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«Nurse Practitioner» entlastet in Uri Ärzte bei der Arbeit (prov)

Claudine Lüscher arbeitet in einem Pilotprojekt als «Nurse Practitioner», einem Beruf zwischen Krankenschwester und Ärztin. Das Modell könnte für den Kanton Uri Zukunft haben, wenn auch eher in grösseren Praxen, wie Arzt Toni Moser sagt.
Florian Arnold
Die Urner «Nurse Pracititioner» Claudine Lüscher bei der Arbeit. (Bild Urs Hanhart, Bürglen, 3. Mai 2018)

Die Urner «Nurse Pracititioner» Claudine Lüscher bei der Arbeit. (Bild Urs Hanhart, Bürglen, 3. Mai 2018)

Die medizinische Grundversorgung kann im Kanton Uri mit öffentlichen Geldern gefördert werden. 2016 sagten über 60 Prozent der Urner Ja zu der entsprechenden Revision des Gesundheitsgesetzes. Insbesondere innovative Projekte können unterstützt werden.

Eines davon läuft in der Arztpraxis von Thomas Arnold und Toni Moser in Bürglen. Im vergangenen August hat dort Claudine Lüscher ihre Arbeit aufgenommen. Sie ist die erste «Nurse Practitioner» in Uri. Ein Beruf zwischen Krankenschwester und praktizierender Ärztin. Will heissen: Ihre Kompetenzen reichen über jene einer medizinischen Praxisassistentin hinaus, sie ersetzt aber keinen Arzt.

Medikamente bleiben Sache der Ärzte

Auf der Liege im Untersuchungszimmer hat ein Patient platzgenommen. Claudine Lüscher bittet ihn, sein T-Shirt zu lüften. Sie setzt das Stethoskop an und horcht die Lunge ab. Selbstständig macht sie sich ein Bild von der Situation und fasst die Ergebnisse ihrer Untersuchung zusammen. Später wird sie diese mit einem der beiden Ärzte besprechen. Diagnose und Medikamentierung bleiben von Gesetzes wegen Sache der Ärzte.

Nach der Matura überlegte sich Claudine Lüscher, Medizin zu studieren. Bei einem Praktikum wurde ihr aber klar, dass man als Pflegefachfrau viel näher am Patienten ist als eine Ärztin. So schloss sie eine entsprechende Lehre ab. «Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich noch mehr wissen möchte», erzählt sie. Dies bewog die heute 59-Jährige dazu, sich zuerst auf Krebsbehandlung (Onkologie) zu spezialisieren und später ein Studium der Pflegewissenschaften an der Universität Basel anzutreten, das sie 2011 mit einem Master abschloss.

«Während meiner Arbeit als Pflegeexpertin am Kantonsspital Uri wurde mir dann klar, dass mir der direkte Patientenkontakt fehlte», erzählt Lüscher. «Die Untersuchungstechniken, die ich im Studium lernte, konnte ich gar nie richtig anwenden.» Da kam das Pilotprojekt zur «Nurse Practitioner» in Uri gerade recht.

Ein einzigartiges Projekt

Reflexe testen, Lunge und Herz abhören, Abklärungen auf Unterernährung tätigen, Tests auf Demenz, Motorik oder Sensorik durchführen oder Patienten und deren Umfeld beraten: All dies sind Aufgaben, welche die «Nurse Practitioner» einem Arzt abnehmen kann. In der Schweiz sind sie bereits an verschiedenen Orten tätig. Das Pilotprojekt in Uri ist aber deshalb einzigartig, weil es von der öffentlichen Hand getragen wird. Zudem begleitet das Institut für Hausarztmedizin und Community Care das Projekt wissenschaftlich im Rahmen einer Doktorarbeit.

«Es gab Patienten, die anfänglich etwas befremdet reagiert haben», erinnert sich Lüscher. «Es hat sie aber beruhigt, dass am Schluss ein Arzt die Entscheidungen trägt.» Mittlerweile berichteten auch Radio und Fernsehen über das Bürgler Projekt, sodass das Verständnis der Patienten gestiegen sei. Als grossen Pluspunkt erachtete es Lüscher, dass ihr für die Patienten mehr Zeit eingeräumt wird, als dies ein Arzt zur Verfügung hatte. «Ich brauche halt auch noch etwas länger», räumt sie ein. «Am Anfang war ich eine blutige Anfängerin und kam mir manchmal vor wie ein Schulmädchen, das noch alles lernen muss», erinnert sich die sonst erfahrene Pflegefachfrau an den Start im August 2017 zurück. Labor- und Praxisbetrieb waren Neuland. Heute ist sie sehr glücklich über ihre Arbeit: «Mir gefällt es, mit den Patienten zu arbeiten, und ich spüre, dass davon wieder viel zurück kommt.»

In den USA haben «Nurse Practitioner» jahrzehntelang Tradition. Dieses Modell auch in die Schweiz zu bringen, entstand aus dem Mangel an Fachkräften im Gesundheitsbereich. Vor allem chronische Erkrankungen haben extrem zugenommen. Längerfristig sollen sich denn auch «Nurse Practitioner» auf diese Erkrankungen ausrichten. «Die Familie spielt in solchen Fällen eine extrem wichtige Rolle», sagt Lüscher. Deshalb versuchen die «Nurse Practitioner» bei ihren Beratungen das ganze Umfeld mit einzubeziehen – gerade weil ihnen etwas mehr Zeit zur Verfügung steht.

Mehr Kompetenzen sollen zugestanden werden

Heute schon übernimmt Claudine Lüscher vereinzelte Hausbesuche oder kurzfristige Visiten im nahe gelegenen Altersheim. Bei Langzeitpatienten soll sie künftig auch die Kompetenz erhalten, die Dosis von Medikamenten anzupassen. Entsprechende Abklärungen mit dem Amt für Gesundheit wurden durchgeführt und müssen nun konkretisiert werden.

Geringer Platz ist ein Problem

Dass sie mit dem Pilotprojekt ein grosses Experiment eingehen würden, war für die beiden Ärzte Thomas Arnold und Toni Moser von Anfang an klar: «Aufgrund unserer Strukturen können wir Claudine Lüscher kein eigenes Zimmer anbieten», erklärt Toni Moser. «Das macht es nicht ganz einfach, sie in unseren Betrieb zu integrieren.»

Die ersten Erfahrungen hätten gezeigt, dass das Profil der «Nurse Practitioner» besser in eine grössere Praxis mit mehr als zwei Ärzten passen würde. Denn dort sei der Bedarf an pflegerischen Kompetenzen, welche die Fachfrau von früher mitbringt, grösser. «Für uns als kleine Praxis wäre es ideal, wenn wir statt einer Krankenschwester eine medizinische Praxisassistentin mit derselben Zusatzausbildung anstellen könnten», so Moser. Trotzdem macht das Pilotprojekt laut Moser Sinn, und es sei zukunftsgerichtet. «Als Ergänzung der Grundversorgung werden solche Modelle immer wichtiger», so Moser.

Claudine Lüscher ist noch mindestens bis Ende Juli in der Bürgler Praxis tätig. Aufgrund einer Neuausrichtung der Praxis – Moser und Arnold übergeben die Praxis der «Bristenpraxis» und werden dann in einem reduzierten Pensum weiterarbeiten – sei noch keine Entscheidung gefallen, ob die «Nurse Practitioner» ihre Arbeit fortführen wird. «Ich bin gespannt, was noch kommen wird», sagt Lüscher, die neben noch ein «Diploma of Advanced Studies» anstrebt.

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