SISIKON: Abegg ist ein «Herzblut-Sisiger»

Für Timotheus Abegg ist es eine Idylle. Doch Sisikon hat mit den Finanzen zu kämpfen. Vorerst geht dem neuen Gemeindepräsidenten die Arbeit nicht aus.

Florian Arnold / Neue Uz
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Timotheus Abegg ist stolz, Gemeindepräsident von Sisikon zu sein. Er posiert vor den Felsmalereien von Heinrich Danioth. (Bild Florian Arnold)

Timotheus Abegg ist stolz, Gemeindepräsident von Sisikon zu sein. Er posiert vor den Felsmalereien von Heinrich Danioth. (Bild Florian Arnold)

«Das Juwel am Vierwaldstättersee»: So wirbt Sisikon auf T-Shirts für sich. In dieses Juwel hat sich Timotheus Abegg vor etwas mehr als dreizehn Jahren verliebt. Allerdings war es Liebe auf den zweiten Blick. «Ich dachte, Sisikon sei nur ein Durchfahrtsdorf», erzählt der gebürtige Steiner (Kanton Schwyz), der in Altdorf aufgewachsen ist. Doch als sich Abegg und seine damalige Freundin und heutige Frau in Sisikon eine Wohnung am See ansahen, wussten sie, dass sie ihre Bleibe gefunden hatten. «Wir haben spontan zugesagt», erinnert sich Abegg. «Wir wussten, dass hier unsere Kinder gross werden sollten.» Mittlerweile bezeichnet sich Abegg als «Herzblut-Sisiger». Die richtige Einstellung, um das Amt des Gemeindepräsidenten zu übernehmen. Vor sieben Jahren sei er für den Gemeinderat überredet worden. Als Parteiloser führt er nun das Gremium.

Ein junger Präsident

Timotheus Abegg setzt sich an den grossen hellen Sitzungstisch im Gemeinderatszimmer. Er trägt ein dunkles Hemd und Jeans, einen Millimeter-Haarschnitt und auffälligen Ohrschmuck. Abegg scheint nicht nur jung, er ist es auch: 37-jährig.

«Wenn ich etwas mache, dann mache ich es mit vollem Einsatz», sagt der neue Gemeindepräsident. Und das ist keine leere Phrase. Abegg gehört bei seinem Arbeitgeber, der Ruch AG in Altdorf, zur Geschäftsleitung und führt den Verkauf. Bei einem gesamtschweizerischen Oldtimerclub ist er im Vorstand. In der Guggenmusik zählte er einst zu den Zugpferden und ist als Ehrenmitglied immer noch aktiv dabei. In Sisikon amtet er als Tourismuspräsident. Und dann ist Abegg erst noch Vater von drei Kindern. Wie bringt er dies alles unter einen Hut? «Das geht nur, wenn das ganze Umfeld stimmt und mich meine Familie unterstützt.»

Ein Millionen-Defizit

Trotz voller Motivation weiss der neue Gemeindepräsident: «Es ist nicht die einfachste Zeit, dieses Amt zu übernehmen.» Am meisten Sorgen bereitet ihm die leere Gemeindekasse. An der Gemeindeversammlung vom 9. Dezember 2013 wurde ein erschreckender Finanzplan vorgestellt. Im schlimmsten Fall steht die Gemeinde vor einem Defizit von über 8 Millionen Franken bis 2019. «Es wird nun unser Hauptthema sein, die Finanzen zu analysieren und Investitionen zu überdenken», so Abegg. «Ich versuche, dies möglichst sachlich anzugehen und Emotionen grösstenteils auszublenden.» Das sei aber gar nicht so leicht, etwa wenn es um Bildung gehe. «Natürlich möchte auch ich, dass meine Kinder die Schule in Sisikon besuchen können», sagt der Familienvater. «Prüfen müssen wir aber schlichtweg alles.»

Eine Fusion mit einer anderen Gemeinde sei zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht denkbar. «Wir sind ein äusserst eigenständiges und innovatives Dorf», betont Abegg.

Zusammenarbeit funktioniert

Wichtiger als eine Fusion sei, noch stärker mit anderen Gemeinden zusammenzuarbeiten. Seit längerem schon ist Sisikon an das Rechenzentrum Altdorf angehängt und teilt mit Flüelen einen Teil der Verwaltung. «Das funktioniert sehr gut.» Als Randgemeinde arbeitet Sisikon auch mit dem Kanton Schwyz zusammen. Auf diese Weise sehe er auch in andere Verwaltungen hinein, so Abegg. «Das erweitert unseren Horizont.» Allerdings ist er etwas ernüchtert: «Grosse Sparpotenziale konnten wir mit interkantonaler Zusammenarbeit noch nicht ausmachen.»

Was Sisikon in den kommenden Jahren ausser den Finanzen noch beschäftigen wird, ist die geplante Umfahrung. Der Baustart soll 2017 erfolgen. Grundsätzlich freue man sich darauf, wenn auch seitens der Gastronomie grosse Einbussen prognostiziert würden. Grossen Respekt hat Abegg allerdings vor der Bauphase. «Es wird Lärm und Dreck geben und zu Staus kommen. Das wird ein langer Weg bis zum Ziel.»

Es gibt Potenzial im Tourismus

Dass er dereinst als Gemeindepräsident an der Eröffnung der Umfahrung – 2025 soll es so weit sein – das Band durchschneiden wird, glaubt Abegg nicht. Bis dahin gelte es aber, noch viel aus seiner Gemeinde herauszuholen, gerade was den Tourismus angehe. «Ich sehe Potenzial, aber die Bevölkerung und der Kanton müssen mithelfen.»

Für das Jahr 2014 wünscht sich Abegg, dass Sisikon Perspektiven für die Zukunft erkennt. Und vielleicht wird dann sogar auch ein zweiter Wunsch in Erfüllung gehen: dass die Einwohnerzahl von Sisikon anwächst.

Hinweis

Unsere Zeitung porträtiert in den ersten Ausgaben des neuen Jahrs die beiden neuen Urner Gemeindepräsidenten, Timotheus Abegg (Sisikon) und Heidi Meier (Bauen).