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Rahel Aschwanden sorgt für Trinkwasser in Madagaskar

Im Dorf Manirisoa hat Rahel Aschwanden beim Bau von Wasserversorgungssystemen mitgeholfen. Zurück in der Schweiz erzählt die 19-jährige Seelisbergerin vom Alltag ihres Einsatzes und erklärt, was Brandstiftung mit gestohlenen Kühen zu tun hatte.
Remo Infanger
Zusammen mit den Einheimischen transportieren die Projektteilnehmer Sand in Behältern durch die Steppenlandschaft zu den Baustellen. (Bild: PD, Manirisoa, Juli/August 2018)

Zusammen mit den Einheimischen transportieren die Projektteilnehmer Sand in Behältern durch die Steppenlandschaft zu den Baustellen. (Bild: PD, Manirisoa, Juli/August 2018)

Sommerferien ohne Strom und fliessendes Wasser ist für manch einer kaum vorstellbar – geschweige denn, selbst im Urlaub von montags bis samstags in einem ärmlichen Dorf hart zu schuften. Für Rahel Aschwanden bestand jedoch genau darin der Reiz eines dreiwöchigen Freiwilligeneinsatzes in Madagaskar (unsere Zeitung berichtete). Unter der Leitung der gemeinnützigen Organisation «Nouvelle Planète» hat die 19-jährige Seelisbergerin zusammen mit zehn anderen Jugendlichen aus der Schweiz in Manirisoa beim Aufbau eines Brunnensystems mitgeholfen.

«Die Reise nach Madagaskar ist eine einmalige Erfahrung und ein tolles Abenteuer gewesen», schwärmt Aschwanden. «Das Leben dort und die madagassische Kultur sind komplett anders, als wir es in der westlichen Welt gewohnt sind.» Zurück in der wohlhabenden Schweiz sei der Kulturschock dennoch ausgeblieben. «Selbst wenn 75 Prozent der Menschen dort unter der Armutsgrenze leben und mit einem Dollar pro Tag auskommen müssen, sind die Bewohner glücklich mit dem, was sie haben. Das hat mich sehr berührt.»

Steine geschleppt und Bäume gepflanzt

Die Wasserquellen liegen weit ausserhalb des Dorfes, weshalb Frauen und Mädchen zum Transportieren des Wassers teilweise mehrere Stunden zu Fuss zurücklegen müssen. Darum werden im Dorf zusammen mit der lokalen Bevölkerung Brunnen gebaut und Leitungen verlegt. Ein typischer Arbeitstag von Aschwanden hat deshalb körperlich viel abverlangt. «Gleich nach dem Frühstück ging es jeweils auf die Baustelle.» Dort hat die freiwillige Helferin Steine und Sand in Plastikbehältern herumgetragen, oder Bäume gepflanzt, die die Quellen vor Erosion schützen. Auch habe sie gelernt, wie man aus Schlamm Backsteine herstellt. «Es sind vor allem die kleinen Aufgaben gewesen, die wir erledigen durften», erzählt Aschwanden. «Damit haben wir nicht das Dorf aus der Armut gezogen, jedoch einen kleinen Beitrag geleistet, der auch einen symbolischen Wert hat.»

Ihre Erwartungen an den Freiwilligeneinsatz seien mehr als bloss erfüllt worden. «Ich durfte eine ganz andere Welt kennen lernen». Durch die Medien werde man beinahe täglich mit Bildern aus Drittweltländern konfrontiert. Oft würden dabei die Not und Hilfsbedürftigkeit der Bewohner ins Zentrum gerückt. «Man darf die Augen keineswegs vor der Armut verschliessen», holt Aschwanden aus. «Wer jedoch die Chance hat, die Menschen vor Ort zu erleben, erkennt, dass sie trotz Armut stets aufgestellt, offen und äusserst warmherzig sind.»

Rahel Aschwanden hat Freundschaften mit Madagassen geschlossen. (Bild: PD, Manirisoa, Juli/August 2018)

Rahel Aschwanden hat Freundschaften mit Madagassen geschlossen. (Bild: PD, Manirisoa, Juli/August 2018)

«Am zweitletzten Abend haben wir plötzlich Schreie gehört»

Aufgrund der Armut ist die Kriminalität in Madagaskar ein Problem. Unsicher gefühlt habe sich Aschwanden deswegen aber nie. Den Projektteilnehmern wurden nämlich zwei Wächter vom lokalen Militär zugeteilt, die für ihre Sicherheit sorgten. Bloss einmal habe sie ein mulmiges Gefühl bekommen. «Am zweitletzten Abend haben wir plötzlich Schreie gehört und dann gesehen, wie die Dorfbewohner mühevoll versuchen, ein brennendes Haus zu löschen.» Später habe sie dann erfahren, dass Einheimische manchmal absichtlich Feuer legen und dann die daraus entstandene Hektik nutzen, um Kühe von andern Bauern zu stehlen. «Solche Situationen gehen mir besonders nahe, weil sie aufzeigen, wie verzweifelt die ärmsten Madagassen sind.»

Vor ihrem Trip nach Madagaskar hat Rahel Aschwanden das Gymnasium in Stans absolviert. Im Anschluss an ihr Zwischenjahr will die Maturandin Humanmedizin studieren. «Zunächst war ich mir unsicher, ob ich nochmals so viel Zeit mit Lernen verbringen möchte», erklärt sie. «Nun bin ich noch entschlossener, das Studium in Angriff zu nehmen.» Der Aufenthalt in Madagaskar habe ihr gezeigt, dass die Humanmedizin im Bereich Gesundheit viele Möglichkeiten bietet, in ärmeren Ländern etwas zu bewirken.

Der Brunnen steht, und die Einsatzgruppe ist stolz auf die verrichtete Arbeit. Bild: PD, Manirisoa, Juli/August 2018)

Der Brunnen steht, und die Einsatzgruppe ist stolz auf die verrichtete Arbeit. Bild: PD, Manirisoa, Juli/August 2018)

Eine Rückkehr nach Afrika ist für Aschwanden denkbar

Auch wie sie das Zwischenjahr noch nutzen will, hat sie bereits Pläne geschmiedet. Zum einen wird sie ein Vorpraktikum in einem Spital absolvieren. Zum anderen möchte sie nochmals für eine längere Zeit auf Reisen gehen. «Afrika hat mich begeistert», schwärmt die Reiselustige. «Ich kann mir gut vorstellen, nochmals diesen unglaublich vielseitigen Kontinenten zu besuchen.»

Neben abenteuerlichen Erlebnissen hat sie viel Lehrreiches mitnehmen können – insbesondere im alltäglichen Umgang mit Wasser. Vermisst habe sie etwa das Duschen. «Sich mit einem Kessel halbsauberem Wasser zu waschen, ist halt nicht dasselbe.» Auch den für viele selbstverständlichen Zugang zu Trinkwasser will sie nun bewusster wahrnehmen. «Ein Glas unter den Hahn zu halten und schon fliesst bestes Trinkwasser heraus, ist ein Privileg, das wir unbedingt mehr schätzen sollten und zu dem wir Sorge tragen müssen.»

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