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Sie ist die erste SP-Frau an Bürglens Spitze

Die neue Gemeindepräsidentin setzt auf Teamwork. Luzia Gisler will die Finanzen im Gleichgewicht behalten und setzt sich für die effiziente Nutzung der Energie ein. Auch die Zukunft von UKB und Post treiben die 47-Jährige um.
Markus Zwyssig
Luzia Gisler setzt sich als neue Gemeindepräsidentin für ihre Wohngemeinde Bürglen ein. Dabei legt sie grossen Wert auf ihr Team im Gemeinderat. (Bild: Urs Hanhart, Bürglen, 14. Januar 2019)

Luzia Gisler setzt sich als neue Gemeindepräsidentin für ihre Wohngemeinde Bürglen ein. Dabei legt sie grossen Wert auf ihr Team im Gemeinderat. (Bild: Urs Hanhart, Bürglen, 14. Januar 2019)

Luzia Gisler engagiert sich gerne in der Gemeindepolitik, das wird beim Gespräch mit unserer Zeitung schnell klar: «Ich finde es wichtig, dass man sich für die Gemeinschaft einsetzt. Das kann in der örtlichen Politik, aber auch in einem Sportverein oder in einer Gruppe sein.» Die neue Bürgler Gemeindepräsidentin betont aber auch, dass sie alleine nur wenig ausrichten könne. Sie arbeitet gerne im Team mit ihren Gemeinderatskolleginnen und -kollegen zusammen. So möchte sie sich lieber als im Einzelporträt gleich mit dem gesamten Gemeinderat fotografieren lassen. «Ein gutes Team ist wichtig», sagt die 47-Jährige. «Nur gemeinsam lässt sich etwas erreichen.»

Luzia Gisler ist die erste Gemeindepräsidentin, welche politisch der SP angehört. «Im Gemeinderat sind alle Parteien vertreten», sagt sie. Die Parteizugehörigkeit spiele für sie im Gemeinderat jedoch nicht so eine grosse Rolle. «Es geht bei unserer Arbeit um die Sache», gibt sie sich überzeugt. «Dazu gehört, dass wir Kompromisse finden, welche im Interesse der Bevölkerung sind.»

Seit acht Jahren ist Gisler nun im Gemeinderat tätig. Sechs Jahre war sie Sozialvorsteherin, danach amtete sie zwei Jahre als Gemeindevizepräsidentin. In Bürglen ist es Usus, dass sich die Vizepräsidentin um die Zahlen kümmert. Als Finanzchefin war sie für Budget und Rechnung der Einwohnergemeinde verantwortlich. Weil sie sich zwei Jahre lang intensiv mit den Zahlen der Gemeinde beschäftigt hat, sei es ihr nun auch als Gemeindepräsidentin ein Anliegen, die Finanzen im Gleichgewicht zu halten.

Tempo 30 in den Quartieren und ein Mangel an Parkplätzen

Was beschäftigt Bürglen zurzeit am meisten? Die Einrichtung einer Tempo-30-Zone auf der Klausenstrasse sorgte im Vorfeld für heftige Diskussionen. «Inzwischen hat sich die Geschwindigkeitsbeschränkung bewährt», sagt Gisler. «Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung sind vorwiegend positiv.» In verschiedenen Quartieren wurde Tempo 30 eingeführt. Eine Verkehrsberuhigung in den Quartieren wird von der Gemeinde aber nur umgesetzt, wenn das Bedürfnis von den Anwohnern kommt. Verbessert wurden in Bürglen auch die Anbindungen an den öffentlichen Verkehr. «Der neu eingeführte Halbstundentakt wird rege genutzt. Die Frequenzen sind um 60 bis 70 Prozent gestiegen.»

Im Dorf gibt es ein Manko an Parkplätzen. Zurzeit wird abgeklärt, wo es allenfalls Potenzial für zusätzliches Parkieren gibt. «Ein Diskussionspunkt ist momentan die künftige Bewirtschaftung der Parkplätze. Wichtig ist, dass die Autos nicht den ganzen Tag einen Parkplatz besetzen.»

Bürglen verfolgt die Devise: Kontinuierlich das Nötige sanieren, damit nicht alles auf einmal gemacht werden muss. Das gelte sowohl bei den Strassen als auch bei den Infrastrukturanlagen, so Gisler. So wurde die obere Feldgasse saniert. Erneuert worden ist auch die Langmattgasse. Im Bereich der Schule wurde ebenfalls einiges gemacht. So wurden bereits vor ein paar Jahren das Knabenschulhaus und die Aula saniert. Im vergangenen Jahr konnten das erneuerte Oberstufenschulhaus und die Turnhalle eingeweiht werden. «Wir sind auf einem guten Stand, was die Infrastrukturanlagen der Schule betrifft», stellt Gisler erfreut fest.

