So viel kostet Ignaz W. den Kanton Uri

Die Untersuchungen und der Prozess gegen Ignaz W. und Sasa S. haben den Urner Steuerzahler bisher rund 400 000 Franken gekostet - ohne Haftkosten.

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Das Urteil des Landgerichts Uri ist gefällt: Ignaz W. wird am 24. Oktober wieder ins Gefängnis Stans zurückgeführt. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)

Das Urteil des Landgerichts Uri ist gefällt: Ignaz W. wird am 24. Oktober wieder ins Gefängnis Stans zurückgeführt. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)

Am 24. Oktober ist der Erstfelder Barbetreiber Ignaz W. vom Landgericht Uri wegen versuchten Mordes in Mittäterschaft und Gefährdung des Lebens zu einer Gefängnisstrafe von zehn Jahren verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Ignaz W. seine Frau Nataliya K. töten wollte und dafür den Kroaten Sasa S. als Auftragskiller angeheuert hatte. Das Opfer überlebte den Angriff vom 12. November 2010, erlitt aber schwere Schussverletzungen.

Staat muss «vorfinanzieren»

Dem Urteil des Landgerichts Uri waren 62 Befragungen durch die Polizei, 35 durch die Staatsanwaltschaft, zehn vor den Schranken des Gerichts, zwei psychiatrische Gutachten, 20 Entscheide betreffend Haftentlassung respektive -verlängerung und ein zwei Wochen dauernder Prozess vorausgegangen. Die rund 8000 Seiten Akten füllen knapp 20 Bundesordner.

Für die Urner Staatskasse respektive den Urner Steuerzahler ist der «Fall Ignaz W. kontra Nataliya K.» eine äusserst teure Angelegenheit. Allein die Verfahrenskosten belaufen sich auf rund 120 000 Franken. Diese würden eigentlich zu Lasten der Verurteilten gehen. Da die beiden aber zahlungsunfähig waren respektive sind, hat der Staat weit mehr als die Hälfte davon bereits «vorfinanzieren» müssen, so etwa die Kosten für verschiedene Gutachten und Analysen oder für Dolmetscher und Zeugen.

250 000 Franken für Verteidigung

Zu Lasten des Staates gehen auch die rund 250 000 Franken für die amtlichen Verteidiger. Für Ignaz W. waren es seit November 2010 deren drei, für Sasa S. zwei. Knapp 80 000 Franken kostete zudem der Rechtsbeistand von Opfer Nataliya K. Mit andern Worten: Die bisher aufgelaufenen Verfahrens- und Verteidigungskosten betragen rund 450 000 Franken - etwa 400 000 Franken davon gehen zu Lasten des Kantons Uri.

Günstiges Stanser Gefängnis

Zu Lasten des Staates respektive des Steuerzahlers gehen aber auch die Haftkosten. Uri hat in Stans ein Benützungsrecht für neun Zellen. Der Kanton bezahlt dafür (inklusive Investitions- und Amortisationskosten) gegenwärtig eine Pauschale von rund 250 000 Franken pro Jahr. Werden alle Zellen belegt, kostet somit ein «normaler Urner Häftling» im Schnitt rund 80 Franken pro Tag. Bis Ende 2011 wurden dem Kanton Uri für die Untersuchungshaft von Ignaz W. im Gefängnis Stans gut 60 000 Franken respektive rund 150 Franken pro Tag in Rechnung gestellt. Mittlerweile sitzt Ignaz W. in Sicherheitshaft (siehe Box). Gemäss Josef Zurfluh, Abteilungsleiter Strafvollzug und Bewährungshilfe beim Amt für Justiz des Kantons Uri, wird der 44-jährige Erstfelder wohl erst dann in ein anderes Gefängnis verlegt, wenn das Urteil rechtskräftig ist. Und dies dürfte den Kanton dann bedeutend mehr kosten als die aktuelle Lösung. «Erfolgt der Strafvollzug in einer Konkordatsanstalt, kann dies pro Tag je nach Vollzugsart bis zu 650 Franken kosten», so Zurfluh. So weit ist es allerdings noch nicht. Der Fall Ignaz W. könnte nämlich bis vor Bundesgericht gehen. Fest steht bereits: Der Anwalt von Ignaz W. wird das Urteil des Landgerichts Uri ans Obergericht weiterziehen. Zudem hat er für Ignaz W. ein Haftentlassungsgesuch gestellt. Die zuständige Beschwerdekommission des Obergerichts Uri wird voraussichtlich Ende November oder Anfang Dezember darüber entscheiden.

Bruno Arnold / Neue UZ

Haftbedingungen wurden gelockert

STANSbar. Ignaz W. wurde im November 2010 in Untersuchungshaft genommen. Er sitzt seither in einer 12 m2 grossen Zelle im Gefängnis Stans. Diese darf er täglich nur für einen rund einstündigen Spaziergang im Gefängnishof verlassen. Ansonsten bleiben ihm vor allem zwei Beschäftigungen: lesen und fernsehen. Mittlerweile ist die Untersuchungshaft in Sicherheitshaft umgewandelt worden. Das heisst: Die Haftbedingungen sind leicht gelockert worden. So kann Ignaz W. jetzt wieder frei telefonieren oder freien Besuch im Rahmen der Hausordnung empfangen.