Bergwaldprojekt Uri.

Bild: Nino Gisler (Schattdorf, 7. August 2020)

Rund 70 Prozent der Wälder im Kanton Uri sind Schutzwälder. Sie schützen die örtliche Infrastruktur vor Naturgefahren wie Lawinen und Steinschlägen. Vor 30 Jahren hat der Wintersturm Vivian viele Schutzwälder hart getroffen – auch einige im Kanton Uri. Dies hat dazu geführt, dass sich die Gebirgswaldförster seit den 1990er-Jahren intensiv mit der Dokumentation der Waldentwicklung und der Erfolgskontrolle ihrer waldbaulichen Tätigkeit befassen. «Heute können wir unsere Ziele und Massnahmen auf dokumentierte Fakten abstützen», wird der heutige Kantonsforstmeister Beat Annen im Newsletter «Schutzwald Schweiz» der Fachstelle für Gebirgswaldpflege zitiert.

Dass das Bergwaldprojekt dem Kanton Uri auch die nächsten Jahre erhalten bleibt, davon ist Moni Hug überzeugt. «Wir Menschen werden auch in Zukunft noch abhängig sein vom Schutzwald. Es ist schön, dass es dieses Projekt schon 30 Jahre gibt, doch die Arbeit geht weiter.» Die Freiwilligen würden auch in Zukunft einen wertvollen Beitrag zur Pflege der Schutzwälder leisten, ist Hug überzeugt.

Hinweis: Anmeldungen für einen Einsatz können unter www.bergwaldprojekt.ch vorgenommen werden. Die 31. Ausgabe des Bergwaldprojektes Uri findet nächstes Jahr im August statt.

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