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«Skulpturen haben ein Eigenleben»

Selina Baumann zeigt im Haus für Kunst Uri eigenwillige Skulpturen. Die 30-jährige Künstlerin wohnt in Basel, hat aber Urner Wurzeln und lässt sich bei ihrer Arbeit auch vom Gotthardkanton inspirieren.
Markus Zwyssig
Selina Baumann hat im Danioth-Pavillon aus Schüsseln unterschiedlich hohe Skulpturen gebaut. (Bild: F. X. Brun (Altdorf, 7. Juni 2018))

Selina Baumann hat im Danioth-Pavillon aus Schüsseln unterschiedlich hohe Skulpturen gebaut. (Bild: F. X. Brun (Altdorf, 7. Juni 2018))

Wie Gerippe sehen sie aus, die umgekehrt aufeinander gestellten Skulpturen aus Keramik. Durch die heissen Temperaturen im Ofen sind sie etwas aus der Form geraten. Das Material ist glasiert und durch die Hitze gehärtet. Der Brennprozess und die unterschiedliche Zusammensetzung der verwendeten Materialien haben die Farben verändert. Sie sind unterschiedlich gepunktet und laufen ineinander.

«Vieles bei meiner Arbeit ist unberechenbar», sagt Selina Baumann. «Ich bin selber immer wieder überrascht, was aus dem Brennofen kommt.» Bei ihrer Arbeit gehört das Ausprobieren dazu. Zuerst macht sie Modelle, dann erst entsteht die fertige Skulptur. «Die Arbeit ist eine Herausforderung und das Resultat eine Inspirationsquelle», sagt Baumann.

Bei den Namen für die Skulpturen beim Eingang zum Danioth-Pavillon liess sich Baumann von bekannten Clowns inspirieren. «Für mich sind die Skulpturen fast ein bisschen wie Lebewesen», sagt die 30-jährige Künstlerin. «Sie scheinen ein Eigenleben zu entwickeln.» Das denkt der Betrachter der Ausstellung vor allem auch, wenn er den Danioth-Pavillon betritt. Da stehen auf dem Boden zwei Skulpturen, die aussehen wie Tintenfische oder Polypen.

Die Zeichnungen regen zu neuen Skulpturen an

An einer Wand hängen, fein säuberlich angeordnet, zahlreiche Zeichnungen. «Bei der Arbeit auf einem Blatt Papier kann man sehr spontan sein», sagt Selina Baumann. Aus den Skizzen entstehen in einem späteren Prozess oftmals neue Skulpturen – manchmal aber auch nicht. «Es geht mir vor allem darum, Neues auszuprobieren.» Nicht alle Vorlagen lassen sich in eine Skulptur umsetzen. «Manches funktioniert nicht im dreidimensionalen Raum», sagt Baumann. Es gibt grosse Unterschiede. «Die Arbeit auf einem Blatt Papier ist sehr spontan. Bis eine neue Skulptur entsteht, vergeht viel mehr Zeit.» Die in Basel lebende Künstlerin mit Urner Wurzeln zeigt im Haus für Kunst Uri vor allem, was sie in den vergangenen Jahren geschaffen hat.

Das Spiel mit der unterschiedlichen Grösse der Skulpturen kommt bei einer weiteren Arbeit im Danioth-Pavillon noch viel deutlicher zum Ausdruck. Dabei stellt die Künstlerin selber gebrannte Schüsseln aufeinander. 95 Stück sind es insgesamt. Sie sehen aber nicht alle gleich aus. Mit der Glasur erhalten die verschiedenen Töpfe durch die Hitze im Ofen unterschiedliche Farben. Einzeln erinnern sie an Blumentöpfe. Aufeinander gestapelt sehen sie eher aus wie Palmenbäume. Eine Skulptur kann niedrig oder hoch sein, gerade so, wie es die Künstlerin will. Zum Teil ragen die aufeinander gestapelten Töpfe säulenartig in die Höhe. «Es reizt mich, grössere Skulpturen herzustellen, als es mein Brennofen zulässt», begründet die Künstlerin ihre Motivation zur besonderen Ausstellungskomposition.

Selina Baumanns Heimatort ist Erstfeld, selber in Uri gelebt hat sie aber nie. Ihr Vater hingegen ist in Erstfeld aufgewachsen. Baumanns Familie lebt aber zum Teil nach wie vor im Kanton Uri. Ihr Atelier hat die Künstlerin zwar in der Nähe von Basel. Sie ist aber gerne im Kanton Uri. Ab und zu besucht sie auch ein Meiensäss auf dem Bocki in Erstfeld. Aus der Kindheit sind ihr viele Erinnerungen an den Kanton geblieben. Urner Ziegerkrapfen, Pastete, Kabis und Schaffleisch – all das möchte sie auf gar keinen Fall missen. «Aber auch die Landschaft, die Natur ganz allgemein, die Mythen und die Geschichte haben mich geprägt und bei meiner Arbeit inspiriert», sagt Baumann.

Sie hat ein paar Mal beim Wettbewerb der Kunst- und Kulturstiftung Uri mitgemacht. Die Künstlerin hat auch schon einen grösseren Förderbeitrag der Stiftung gewonnen.

Spannender Dialog zwischen unterschiedlichen Arbeiten

Selina Baumann findet es spannend, dass ihre Arbeiten zusammen mit Werken der verstorbenen Künstlerin Heidi Bucher gezeigt werden. «Die Arbeiten ergänzen sich gut», gibt sich die Künstlerin überzeugt. Bucher ist nach ihrem Tod zuerst fast in Vergessenheit geraten. Nun aber ist sie postum sehr bekannt geworden. Mit bizarren, so genannten «Abhäutungen» hat sie mit Wänden, Fenstern oder ganzen Zimmern «Erinnerungsfetzen» geschaffen.

Heidi Bucher zog auch ihr Atelier mit Latex ab. Es wurde zu ihrer ersten «Raumhaut» und wird im Haus für Kunst Uri unter anderen Arbeiten aus einer Privatsammlung gezeigt. Die Objekte, der 1993 verstorbenen Künstlerin, die an Fossilien erinnern, führen zu einem spannenden Dialog zu den Keramik-Objekten von Selina Baumann.

Künstler nehmen Stellung und schaffen Welten

Im Rahmen der aktuellen Ausstellung Positionen sind im Haus für Kunst Uri zudem Arbeiten von Marie-Claire Baldenweg und Patrick Graf zu sehen. Die drei Künstlerinnen und ein Künstler haben mit Keramik, Textil, Latex, Karton und auf der Leinwand ganz unterschiedliche Skulpturen und Bilder geschaffen. Sie nehmen diesen Sommer in Altdorf klar künstlerisch Stellung oder schaffen ihre eigenen Welten.

Hinweis: Die Ausstellung Positionen im Haus für Kunst Uri zeigt Arbeiten von Marie-Claire Baldenweg, Selina Baumann, Heidi Bucher und Patrick Graf. Sie ist jeweils donnerstags und freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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