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Zwei Urner retten Tiere aus allen Notlagen

Ob ein Hund im zu heissen Auto, eine Katze in der Motorhaube, flugunfähige Mauersegler, ein verirrter Siebenschläfer oder eine verhedderte Ente: Ist irgendwo ein Tier in Not, rücken Marcel und Chiara Henzen von Schattdorf in die ganze Zentralschweiz aus.
Carmen Epp
Immer im Einsatz für Tiere: Chiara und Marcel Henzen mit ihrer Boxerhündin Jessy. (Bild: Dominik Wunderli (Schattdorf, 6. September 2018))

Immer im Einsatz für Tiere: Chiara und Marcel Henzen mit ihrer Boxerhündin Jessy. (Bild: Dominik Wunderli (Schattdorf, 6. September 2018))

Wenn ein Mensch in Not gerät, bringt ein Anruf bei der Nummer 144 die ersehnte Rettung. An Weihnachten 2015 hätten Marcel und Chiara Henzen am liebsten auch die 144 angerufen. Jedoch nicht für sich, sondern für ihre Boxerhündin Jessy, der es innert Stunden immer schlechter ging. Beim Tierarzt hiess es dann: Ab in die nächste Tierklinik, aber sofort! Also packte Marcel Henzen die Hündin, stieg ins Auto und fuhr los.

An die nächsten Minuten im Auto kann er sich bis heute gut erinnern. «Ich war völlig durch den Wind, auf der Rückbank Jessy, die immer schwächer wurde», erinnert sich Henzen. «Horror!» In der Tierklinik konnte der Hündin in letzter Minute geholfen werden: Sie hatte eine Gehirnhautentzündung, die wenig später tödlich verlaufen wäre.

Fehlendes Angebot in der Zentralschweiz

«Das Erlebnis mit Jessy hat uns gezeigt, dass nicht nur Menschen, sondern auch Tiere ein 144 brauchen. Damit sie schnelle Hilfe kriegen, die Angehörige – oder eben Herrchen oder Frauchen – nicht selbst leisten können», sagt Marcel Henzen. Im Kanton Zürich, in der Ostschweiz und der Region Bern/Solothurn gibt es dieses «144 für Tiere» bereits in Form von Tierrettungsdiensten. in der Zentralschweiz jedoch nicht. Also nahm das Ehepaar die Sache selber in die Hand: Nach einem Gespräch mit dem Veterinärdienst der Urkantone und einem Nothelferkurs in einer Tierklinik gründeten sie im Frühling 2017 einen eigenen Tierrettungsdienst.

Seither ist das Ehepaar im Einsatz für Tiere in Not. Die ersten Monate nur in den Kantonen Zug und Schwyz, wo die beiden damals wohnten. Seit ihrem Umzug Ende 2017 aufs Haldi in Schattdorf sind sie auch in Uri und seit Sommer 2018 unter dem Namen «Tierrettungsdienst Zentralschweiz» zusätzlich in den Kantonen Luzern, Ob- und Nidwalden unterwegs.

Wie gross der Bedarf nach einem Tierrettungsdienst in der Zentralschweiz ist, zeigt ein Blick in die Rapporte, die das Ehepaar nach jedem Einsatz erfasst.

Neben bestellten Transporten von Haustieren in Tierarztpraxen oder -kliniken gibt es immer wieder auch heimatlose Tiere, die Hilfe brauchen. So hatte sich etwa eine junge Katze in der Motorhaube eines Autos verkeilt, eine andere war in einem Maschendrahtzaun verheddert. Und auch zahlreiche Wildtiere konnten bereits auf Hilfe der Henzens zählen: vom flugunfähigen Mauersegler, einem verletzten Raben über Enten in Seenot und Ratten in Lüftungsschächten bis hin zu einem Siebenschläfer, der sich in einen Laden verirrt hatte.

Während der Sommermonate hielt Marcel Henzen ausserdem täglich bei der Gotthard-Raststätte in Schattdorf nach Tieren in zu heissen Autos Ausschau. «Bis auf einen Fall stiess unsere Präsenz auf positives Feedback», sagt Henzen.

Einsätze auf freiwilliger Basis

Bei ihren Einsätzen leisten sie vor allem erste Hilfe, Medikamente verabreichen oder Diagnosen stellen dürfen sie nicht. «Wir sind schliesslich keine Tierärzte.» Haustiere bringen sie zum nächsten Tierarzt. Bei Wildtieren muss der Wildhüter entscheiden, was mit dem Tier geschehen soll.

Das Rüstzeug für ihre Einsätze befindet sich in den Autos der beiden, die sie von Privat- zu Einsatzfahrzeugen umgerüstet haben – mit einer Hundebox, Katzenkisten, Gazen, Handschuhe, Aufziehspritzen, Wassertank, Tragetücher und vielem mehr.

Für ihre Einsätze sind Marcel und Chiara Henzen auf Geld- und Materialspenden angewiesen. Diese decken derzeit gerade mal die Auslagen, die Arbeit leisten sie – bis auf Tiertaxidienste – auf freiwilliger Basis. «Das ist nur möglich, weil meine Frau einer bezahlten Arbeit nachgeht und für den Haushalt aufkommt», sagt Henzen. Das Ehepaar hofft, dereinst von ihrer Leidenschaft leben zu können – wie «das richtige 144» auch.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der beiden.

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