Nachholbedarf gibt es beim Alters- und Pflegeheim Gosmergartä. Der Gemeinderat ist mit einem Teil des Betriebsrats in einer Projektgruppe vertreten. Das Gebäude ist in die Jahre gekommen. Zudem gibt es im «Gosmergartä» viele Doppelzimmer, gefragt sind aber heute vor allem Einzelzimmer. «Wir merken, dass in der Bevölkerung betreutes Wohnen immer beliebter wird», so Gisler. «Die älteren Menschen möchten auch im Alter im Dorf bleiben.» Abgeklärt werden müsse im Zusammenhang mit einer Sanierung, wie gross das künftige Bedürfnis nach Betreuung und Pflege sei.

Die Gemeinde Bürglen ist seit Mitte Dezember als Energiestadt zertifiziert. Zu Beginn gab es in der Bevölkerung Skepsis. Das Label sei zu teuer und bringe nichts, wurde etwa moniert. Zudem gäbe es inzwischen zu viele Gemeinden, die sich «Energiestadt» nennen würden. Gisler sieht dies jedoch anders: «Die Prozesse hinter der Zertifizierung bringen einen Spareffekt auch im Kleinen.» Bürglen ist nach Erstfeld, Andermatt und Altdorf die vierte Gemeinde im Kanton Uri mit dem Energiestadt-Label. «Bei uns wird sich nichts grundlegend ändern. Das Bewusstsein für den ressourcenschonenden Umgang soll aber weiter wachsen», hält die Gemeindepräsidentin fest. Bei einer neuen Beleuchtung oder beim Heizen solle stets auf die Energieeffizienz geachtet werden. Aktuell plant die Gemeinde eine neue Heizung für die Schule und die Gemeindeliegenschaften. «Wir haben die Einführung des Labels ‹Energiestadt› an der Gemeindeversammlung gut ausgeführt», sagt Gisler. Daher sei der entsprechende Kredit schliesslich auch gutgeheissen worden.

Von den Einwohnerzahlen her ist Bürglen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Jetzt gehen die Zahlen aber wieder zurück. «Es wäre schön, wenn wir in den nächsten Jahren wieder eine leichte Steigerung hätten», sagt die Mutter dreier Kinder. Bürglen erhält demnächst eine neue Gemeindeordnung. «Vieles ist durch übergeordnete Gesetze vorgeschrieben. Wir müssen unsere Gesetzgebung an die Veränderungen anpassen», so Gisler.

Geplant wird in Bürglen zudem ein neuer Werkhof. Einer der möglichen Standorte ist im sogenannten «Loch», in unmittelbarer Nähe zum Feuerwehrlokal. Heute sind die Fahrzeuge und Gerätschaften an verschiedenen Orten untergebracht.

Beschäftigen werden den Gemeinderat in nächster Zeit weiterhin die West-Ost-Verbindung respektive die flankierenden Massnahmen. Dabei gehe es insbesondere um einen sicheren Schulweg für die Kinder sowie um Sicherheit für den Langsamverkehr zwischen Kollegi und dem geplanten Kreisel bei der Schächenbrücke, so Gisler.

Bedenken zur Zukunft von UKB und Post

Wie es mit der UKB-Filiale und der Post in Bürglen weitergeht, das beschäftigt die Bevölkerung. Die Gemeindepräsidentin hat zwar ein gewisses Verständnis für notwendige Veränderungen. «Die Digitalisierung schreitet sowohl bei der Bank als auch bei der Post weiter voran.» Es gebe aber auch den Service public respektive die Verpflichtungen einer Bank mit Staatsgarantie, für die Bevölkerung da zu sein. «Die UKB zieht sich aus den Dörfern zurück und plant gleichzeitig einen Neubau beim Bahnhof Altdorf für 35 Millionen. Das passt doch nicht zusammen.» Zu Bedenken gibt die Gemeindepräsidentin: «UKB und Post bringen Leben ins Dorf. Es wäre schön, wenn das auch in Zukunft so bleiben würde.»

Die «Urner Zeitung» stellt in loser Folge die neuen Urner Gemeindepräsidenten vor. Bereits erschienen sind folgende Porträts: am Samstag, 5. Januar, Renata Graf, Hospental; am Mittwoch, 9. Januar, Toni Stadelmann, Seedorf; am Samstag, 13. Januar, Bruno Gamma, Schattdorf; am Mittwoch, 16. Januar, Iwan Imholz, Unterschächen; sowie am Samstag, 19. Januar, Remo Baumann, Flüelen.

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