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Die Rätschtantä sind am Fasnachtssamstag in verschiedenen Lokalitäten in Erstfeld zu sehen.

Christian Tschümperlin
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Die Rätschtantä sorgten bereits im vergangenen Jahr für gute Unterhaltung.

Die Rätschtantä sorgten bereits im vergangenen Jahr für gute Unterhaltung.

Bild: PD

Am Samstag lassen die Rätschtantä die Katze aus dem Sack: In schöne Reime verpackt, berichten sie über das vergangene Jahr.

Wer einen guten Überblick über das Dorfgeschehen in Erstfeld im vergangenen Jahr erhalten will, der ist am Fasnachtssamstag bei den Rätschtantä genau richtig. Gewürzt wird die Vorstellung mit nationalen und internationalen Anekdoten.

Hildi Wyrsch blättert in einem Ordner, in dem viele Bilder aus früheren Nummern zu sehen sind: Eine Karikatur zeigt Micheline Calmy Rey, eine andere den Dorfpfarrer. «Solche Bilder zeigen wir während unseres Auftritts im Grossformat», sagt sie. Dazu wird die traditionelle Melodie und ein Refrain gesungen.

Verse bleiben vorerst «streng geheim»

Die siebenköpfige Frauengruppe des Damenturnvereins Erstfeld sammelt das ganze Jahr über gute Ideen für ihren Auftritt. Dieses Jahr könnte es zum Beispiel um die Axenstrasse, das eidgenössische Schwingfest oder um Missgeschicke von Erstfelderinnen und Erstfeldern gehen. Denn: «Jeder kennt in Erstfeld jeden», sagt Brigitte Weber. Was genau aber dieses Jahr Thema sein wird und wie sie es umsetzen, das ist laut Barbara Wipfli «streng geheim».

In vierzeilige Verse gemünzt werden die Ideen entweder von den Rätschtantä oder von Sepp Bühlmann, der seit der Gründung der Rätschtantä mit dabei ist. In den Gründungsjahren dichtete Sepp Bühlmann alles alleine. Heute geschieht dies in enger Zusammenarbeit mit den Damen. Gedichtet wird natürlich im Urner Dialekt. Aber wie klingt das korrekte Urnerdeutsch? Hildi Wyrsch sagt dazu: «Darüber sind wir uns oft selber nicht einig, in jedem Tal wird wieder etwas anders betont.» Trotzdem geben sich die sieben Frauen die beste Mühe, alle Verse auf die gleiche Weise auszusprechen.

Bei der Gründung stand das Geld im Vordergrund

2009 wurden die Rätschtantä zusammen mit Stierbiär und den «Gross-Grindä Zunft Seelisberg» für den Preis «Humori» nominiert und gewannen ihn nach einem Voting der Bevölkerung. Der Preis existierte von 1995 bis 2013. Gegründet wurden die Rätschtantä 1983, nach der Idee analog den Basler Schnitzelbänken. Die Idee damals war es, dass der Verein zu Geld kommt. Und hat es sich ausgezahlt? Barbara Wipfli sagt:

«Es zahlt sich definitiv aus, in dem man zu einem aktiven Dorfleben beiträgt und eine Fasnachtskultur weiterleben lässt.»

Dies wiederum animierte junge Erstfelder, eine weitere Schnitzelbankgruppe zu gründen, welche nun seit 6 Jahren ebenfalls am selben Abend als «Erstfelder Hirschä» unterwegs ist.

Wer die Rätschtantä und die Erstfelder Hirschä sehen will, der hat Gelegenheit dazu am Samstag, 22. Februar: Um 15.30 Uhr im Manu’s Café, um 17 Uhr im Spannort, um 19.30 Uhr im Hauger, Krone, Belloni, sowie in weiteren Kaffee und Bars in Erstfeld.