Exil-Urnerin hat zumindest die Berge wieder

Danielle Naef Schürch hat den Kanton Uri bereits vor 34 Jahren verlassen. Auf der Strasse erkennt man sie trotzdem noch als Urnerin - trotz Glarner Nummernschild an ihrem Personenwagen.

Christian Tschümperlin
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Danielle Naef Schürch mit ihrem Uristier-Kleber, mit dem sie ein Zeichen setzen möchte. (Bild: Christian Tschümperlin, Altdorf, 18. Juni 2019)

Danielle Naef Schürch mit ihrem Uristier-Kleber, mit dem sie ein Zeichen setzen möchte. (Bild: Christian Tschümperlin, Altdorf, 18. Juni 2019)

Mit ihrem Dialekt fällt sie nicht auf, dafür mit ihrem Uri-Stier-Aufkleber am Auto. Danielle Naef Schürch sagt «tüür» statt «tiir», «Föhn» statt «Feen». «Ich habe noch nie stark geurnert», meint sie. Die 56-Jährige erinnert sich aber daran, wie sie kürzlich im Aargau unterwegs war und eine ehemalige Arbeitskollegin hinter ihr her fuhr. «Diese machte sofort den Link: Uri-Stier am Heck und eine Glarner Nummer, das muss Danielle sein», erzählt die gebürtige Urnerin.

Lange ist es her, dass sie aus dem Kanton weggezogen ist. Sie muss einen Moment überlegen. «Das war 1982», sagt sie dann. Zuerst war sie Wochenaufenthalterin und absolvierte das Lehrerseminar in Rickenbach ob Schwyz. Später war sie für ein Jahr in London tätig, als Au-pair-Mädchen.

Herkunft aus Bergkanton 
verbindet das Ehepaar

«Ich bin immer wieder ausgeflogen, aus ausbildungs- und berufstechnischen Gründen.» 1987 begann sie ihr Studium der Logopädie. Naef Schürch erinnert sich:

«Damals gab es einen Lehrerüberfluss, und im Kanton Uri hatte ich als Reformierte ohnehin keine Chance, in kleinen katholischen Dörfern eine Stelle zu bekommen.»

So begründet sie ihren damaligen Wechsel. Während des Studiums wohnte sie in Zürich, wo sie ihren Mann kennen lernte. Er ist Bündner. «Dass wir beide aus einem Bergkanton kommen, verbindet uns natürlich stark», so Naef Schürch. Später wohnte sie in Liestal, Basel, Suhr und Glarus. «Wir sind immer wieder umgezogen, und zwar aus beruflichen Gründen.»

Sie setzt bewusst ein 
Zeichen mit dem Kleber

Doch das Heimweh nach dem Kanton Uri ist geblieben. «Mit dem Kleber möchte ich ein Zeichen setzen in Bezug auf meine Verbundenheit mit dem Kanton Uri», sagt sie. Sie vermisst vor allem ihre Freunde und die Berge. «Ich bin in Altdorf aufgewachsen und war sehr aktiv in der Meitlipfadi Altdorf», erzählt Naef Schürch. Immerhin: Die Berge hat sie an ihrem neuen Wohnort in Glarus wieder, dem kleinsten Hauptort der Schweiz. «Das ist wunderbar, die Verbundenheit zur Bergbevölkerung ist einfach da», schwärmt sie.

Immer wieder im Urnerland zu Besuch

Bis heute stattet die Exil-Urnerin dem Kanton, in dem sie aufgewachsen ist, regelmässig Besuche ab. Naef Schürch und ihr Mann besitzen eine Ferienwohnung in Andermatt. «Wann immer möglich verbringen wir unsere Freizeit im Urserntal», erzählt sie. «Dort gehen wir wandern, biken, Ski fahren oder eben Urner Freunde besuchen», sagt sie.

Und könnte sie sich vorstellen, eines Tages wieder definitiv in den Kanton Uri zurückzukehren? Für diese Antwort muss sie nicht lange überlegen: «Sofort!», sagt sie.