SILENEN: «Es gibt keine Grabenkämpfe»

Hermann Epp will als Gemeindepräsident einen konstruktiven Dialog mit der Bevölkerung führen. Zurzeit hat für ihn die Zukunft der Arztpraxis höchste Priorität.

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Der neue Silener Gemeindepräsident Hermann Epp möchte Altbewährtes möglichst erhalten und ein moderates Wachstum der Gemeinde anstreben. (Bild Urs Hanhart)

Der neue Silener Gemeindepräsident Hermann Epp möchte Altbewährtes möglichst erhalten und ein moderates Wachstum der Gemeinde anstreben. (Bild Urs Hanhart)

Hermann Epp ist seit dem 1. Januar neuer Gemeindepräsident von Silenen. Der 43-jährige CVP-Vertreter ist kein Mann der vielen, dafür der klaren Worte. «Ich will die Dinge beim Namen nennen und Probleme offen ansprechen»: So beschreibt Epp sein persönliches Credo. «Nur im Gespräch ergeben sich neue Ideen und oft auch Lösungsansätze, die man zuvor gar nie in Betracht gezogen hat.» Mit dieser Philosophie hat sich Epp im Gemeinde-, im Sozial- und im Kirchenrat Silenen profiliert. Wer politisiere, müsse «uff Zeechä trampä», da und dort anecken, aber gleichzeitig kompromissbereit sein. «Diese Eigenschaften gehören einfach zum Anforderungsprofil, das ein Behördenmitglied erfüllen sollte.»

Zukunft der Gemeinde mitgestalten

Epp war schon von 2000 bis 2003 Mitglied des Gemeinderats (siehe Box). «Wieso tust du dir das an?», habe ihn ein Verwandter gefragt, als er sich Anfang 2014 erneut zur Verfügung stellte. Epps einfache wie überzeugende Antwort: «Ich möchte die Zukunft der Gemeinde mitgestalten.» Es gelte, die vorhandenen personellen und finanziellen Mittel ökonomisch, gezielt und zum Wohle des Volks einzusetzen, Synergien zu nutzen und die interkommunale Kooperation zu verbessern. «Damit meine ich nicht zwingend Gemeindefusionen», betont Epp. «Aber ich sehe gerade im mittleren Reusstal durchaus noch mehr Kooperationspotenzial, etwa im Bauwesen oder auch bei den technischen Diensten», nennt der neue Silener Gemeindepräsident zwei konkrete Beispiele. Hier gelte es, auch im infrastrukturellen und personellen Bereich möglichst vorausschauend zu agieren.

Die Neat-Millionen fehlen

In den vergangenen Jahren konnte Silenen seine Finanzlage massiv verbessern – nicht zuletzt dank des Neat-Baus. Dieser brachte jährliche Quellensteuern und Steuern juristischer Personen in Millionenhöhe. Muss die knapp 2000 Einwohner zählende Gemeinde, die für 2016 einen Aufwand von rund 6,7 Millionen Franken budgetiert, nun aufgrund des Wegfalls der Neat-Millionen kleinere Brötchen backen? «Nein», sagt Epp, «weil wir nie grosse Brötchen gebacken haben.» Natürlich sei das Ende der Neat-Bauarbeiten mit geringeren Steuereinnahmen verbunden. Es gebe aber auch positive Aspekte. «Im Gebiet Grund in Amsteg, wo der Rückbau des Neat-Installationsplatzes grösstenteils abgeschlossen ist und die Arbeiterunterkünfte noch 2016 verschwinden werden, sehe ich in der Nach-Neat-Ära neue Chancen», ist der Präsident der flächenmässig grössten Urner Gemeinde überzeugt. «Ich könnte mir dort einen neuen Entwicklungsschwerpunkt vorstellen», schildert Epp seine Vision. Neben dem Ansiedeln von neuen Industrieunternehmen wären im ‹Grund› auch gemischte Wohnformen im Sinne eines Generationenquartiers möglich, glaubt er. «Das heisst: Wir müssen optimale Rahmenbedingungen schaffen – für das Gewerbe, aber auch für mögliche Besitzer oder Mieter von neuen Wohnungen.» Epp hat auch diesbezüglich klare Vorstellungen: «Wir wollen nicht grosse Unternehmen ansiedeln und riesige Flächen überbauen, die nach zusätzlichen teuren Gemeindeinfrastrukturen rufen», erklärt er. «Viel lieber möchten wir Altbewährtes möglichst erhalten und nur ein moderates Wachstum der Gemeinde anstreben.»

