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SERIE: Dreharbeiten zu «Das gefrorene Herz»: Filmcrew musste im Meiental ausharren

Regisseur Xavier Koller setzte bei seinem Film «Das gefrorene Herz» voll auf den Kanton Uri – nicht nur bei den Drehorten. Denn Urner mussten die Wintergeschichte mit ihrem urchigen Dialekt nachsynchronisieren.
Elias Bricker
Der Korber (Sigfrit Steiner) will, dass sein Freund, ein Schirmflicker, eine richtige Beerdigung erhält. (Bild: PD (1979))

Der Korber (Sigfrit Steiner) will, dass sein Freund, ein Schirmflicker, eine richtige Beerdigung erhält. (Bild: PD (1979))

Elias Bricker

elias.bricker@urnerzeitung.ch

Ein Schirmflicker (Paul Bühlmann) stirbt an der Grenze zwischen Vorderau und Hinterau. Doch keine der beiden Gemeinden hat ein Interesse daran, dem umherziehenden «Fecker» ein ordentliches Begräbnis zu finanzieren, und schieben die Leiche hin und her – bis ein Korber (Sigfrit Steiner) den beiden Gemeinderäten einen Streich spielt. Er setzt ein gefälschtes Testament auf, in dem steht, dass der Schirmflicker jenem Dorf, in dem er begraben wird, einen grösseren Geldbetrag hinterlässt.

Plötzlich hat Hinterau grösstes Interesse daran, ein zünftiges Leidmahl auf die Beine zu stellen ...

Die Geschichte stammt aus der Feder des einst gefeierten Schwyzer Schriftstellers Meinrad Inglin. 1979 wurde «Das gefrorene Herz» vom späteren Oscar-Gewinner Xavier Koller verfilmt – und zwar nicht irgendwo, sondern hauptsächlich im Kanton Uri: Aus dem Weiler Färnigen im Meiental wurde Vorderau, Äsch hinter Unterschächen wurde zur Gemeinde Hinterau. Unter dem bekannten Wasserfall im Schächental stampfen die Filmemacher aus Kulissenmaterial ein kleines Dorf aus dem Boden.

Föhn macht der Crew das Leben schwer

Die Aussenaufnahmen im Kanton Uri waren für die Filmcrew eine riesige Herausforderung. Als die Filmemacher Anfang Januar 1979 im Schächental mit den Dreharbeiten der Wintergeschichte beginnen wollten, lag weit und breit kein Schnee. Deshalb forcierten sie vorerst die Innenaufnahmen in den Studios.

Als es dann endlich schneite, zügelte die Crew das ganze Equipment nach Äsch bei Unterschächen. Doch kaum konnten die Dreharbeiten dort starten, gab es einen Föhneinbruch und die ganze weisse Winterpracht war wieder weg. Die Dreharbeiten mussten jedoch trotzdem weitergehen. Die Mitarbeiter von Regisseur Xavier Koller schwärmten in die ganze Schweiz aus, um Schnee zu suchen. In Olivione am Lukmanierpass wurden sie fündig, und so wurde das ganze Equipment kurzerhand ins Bündner Südtal transportiert – damals, noch vor der Eröffnung der Autobahn, mit der Bahn durch den Gotthardtunnel.

Dann gab es endlich auch im Kanton Uri Schnee – aber viel mehr, als den Filmemachern lieb war. Die Lawinengefahr in den Seitentälern spitzte sich zu. Gleichzeitig fiel das Thermometer in einigen klaren Nächten, in denen Aussenaufnahmen gemacht werden mussten, auf fast minus 20 Grad, was die Arbeit der Schauspieler und der Filmcrew stark erschwerte. «Die Schminke war bei diesen Temperaturen hart und unbrauchbar geworden», schrieb Autorin Antoinette Schwab in ihrem 2015 erschienenen Buch «Drehort. Wandern in Schweizer Filmkulissen» über die Bedingungen.

Urner Statisten wurden ins Zürcher Oberland geholt

Ungemütlich wurde es für die Crew jedoch im Meiental. Dort war die Lawinengefahr noch viel grösser als im Schächental. Plötzlich spitzte sich die Situation derart zu, dass die Strasse nach Wassen unerwartet geschlossen werden musste und die Crew eine Nacht in einem engen Raum in Färnigen ausharren musste.

Doch nicht nur bei der Filmkulisse setzten die Macher auf den Kanton Uri, sondern auch bei den Statisten. Eine ganze Reihe Urner stand im Äsch, in Färnigen und am Eingang des Brunnitals in Unterschächen vor der Kamera – darunter mehrere kantige Bartträger. Doch da der Regisseur auch bei den Innenaufnahmen zum Teil die gleichen Statisten wollte, mussten die Urner ins Zürcher Oberland reisen. Dort residierten sie in einem Hotel in Uster und machten Aufnahmen in einem Studio in der Gemeinde Maur.

Der Film gilt längst als Klassiker

Auffällig am Film «Das gefrorene Herz» ist, dass praktisch alle Figuren reinsten Urner Dialekt sprechen – mit Ausnahme der beiden Hauptdarsteller Paul Bühlmann und Sigfrit Steiner, die Auswärtige verkörperten. Fast alle Szenen wurden nach den Dreharbeiten von Urnern nachsynchronisiert – also auch bei der Sprache setzte Regisseur Xavier Koller voll und ganz auf den Kanton Uri (siehe Box). Vielleicht wurde der Film nicht zuletzt deshalb ein voller Erfolg und gilt längt als Klassiker.

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