Sie sorgen in Uri für eine faire Wahl mit dem neuen Sitz-Zuteilungsverfahren

Erstmals wird in Uri mit dem Doppelten Pukelsheim gewählt. Damit erhält die Parteizugehörigkeit der Kandidaten eine höhere Bedeutung als bisher. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen.

Florian Arnold
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«Sesam» lautet das Zauberwort – respektive der Name des Computerprogramms. Denn ohne dieses würden die Wahlen im Kanton Uri dieses Jahr zur endlosen Tortur: In den grösseren vier Gemeinden werden die Landräte erstmals mit dem Doppelten Pukelsheim bestimmt. Dem Wahlsystem, das der Mathematiker Friedrich Pukelsheim entwickelt hat, liegt eine komplexe Formel zugrunde, die der Parteizugehörigkeit der Kandidaten eine höhere Bedeutung zumisst als das bisherige Proporzsystem.

Zwischenresultate gibt es nicht mehr

Adrian Zurfluh, stellvertretender Direktor der Standeskanzlei Uri, ist seitens des Kantons mit Willy Lussmann für eine faire Wahl verantwortlich. Zurfluh nimmt es gelassen. «Die Vorgehensweise für die Wahlbüros ändert sich im Grunde nicht. Nur die Prozesse im Hintergrund sind verschieden», erklärt er.

Adrian Zurfluh (rechts) bespricht sich mit Willy Lussmann.

Adrian Zurfluh (rechts) bespricht sich mit Willy Lussmann. 

Bild: Urs Hanhart, Altdorf, 22. Januar 2020

«Früher wurden die Kämpfe um die Sitze nur innerhalb der Gemeinde ausgefochten, nun zählen die Parteistimmen über die Gemeindegrenze hinaus. Das bedeutet, dass es für die Proporzgemeinden keine Zwischenresultate mehr gibt. Dafür haben wir am Schluss auf einen Schlag alle Ergebnisse vorliegen.»

Und so funktioniert’s: In den Wahlbüros der Gemeinden wird jeder einzelne Zettel im Computersystem erfasst. «Dabei ist es natürlich am einfachsten, wenn wir unveränderte Parteilisten erhalten, denn so kann man einen Stapel mit gleichen Zetteln in wenigen Sekunden erfassen. Doch das ist selbstverständlich nicht das Ziel», betont Adrian Zurfluh. Denn die geübten Mitglieder der Wahlbüros können auch ganz gut mit Listen umgehen, auf denen panaschiert und kumuliert wurde. Zu zweit werden die Zettel mithilfe von Zahlencodes erfasst. Später kann jeder Zettel genau zurückverfolgt werden. Die Originale werden bis zum Amtsantritt der gewählten Landräte aufbewahrt.

In den vergangenen Wochen hat Adrian Zurfluh in den Wahlbüros der Gemeinden Schulungen durchgeführt. Neben der richtigen Erfassung ging es auch darum, welche Zettel als ungültig erklärt werden müssen – was selten vorkomme, so Zurfluh.

«Wenn man den Wählerwillen irgendwie aus dem Zettel herausbekommen kann, versucht man, ihn auch zu zählen.»

Gerade in kleineren Gemeinden sind deshalb theoretisch auch Pseudonyme oder Übernamen erlaubt. Zurfluh rät aber davon ab: «Am besten hält man sich an die Angaben, die auf den offiziellen Unterlagen oder den Werbungen der Kandidaten zu finden sind.» Ungültig sind die Zettel dann, wenn Schimpfwörter enthalten sind oder jemand diesen unterschreibt.

Länge und Breite müssen stimmen

Sobald alle Daten erfasst sind, ist das Computerprogramm gefragt. Nach dem Prinzip «try and error», also «Versuchen und Scheitern», werden verschiedene «Divisoren» angewendet, bis am Schluss alle Vorgaben erfüllt und die Sitze korrekt auf die Gemeinden und Parteien verteilt sind. «Man kann es sich wie ein Gummitischtuch vorstellen: Wenn man an einer Ecke zieht, stimmt es auf der anderen Seite nicht mehr», so Zurfluh. «Erst wenn man in der Breite und der Länge das richtige Mass gefunden hat, geht es auf.»

Schwingt da nicht ein mulmiges Gefühl mit, wenn ein Computer die Verantwortung für eine Wahl übernimmt? Zurfluh: «Der Computer nimmt uns nur die mühsame Arbeit ab, die richtigen Divisoren zu finden, damit es am Schluss aufgeht. Das Resultat kann im Nachhinein aber leicht überprüft werden.»

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