Dass er in seiner Funktion als Gemeindepräsident die Anliegen der Bewohner der drei Dörfer Silenen, Bristen und Amsteg unter einen Hut bringen muss, ist sich Epp durchaus bewusst. «Jedes Dorf hat seinen eigenen Charakter, und auch die Bewohner der drei Dörfer haben ihre speziellen Eigenschaften», sagt er. «Gleichzeitig ist aber auch jedes Dorf im Gemeinderat vertreten. Die Behördenmitglieder von Silenen, Amsteg und Bristen können ihre eigenen Anliegen direkt einbringen. Zumindest auf Stufe Gemeindebehörde stelle ich denn auch keine Grabenkämpfe fest», betont Epp. Um diese Aussage zu unterstreichen, nennt Epp ein konkretes Beispiel: «Auch die Amsteger und Bristener Vertreter im Gemeinderat sind an einer einvernehmlichen Lösung mit der Alp Transit Gotthard interessiert, um die Trinkwasserversorgung in Silenen langfristig zu sichern» (siehe Ausgabe vom 13. Dezember).

Bald kein eigener Arzt mehr?

Für Epp müssen in naher Zukunft einige Probleme gelöst respektive Ziele anvisiert werden, die alle drei Dörfer betreffen. Prioritär erwähnt er die medizinische Versorgung. «Silenen kann einem Allgemeinpraktiker zu sehr günstigen Konditionen ein gemeindeeigenes Haus zur Verfügung stellen», sagt Epp. Dr. med. Guido Orsingher hat nun aber den Mietvertrag mit der Gemeinde per Ende März gekündigt. «Somit ist die Zukunft einer ‹eigenen› Praxis im Dorf äusserst ungewiss», sagt Epp. «Und bekanntlich ist es zurzeit äusserst schwierig, Hausärzte zu finden, die im Kanton Uri praktizieren wollen.»

Bereits aufgegleist ist die Erweiterung und Sanierung der Mehrzweckanlage Selderboden. Sagen die Stimmberechtigten am 28. Februar Ja zu einem entsprechenden Bruttokredit von 400 000 Franken, können demnächst ein neuer Allwetterplatz erstellt und die bestehende Baracke saniert werden.

Als eher langfristiges Ziel nennt Epp die Realisierung des sogenannten Agglomerationsprojekts. «Wir möchten in Silenen eine Art Dienstleistungszentrum für das untere Reusstal schaffen», erklärt Epp. Angestrebt würden der Erhalt und die Ansiedlung verschiedener Betriebe – vom Dorfladen über den Coiffeursalon bis hin zur Post – und damit eine generelle Stärkung des Gewerbes. Ein besonderes Anliegen ist dem neuen Gemeindepräsidenten auch der ganzjährige Betrieb des Alpenkiosks mit Produkten aus der Region. «Ich könnte mir vorstellen, diesen im Sommer beim neuen Kraftwerk in Bristen und während des Winters im Talboden zu betreiben.»

«Kann auf gute Leute zählen»

Von der Bevölkerung erwartet Epp, dass sie die Projekte des Gemeinderats möglichst mitträgt. Er selber verspricht, den Anliegen der Bürger so gut wie möglich Gehör zu schenken. «Ich will mit den Einwohnern einen sachlichen und konstruktiven Dialog führen. Wer ein Problem, eine Idee oder ein spezielles Anliegen hat, soll sich melden.»

Apropos alles unter einen Hut bringen: Wie schafft Epp eigentlich den Spagat zwischen Familie, Job und Behördentätigkeit? Die Antwort kommt blitzschnell: «Ich habe eine Frau, die den Laden zu Hause optimal managt, und ich kann auf gute Leute bei der ‹Zurich› und bei der Gemeindeverwaltung Silenen zählen. Das erleichtert mir die Arbeit extrem», betont Epp.

Bruno Arnold