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Grossraubtier-Initiative: «Sie machen reine Symbolpolitik»

An einem Podium der CVP Uri in Altdorf kreuzten Befürworter und Gegner der Grossraubtier-Initiative die Klingen. Viel zu reden gab der Herdenschutz.
Philipp Zurfluh
Auf der Pro-Seite diskutierten Wendelin Loretz, Präsident des Urner Bauernverbands, und CVP-Ständerat Isidor Baumann, gegen die Initiative stemmten sich Kurt Eichenberger, Geschäftsführer WWF Uri und der Grünen-Landrat Raphael Walker (von links). Geleitet wurde das Podium vom Urner Politologen Tobias Arnold. (Bild: Philipp Zurfluh, Altdorf, 16. Januar 2019)

Auf der Pro-Seite diskutierten Wendelin Loretz, Präsident des Urner Bauernverbands, und CVP-Ständerat Isidor Baumann, gegen die Initiative stemmten sich Kurt Eichenberger, Geschäftsführer WWF Uri und der Grünen-Landrat Raphael Walker (von links). Geleitet wurde das Podium vom Urner Politologen Tobias Arnold. (Bild: Philipp Zurfluh, Altdorf, 16. Januar 2019)

«Haben wir eigentlich nicht grössere und wichtigere Probleme, über die wir sprechen sollten?» Mit dieser Frage zu Beginn drückte Kurt Eichenberger, Geschäftsführer des WWF, das Unbehagen und Unverständnis gegenüber der kantonalen Initiative aus. Zwar möchte er die Thematik nicht verniedlichen, aber er ist der Meinung, dass Themen wie der Klimawandel oder der Einsatz von Pestiziden diskutiert werden sollten. «Sie machen mit der Initiative reine Symbolpolitik», monierte Eichenberger.

Diesen Angriff auf die Befürworter liess CVP-Ständerat Isidor Baumann, der auch im Initiativkomitee Einsitz nimmt, nicht auf sich sitzen. Er wehrte sich gegen den Vorwurf, der Bevölkerung etwas vorzugaukeln oder Populismus zu betreiben. «Der Verfassungsartikel ist ein Instrument, das man anwenden kann, wenn eine Entwicklung eintrifft, die schlecht ist. Die Betroffenheit in Uri ist besonders gross.» Neben Kurt Eichenberger und Isidor Baumann nahmen mit Wendelin Loretz, Präsident des Urner Bauernverbands und CVP-Mitglied, sowie der Grüne Landrat Raphael Walker je ein weiterer Initiativbefürworter und Gegner am Podium teil, welches am Mittwochabend in Altdorf stattfand.

Worum geht’s: Am 10. Februar stimmt die Urner Bevölkerung an über die kantonale Volksinitiative «Zur Regulierung von Grossraubtieren im Kanton Uri». Artikel 49 der Kantonsverfassung soll um folgenden Absatz 2 ergänzt werde: «Der Kanton erlässt Vorschriften zum Schutz vor Grossraubtieren und zur Beschränkung und Regulierung des Bestandes.»

Der Grünen-Landrat hält Initiative für unnütz

Für Wendelin Loretz ist klar: «Diverse Massnahmen haben nicht den gewünschten Nutzen erbracht. Die Initiative ist das letzte Mittel.» Er fordert ein liberaleres Abschussregime. «Momentan werden Grossraubtiere über alles geschützt. Sie können machen, was sie wollen.» Der Grünen-Landrat Raphael Walker kann mit dem Begehren nichts anfangen. «Es wird etwas in die Verfassung geschrieben, das schon geregelt ist. Die Initiative bringt uns nicht vorwärts.» Die Anzahl der Risse würden nicht sinken, wenn das Begehren angenommen würde, unterstreicht Raphael Walker.

«Es wäre sinnvoll, wenn wir unsere Energie in den Herdenschutz stecken würden, anstatt in Polemisierungen.»
Kurt Eichenberger, Geschäftsführer WWF Uri

Herdenschutzhunde: Ein Begriff, der in der zweiten Hälfte des Podiums im Fokus war. Für einige gelten sie als Wunderwaffe gegen den Wolf und gehören – zusammen mit dem Elektrozaun – zu den einzigen vom Bund anerkannten Schutzmassnahmen für Herdenschutzhunde. Für Kurt Eichenberger funktioniert der Herdenschutz grösstenteils. «Natürlich ist es keine Vollkasko-Versicherung. Aber es wäre sinnvoll, wenn wir unsere Energie in den Herdenschutz stecken würden, anstatt in Polemisierungen.» Isidor Baumann streitet nicht ab, dass Herdenschutz teilweise seine Wirkung entfaltet. Aber: «Aufgrund der Grösse und Topografie sind viele Urner Alpen für die Massnahme nicht geeignet.» Der personelle Aufwand sei schlicht zu gross. «Es geht um Existenzen von Landwirten.»

Wendelin Loretz sieht Lebensraum in Gefahr

Obwohl Raphael Walker den Aufwand von Herdenschutzmassnahmen nicht in Abrede stellt, kritisierte er die Initianten, dass der Begriff Herdenschutz nicht in der Initiative stehe. «Mit dem Geld, das in die Initiative gesteckt wurde, hätte man viel bessere Massnahmen ergreifen können. Es wird auf Kosten der Steuerzahler Wahlkampf betrieben», beschwerte sich Walker.

«Mit dem Geld, das in die Initiative gesteckt wurde, hätte man viel bessere Massnahmen ergreifen können.»
Raphael Walker, Grünen-Landrat

Kurt Eichenberger plädierte zum Schluss nochmals für den Herdenschutz: «Langfristig ist er die einzige Lösung, wie mit der Grossraubtier-Thematik umgegangen werden kann.» Wendelin Loretz meinte: «Ein Ja an der Urne ist wichtig, damit wir unseren Lebensraum erhalten können, so wie wir ihn bis jetzt gekannt haben.» Isidor Baumann ergänzte: «Ein Ja wäre ein Zeichen der Solidarität an die Jäger, die Bergbevölkerung und die Landwirtschaft.»

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