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Sie wollen den Hip-Hop in Uri vererben

Der Summer-Jam hat einen festen Platz im Veranstaltungskalender der Urner Hip-Hop-Szene. Am kommenden Samstag steigt das Festival zum 20. Mal. Es verspricht ein Highlight zu werden.
Christian Tschümperlin
Hip-Hop-Urgestein Roberto Stella (links) und Marvin de Vera grundieren die Graffiti-Wand im Winkel. (Bild: Christian Tschümperlin (Altdorf, 7. Juni 2019))

Hip-Hop-Urgestein Roberto Stella (links) und Marvin de Vera grundieren die Graffiti-Wand im Winkel. (Bild: Christian Tschümperlin (Altdorf, 7. Juni 2019))

Wer mit den Begriffen Cypher, Blackbook oder Diss etwas anfangen kann, der dürfte den 15. Juni dick in seinem Kalender angestrichen haben: Dann werden tagsüber das Jugendzentrum Winkel und abends das Kellertheater Vogelsang zum Beben gebracht. Anlass ist der Summer-Jam, der Schmelztiegel der Urner Hip-Hop-Szene. Am Event treten sieben Rapper, neun Breakdance-Crews, rekordverdächtige 35 Graffiti-Künstler, neun DJ und zwei Beatboxer auf – darunter das Urner Hip-Hop-Urgestein Roberto Stella. Kurzum: Es kommen alle fünf Elemente des Hip-Hops zusammen. Und dieses Jahr verspricht alles noch etwas grösser und bunter zu werden: Der Jam feiert sein 20-Jahr-Jubiläum.

Die Anfänge sind Nina Marty vom Organisationskomitee positiv in Erinnerung geblieben. Sie war damals 17. «Es war wirklich viel los im Winkel», sagt Marty. Die Szene war bereits international, es kamen Hip-Hopper aus Liechtenstein, Italien und Deutschland. Die Buben trugen weite Hip-Hop-Hosen.

Comeback nach schwächelnden Jahren

Ende der Nullerjahre entdeckten die Jugendlichen die engen «Skinny Jeans» für sich und begannen vermehrt, Electro-House zu hören. Die Jams im Winkel flauten ab. Vor zwei Jahren verzeichnete der Event wieder einen Besucherrekord. «Die Hip-Hopper von damals sind heute Lehrer, Banker oder Krankenschwestern, querbeet», so Marty. Doch das Herz schlage immer noch für diesen Musikstil und für diese Kultur. Und: Die Urner Hip-Hop-Szene hat Nachwuchs: «Unsere Kinder werden wie die Grossen breakdancen, rappen und beatboxen», so Marty. Ein Familienfest für Jung und Alt also. «Ich wehre mich gegen die Vergang­sterung, für mich sind Hip-Hopper eher Künstler und Poeten», betont Marty. Unter den Rappern werden neben den Kindern aber auch dieses Jahr einige grosse Schweizer Rap-Namen wie Gimma, Shape oder Hans nötig zu finden sein, die mit eloquenten, teils gesellschaftskritischen Freestyle-Texten auftrumpfen.

Viel Trubel wird es um die Graffiti-Wand im Winkel geben. Sie wird bei jedem Jam mit neuer Kunst besprüht. Dieses Jahr lautet das Motto: «Hip-Hop serviert». Die Vorbereitungen zur grossen Sprayer-Zusammenkunft laufen eine Woche zuvor noch auf Hochtouren: Denn die 150 Quadratmeter grosse Wand muss grundiert und mit 30 Litern Farbe übermalt werden. Der Zahn der Zeit hat an der Wand genagt: «Weil wir schon so viele Male grundiert und wieder darüber gesprayt haben, bilden sich Blasen, die man abspachteln muss», so Marty. Das sei wie eine Zeitreise: Man könne zum Beispiel sehen, dass 2008 die Hintergrundfarbe blau war. Das abgespachtelte Material kommt nicht in den Abfall: «Aus den zurückgewonnen Teilen wollen wir für den Event eine Weltkarte basteln», sagt Marty.

Flüchtlinge und Hip-Hopper feiern gemeinsam

Dieses Jahr fällt der Summer-Jam terminlich mit dem Flüchtlingstag zusammen. «Anstatt einen Anlass abzusagen, haben wir entschieden, dass ein Austausch stattfinden soll», so Marty. Sie selber wird an dem Tag mit Organisieren beschäftigt sein. Bedanken möchte sie sich bei der Gemeinde für das Vertrauen. Die Zukunft des Jam sieht sie optimistisch: «Wir übergeben den Jam eines Tages an unsere Kinder und diese hoffentlich wieder an ihre Kinder.»

Hinweis

Der Summer-Jam findet am Samstag, 15. Juni statt. Zwischen 9 und 18 Uhr treffen sich Graffiti-Künstler, Breakdancer und Co im Winkel, ab 20 Uhr wird im Theaterkeller Vogelsang gerappt.

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