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Das Urner Amt für Informatik sorgt für einen sicheren IT-Betrieb

Die Digitalisierung macht auch vor dem Kanton Uri nicht Halt. Das Amt für Informatik ist ständig mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Im vergangenen Jahr sind rund 5500 Tickets mit Fragen und Problemmeldungen eingegangen.
Rolf Gisler-Jauch
Die Mitarbeiter des Amts für Informatik: (von links) Werner Aschwanden (Vorsteher, sitzend) mit Stellvertreter Felix Gisler, Silvan Bissig (Lernender), Renato Bacchi, Ivo Bissig, Kathrin Tresch, Marino Mathys, Roland Beltrametti, Pius Gwerder, Sascha-Rolf Zieri und Alex Ziegler (Lernender, sitzend). (Bild: PD)

Die Mitarbeiter des Amts für Informatik: (von links) Werner Aschwanden (Vorsteher, sitzend) mit Stellvertreter Felix Gisler, Silvan Bissig (Lernender), Renato Bacchi, Ivo Bissig, Kathrin Tresch, Marino Mathys, Roland Beltrametti, Pius Gwerder, Sascha-Rolf Zieri und Alex Ziegler (Lernender, sitzend). (Bild: PD)

Die Aufgaben des Amts für Informatik (AfI) wurden in den vergangenen 50 Jahren immer umfangreicher und komplexer. Im Vergleich zur Zunahme seines Aufgabengebietes ist der Personalbestand jedoch nicht gleich stark angestiegen. Heute arbeiten an der Gi­tschenstrasse im Siegwarthaus neun Mitarbeiter, zudem werden zwei Lernende ausgebildet.

Was mit dem «Computer» begonnen hatte, wurde mit «Mail» und «Internet» fortgesetzt. Immer mehr englische Ausdrücke fanden in die deutsche Alltags- beziehungsweise Bürosprache: Der Benutzer wurde zum «User», der Arbeitsplatz zur «Workstation», das Sorgentelefon zur «Hotline» mit «Helpdesk», das Resultat der Arbeit zum «Output». Hatte man beim Einstieg ins PC-Zeitalter an einem Arbeitsplatz zwei, drei Programme zur Verfügung, sind es heute zwei, drei Dutzend.

Insgesamt befinden sich in der gesamten Kantonalen Verwaltung über 400 Anwendungen (Applikationen), die auf insgesamt 900 PC verteilt werden. Werner Aschwanden, der Vorsteher des AfI, weist darauf hin, dass die Softwareverteilung und Updates heute automatisiert ablaufen: «Die PC werden über Nacht ‹geweckt›, die Software installiert und die Arbeitsstationen wieder heruntergefahren. Wenn der Benutzer am anderen Tag vor dem Bildschirm sitzt, nimmt er in den meisten Fällen die Veränderung gar nicht wahr.»

Glasfaserverbindungen bieten mehr technische Möglichkeiten

Anfang der 1990er-Jahre begann der Aufbau von lokalen Netzwerken bei der Kantonspolizei (Ankenwaage) und der Baudirektion (Winterberg). Weitere kamen hinzu, bis schliesslich alle Standorte der Kantonalen Verwaltung miteinander verbunden waren. Anfänglich waren diese Netzwerkverbindungen nur über Telefonleitungen mit Kupferkabel verbunden. Der Datendurchsatz war entsprechend gering. Deshalb waren in allen Gebäuden auch lokale Server installiert. Mit dem Einsatz von Glasfaserverbindungen eröffneten sich ganz andere Möglichkeiten. Die lokalen Server konnten zurückgebaut und in eine zentrale Rechenzentrum-Umgebung überführt werden. Heute bildet ein Lichtwellenleiter-Ring zwischen dem AfI, dem Werkhof Flüelen, dem Werkhof Göschenen sowie dem Verwaltungsgebäude in der Brickermatte das Rückgrat eines leistungsfähigen Netzwerkes.

In den Anfängen der Elektronischen Datenverarbeitung (EDV) waren die Anwenderprogramme noch nicht alle ausgereift. Eine Tastenkombination oder irgendein unerklärlicher Grund konnte verheerende Folgen haben. Mitten im Text liess sich das Geschriebene auf dem Bildschirm zwar noch betrachten, mit der Tastatur ging jedoch rein gar nichts mehr. Der PC hatte einen «Hänger». In dieser Situation gab es nur einen Ausweg, indem man – unter Begleitung einer Schimpftirade – den Hauptschalter zehn Sekunden lang betätigte und den Computer abstürzen liess. Manchmal übernahm die Maschine ohne Vorwarnung den Absturz gleich selbst. Da die ersten Programme vor ihrem Abschied von der Bildfläche noch keine automatisierte Speicherung hatten, war die geleistete Schreibarbeit nicht einmal mehr im digitalen Papierkorb zu finden.

2010 wurde ein Helpdesk eingerichtet

Um vor grösserem Schaden, wie zum Beispiel einer defekten Harddisk, gefeit zu sein, empfahl sich die Sicherung auf externen Magnetbändern. Diese Arbeit wollte organisiert sein und nahm vor allem einige Zeit in Anspruch. Für «gröbere Sachen» hat das AfI seit 2010 ein Helpdesk mit Ticketingsystem eingerichtet. Im vergangenen Jahr gingen rund 5500 Tickets mit Fragen und Problemmeldungen ein.

