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SERVICE PUBLIC: Poststelle Wassen vor dem Aus

Die Post «überprüft» ihre Filiale in Wassen. Davon hält die Gemeindepräsidentin gar nichts. Und auch die Arbeitsgruppe Poststellennetz Uri wehrt sich.
Matthias Stadler
Immer mehr Filialen der Post schliessen. Auch die Zukunft derjenigen in Wassen ist offen.Symbolbild: Corinne Glanzmann (Wolfenschiessen, 31. 5. 16)

Immer mehr Filialen der Post schliessen. Auch die Zukunft derjenigen in Wassen ist offen.Symbolbild: Corinne Glanzmann (Wolfenschiessen, 31. 5. 16)

Matthias Stadler

matthias.stadler@urnerzeitung.ch

Es ist eine Nachricht, die schon viele Gemeindepräsidenten auf die Palme gebracht hat: «Die Post überprüft ihr Angebot in ...». Normalerweise heisst das, dass die Postfiliale in absehbarer Zeit geschlossen wird und deren Dienstleistungen von einem Dorfladen übernommen werden oder ein Hausservice eingerichtet wird.

Am Donnerstag traf die Mitteilung zur Filiale in Wassen ein. Bereits im Frühjahr hatte die Post kommuniziert, dass diese Poststelle geschlossen werden könnte. Nun heisst es: «Die Post ist im Dialog mit den Gemeindebehörden von Wassen. Sie prüft eine neue Lösung für die Postversorgung in der Gemeinde.» Es stünden zwei Alternativen im Vordergrund: die Filiale mit Partner und der Hausservice. Noch stehe nicht fest, wie die künftige Postversorgung in Wassen aussehen wird. Bis dies geklärt sei, bleibe die Filiale «unverändert in Betrieb».

«Zermürbende Taktik der Post»

Das Schreiben kommt bei Kristin T. Schnider, Gemeindepräsidentin von Wassen, nicht gut an. «Ich kann dies nur so betrachten, dass es ein weiterer Teil der zermürbenden Taktik der Post ist, um uns vor vollendete Tatsache zu stellen. Die Post missbraucht das Vertrauen, dass die Schweizer Bevölkerung traditionsgemäss noch in sie hat.» Denn viele Leute würden nach wie vor denken, dass die Post «es ja nur gut meint».

Kristin T. Schnider fordert ein Moratorium für Poststellenschliessungen. «Die Verantwortlichen sollen aufhören, unsere Post auszuhöhlen.» Zwar sei man in Wassen zu Gesprächen bereit, «aber wir berufen uns darauf, dass auch Randregionen Zugang zu Dienstleistungen der Post haben müssen. Es kann nicht sein, dass man vom Meiental nach Erstfeld oder Andermatt fahren muss, um zur nächsten Postfiliale zu gelangen.» Zudem werde das Urner Oberland einen Zuwachs an Arbeitern erhalten, wenn die zweite Gotthardröhre gebaut wird. Gerade solche ausländischen Arbeiter bräuchten die Post sehr häufig. «Ausserdem haben wir einen Kundenstamm, der relativ konstant ist.» Die Wassner Gemeindepräsidentin zeigt sich denn auch kämpferisch: «Die Poststelle Wassen bleibt, bis man irgendwann so weit ist, dass man uns anständig und ehrlich behandelt.» Mit ihrer Taktik spiele die Post die Gemeinden gegeneinander aus, weswegen diese gemeinsam auftreten müssten.

Bundesparlament behandelt Vorstösse

Hier kommt Markus Frösch ins Spiel. Er leitet die Arbeitsgruppe «Poststellennetz Uri» und ist Gemeindepräsident von Bürglen. Die Gruppe besteht aus Vertretern mehrerer Urner Gemeinden und setzt sich im Namen des Urner Gemeindeverbands für ein Moratorium ein. Es sollen aktuell keine Poststellenschliessungen mehr erfolgen. Markus Frösch weist darauf hin, dass im Bundesparlament einige Vorstösse hängig sind, welche die Kriterien des Service public neu definieren wollen. So etwa jene Motion, die zum einen verlangt, dass die Kriterien für die Erreichbarkeit von Poststellen künftig auf regionaler Ebene und nicht mehr auf nationaler Ebene festgelegt werden sollen. Zum anderen müssten Agenturen zwingend mehr Dienstleitungen anbieten können. Der Nationalrat nahm das Begehren im Mai mit einer deutlichen Mehrheit an, voraussichtlich im Herbst wird auch der Ständerat darüber befinden. Eine Annahme könnte zur Folge haben, dass diverse Filialen in den Randregionen offen zu bleiben hätten. «Es ergibt deswegen Sinn, aktuell auf Poststellenschliessungen zu verzichten, bis man weiss, was die Politik in Bern festlegt.» Zwar sei ihm bewusst, dass sich die Postdienstleistungen in einem Wandel befänden, «aber was nun in Bern besprochen wird, könnte uns die Möglichkeit geben, mit der Post Varianten auszudiskutieren».

Daher zeigt sich Markus Frösch über die Mitteilung der Post bezüglich Wassen irritiert. Bevor die Arbeitsgruppe und die Wassner Verantwortlichen mit der Post zusammensitzen, erscheine es nun so, als ob die Post ungeachtet der politischen Prozesse im gleichen Fahrplan weitermachen wolle: «Dieses Vorgehen beschädigt wiederholt das Vertrauen in einen zukunftsgerichteten Dialog.»

Ersatzlose Schliessung ausgeschlossen

Die Post widerspricht: «Es sind noch keine Entscheide gefallen. Wir haben lediglich kommuniziert, dass wir mit der Gemeinde Wassen im Gespräch sind und weitere Gespräche stattfinden werden.» Ausserdem seien die Schritte immer transparent kommuniziert worden. Welches die neue Lösung sei und wann sie umgesetzt werde, ist laut Sprecher Markus Flückiger offen. Aber etwas sei sicher: «Eine ersatzlose Schliessung von Wassen steht ­ für uns nicht zur Diskussion.» Ausserdem werde die Bevölkerung zu einem späteren Zeitpunkt zu einem Dialoganlass eingeladen, wie dies bei jeder anstehenden Veränderung der Fall sei.

Bezüglich der offenen Vorstösse im Parlament teilt die Post mit, dass der politische Prozess «aufmerksam verfolgt wird, zum laufenden Prozess äussern wir uns aber nicht». Markus Flückiger betont, dass sich die Post an die geltenden Erreichbarkeitsvorgaben halte.

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