So meistern Mutter und Tochter in Altdorf die Corona-Krise

Wegen der Pandemie muss Cornelia Baumann ihr Leben neu organisieren. Sie schaut mit gemischten Gefühlen auf die nächsten Monate.

Christian Tschümperlin
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Cornelia Baumann aus Altdorf und ihre Tochter Livia organisieren sich wegen der Corona-Krise.

Cornelia Baumann aus Altdorf und ihre Tochter Livia organisieren sich wegen der Corona-Krise.

Bild: Christian Tschümperlin (Altdorf, 17. März 2020)

Auf ihrem Smartphone verfolgt Cornelia Baumann die neueste Pressekonferenz des Bundes zum Corona-Virus: Die Landesregierung erklärt die ausserordentliche Lage, riegelt das Land ab, mobilisiert die Armee. Läden und Beizen müssen schliessen – nur Apotheken und Lebensmittelgeschäfte bleiben offen. «Ich finde es gut, dass die Regierung handelt. In China und Italien hat man gesehen, wie schnell sich das Virus ausbreitet», sagt die Altdorferin.

Die drastischen Massnahmen habe sie schon erwartet, als Schulschliessungen verordnet wurden. Die 52-Jährige sagt dies, obwohl die neue Situation ihr einiges abfordert: Baumann ist alleinerziehende Pflegefachfrau. «Das ist ohnehin schon eine Doppelbelastung. Diese verschärft sich nun.»

An diesem Abend will Baumann mit ihrer Tochter Livia (12) ein feines Abendessen zubereiten. Zeit, mit Livia zu verbringen, ist für Baumann ein Privileg. Sie arbeitet in einem 60-Prozent-Pensum beim Kantonsspital Uri, also drei Tage die Woche.

Auf ein gutes Netzwerk zurückgreifen

Livia besucht die sechste Primarklasse. Baumann traut es ihr zu, dass sie auch mal einen Nachmittag alleine zu Hause verbringen kann. «Was ich aber nicht möchte, ist, dass sie drei Tage die Woche alleine ist.» Denn: Mit der Zeit würde es ihr sicher auch langweilig.

In Zeiten der Not ist es wichtig, dass Baumann auf ihr gutes Netzwerk zurückgreifen kann. «Alle organisieren sich jetzt, Freunde und Bekannte.» Die alleinerziehende Mutter hat von Freunden bereits das Angebot erhalten, ihre Tochter Livia zu hüten, während Baumann im Spital arbeitet.

Trotzdem plagen Baumann Hemmungen, ihre Tochter über eine lange Zeit bei Freunden abzugeben. «Vielleicht müssen sich jetzt Freunde untereinander abwechseln.»

Baumann zeigt sich froh über ein Angebot der Schule, das vorerst bis Mittwoch begrenzt ist, und hat dieses bereits wahrgenommen. Schulrat und Schulleitung hatten informiert, dass Familien, die keine Betreuung organisieren können, ihre Kinder bis dann am Morgen in die Schule schicken können. Eine mögliche Option für Baumann ist die Kita. Kitas dürfen gemäss dem neuesten BAG-Beschluss nämlich nur schliessen, wenn der Kanton andere Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stellt. «Doch die Kitas kommen irgendwann auch an ihre Belastungsgrenzen.» Vieles ist noch in der Schwebe. «Die Informationen kommen tröpfchenweise herein. Die Schulen müssen nun ausprobieren, was sie tun können und was nicht.» Am Dienstag hatte Baumann Glück: Ihre Schwester hat sich über den Mittag um Livia gekümmert. Die Kinder verbrachten die Zeit mit Rollschuhfahren. «Für die Jungen ist es schwierig einzuschätzen, wie schlimm die Krise ist. Natürlich waschen sie jetzt ihre Hände regelmässig. Aber beim Spielen kommen sie dennoch in engen Kontakt.» Die Primarschüler erhalten ihre Aufgaben per E-Mail. «Das gibt für die Kleinen auch eine Tagesstruktur.» Ausserdem gehe sonst zu viel Lernstoff verloren. Ob diese neue Unterrichtsform zu Schwierigkeiten führt, etwa weil die Schüler mehr Erklärungen benötigen, wird sich erst noch weisen. «Denkbar wäre, dass ich Livia vermehrt bei ihren Hausaufgaben unterstütze.»

In Baumanns Umfeld sind zum Glück noch alle gesund. Livias Grossvater etwa ist über 90 Jahre alt und wohnt noch zu Hause. Bei schönem Wetter geniesst er die Alpenkulisse vor dem Haus. «Am Anfang war er schon schockiert, dass wir ihn jetzt nicht mehr besuchen dürfen. Aber sein Schutz steht nun im Vordergrund.» Baumann besorgt den Einkauf für ihn und ruft ihn sonst nur per Telefon an.

Baumann schöpft trotz allem auch Hoffnung

Auf die nächsten Monate schaut Baumann mit gemischten Gefühlen. «Viele Mitarbeiter im Spital sind weiblich, arbeiten Teilzeit und haben selber Kinder.» Noch stehe der grosse Ausbruch der Krise bevor. «Wenn er aber einmal da ist, werden alle Pflegefachkräfte benötigt», gibt sie sich überzeugt.

Hoffnung schöpft Baumann aus Massnahmen wie jener, die das Spital Balgrist in Zürich ergriffen hat. «Sie haben dort einen Kinderspielraum eingerichtet, bei dem die Mitarbeiter ihre Kinder abgeben können.»