Seit 2012 setzt das AfI ein intelligentes und schnelles Datenspeichersystem ein. Mit diesem System werden alle Daten in der Kantonalen Verwaltung gespiegelt an den beiden Rechenzentrums-Standorten beim Amt für Informatik und im Verwaltungsgebäude in der Brickermatte gespeichert. Der Datenbestand ist somit immer synchron. Dieses Storagesystem bietet auch die Möglichkeit, innert Sekunden jede Stunde einen vollen Back-up aller Daten im Umfang von beinahe 90 Terabyte zu machen. Eine Tagessicherung erfolgt zudem auf einem Disk-System im Werkhof in Flüelen. Zusätzlich erfolgt monatlich eine Bandsicherung.

2016 wurde das Datenspeichersystem von mechanischen Disks komplett auf elektronische SSD-Disks umgerüstet. Eine traditionelle Harddisk hat einen mechanischen Lesekopf, der eine gewisse, wenn auch kurze Zeit braucht, bis er physisch an der richtigen Stelle ist. Die modernen elektronischen Speicher haben keine beweglichen Teile mehr und arbeiten um Faktoren schneller. Felix Gisler, Vorsteher-Stellvertreter des AfI, sagt mit Stolz: «Das ist das Schnellste, das es zurzeit auf dem Markt gibt.» Speicherplatz ist nicht billig. Felix Gisler weist auf das Problem der Redundanzen bei der Datenspeicherung hin: «Dieselben Daten werden heute leider oft x-fach gespeichert. Im E-Mail, auf dem persönlichen Verzeichnis, auf dem Server, irgendwo in der Cloud und an vielen weiteren Orten. In Zeiten von Youtube, Instagram und so weiter kümmert sich niemand mehr um die Datenmenge und die Speicherablage.» Ein wichtiger Aspekt eines intelligenten Speichersystems sei deshalb die Datendeduplizierung und die Komprimierung, so Gisler. «Das bedeutet, dass das System in der Lage ist, mehrfach gespeicherte Daten gemäss Mustern zu erkennen und diese nur einmal zu speichern.» Laut Gisler können zudem Daten komprimiert werden und nicht ausgenutzter Speicherplatz werde erst zugeteilt, wenn er effektiv benötigt werde.

Firewalls bieten Schutz gegen Computerviren

Mit der internen Vernetzung und dem Internetzugang der einzelnen Arbeitsstationen musste die Erkenntnis gemacht werden, dass ein Virus nicht nur den Menschen, sondern auch den Computer befallen kann, und dass ein «Trojaner» nicht mehr nur in der griechischen Mythologie seinen Platz hatte, sondern ein Computerprogramm ist, das – als nützliche Anwendung getarnt – im Hintergrund eine andere Funktion erfüllt. Dies war jedoch nur der Anfang; Hackerangriffe und Cyberkriminalität bedrohen die digitale Welt. Es war keine Selbstverständlichkeit mehr, dass der Anwender seine Daten von jedem Ort sicher zur Verfügung hat und diese sicher vor Veränderung geschützt sind. Firewalls und Proxyserver sollen das Rechnernetz und die einzelnen Computer vor unerwünschten Netzwerkzugriffen schützen. Viren- und Spamscanner kommen zum Einsatz. Das Auftreten immer neuer Angriffsmethoden der Akteure in der organisierten Kriminalität erfordert laufend angepasste Sicherheitsmassnahmen.

In der Verwaltung werden rund 100 Server eingesetzt

Server stellen grundsätzlich Applikationen zur Verfügung oder werden für spezielle Aufgaben wie Mail oder Datenbankverwaltung eingesetzt. Um die benötigten IT-Dienstleistungen in der Kantonalen Verwaltung abzudecken, werden heute rund 100 Server eingesetzt. Wenn nun für jeden dieser Rechner eine separate Hardware gekauft werden müsste, wäre das nicht nur sehr teuer, sondern unflexibel und unwirtschaftlich. Die Serverkapazitäten würden kaum ausgeschöpft. Zudem würde sehr viel Energie verschlungen und Wärme abgegeben. Die Lösung nennt sich Virtualisierung, das heisst, dass mehrere Betriebssysteme und Applikationen auf einer einzigen physischen Hardware laufen. Das AfI hat sehr früh auf diese Technologie gesetzt und bereits 2007 konsequent und sogar gegen die Empfehlungen von externen Beratern, alle bestehenden Server erfolgreich virtualisiert. Felix Gisler bezeichnet diesen Schritt als «Quantensprung». Aktuell werden die rund 100 virtuellen Server auf lediglich sechs physischen Hardware-Servern betrieben. Felix Gisler zieht folgendes Fazit: «Ohne Servervirtualisierung wäre heute ein wirtschaftlicher und stabiler IT-Betrieb in der Verwaltung undenkbar.»

In der digitalen Welt gibt es ständig Neuerungen und es stellen sich immer wieder neue Herausforderungen. Somit hat diese Artikelserie, jedoch keineswegs die Geschichte der Informatik in der Kantonalen Verwaltung ihr Ende gefunden.

Im Rahmen der Forschungsarbeit des Staatsarchivs Uri hat sich Staatsarchivar-Stellvertreter Rolf Gisler-Jauch, Altdorf, mit der Aufarbeitung der Elektronischen Datenverarbeitung in der Kantonalen Verwaltung befasst. Die «Urner Zeitung» hat im Rahmen einer Artikelserie in loser Folge Beiträge publiziert. Der heutige Artikel bildet den Abschluss.

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