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SOMMERSERIE: Eine Urnerin steht TV-Pilgern mit ihren Kräutern bei

Marie-Therese Zgraggen ist für SRF mit einer Pilgergruppe wie im Mittelalter unterwegs. Sie bringt auf der langen, strapazenreichen Reise ihr Wissen als Kräuterfrau und als Krankenpflegerin mit ein.
So wird Marie-Therese Zgraggen für SRF als Pilgerin unterwegs sein. (Bild: SRF/Ueli Christoffel (Bildmontage Studio Zürich, 3. Juni 2017))

So wird Marie-Therese Zgraggen für SRF als Pilgerin unterwegs sein. (Bild: SRF/Ueli Christoffel (Bildmontage Studio Zürich, 3. Juni 2017))

Als sie im Radio hörte, dass Teilnehmer für eine Sommerserie gesucht werden, die sich auf eine Pilgerreise wie vor 500 Jahren begeben, meldete sie sich spontan. «Dass ich schlussendlich mitmachen könnte, hätte ich mir nie im Leben erträumt», sagt Marie-Therese Zgraggen. Jetzt wurde die 63-jährige Altdorferin aber tatsächlich aus mehreren hundert Bewerbern ausgewählt – und kann es noch immer kaum fassen: «Es ist ein Wunder geschehen», sagt sie.

Marie-Therese Zgraggen freut sich auf das sommerliche Experiment, auf das sie sich mit drei weiteren Mitpilgern und mit Radio-SRF-1-Moderator Ralph Wicki einlässt. Dies, obwohl sie nicht genau weiss, was während der zwölftägigen Pilgerreise, die von «Schweiz aktuell» und vom Radio begleitet wird, auf sie zukommt. Bekannt ist ihr aber, wie sie unterwegs gekleidet sein wird. Bei einer Kostümanprobe konnte sie ihr Pilgergewand anprobieren. Es sind schwere Kleidungsstücke, die im Oberteil eng anliegen. Zu Zeiten der Pilger galten strikte Kleidervorschriften. Viele Schweisstropfen werden bei heissem Wetter die Wanderer auf ihren Strapazen begleiten.

Mit einer wollenen Pelerine auf dem Rücken, einem Messer am Gürtel, einer Leinentasche mit Essnapf und Besteck sowie einem Ledertäschli für die Wertsachen wird sie zwölf Tage lang unterwegs sein. Bei Bedarf dient die Pelerine auch als Wolldecke.

Mit nackten Füssen in den Lederschuhen

Die Pilgergruppe wird über Stock und Stein unterwegs sein. «Es gibt viele Wege, die von Basel nach Fribourg führen», gibt sich die Urnerin überzeugt. «Mal schauen, wie viel man beim Laufen erträgt.» Denn nicht nur die Kleider sind antik. An den Füssen tragen die Pilger Lederschuhe wie damals. «Ich weiss auch noch nicht, wie sich meine Füsse mit diesen Schuhen vertragen werden», sagt Zgraggen. «Als Option bleibt aber immer noch das Barfusslaufen.» Eine weitere Herausforderung wird sein, dass die Pilger eventuell teilweise selber schauen müssen, wie sie etwas zu essen bekommen. «Das Betteln nach Essbarem würde eine Herausforderung werden», sagt Zgraggen.

Besucht werden auf der Pilgerreise entlang des Jakobswegs Kirchen, Kathedralen und Klöster. Das ist ganz nach dem Gusto von Marie-Therese Zgraggen: «Ich bin fasziniert, wie früher die grossen Bauwerke unter schwierigen Bedingungen mit grosser Muskelkraft erschaffen worden sind.» Das Sommerprojekt «Leben vor 500 Jahren» von Radio SRF 1 und «Schweiz aktuell» findet diesen Sommer statt, weil 2017 ein wichtiges Jahr für das westliche Christentum ist. Vor 500 Jahren hat der Theologe Martin Luther mit seinen 95 Thesen die Reformation ausgelöst und eine Zeit des Umbruchs eingeläutet.

Marie-Therese Zgraggen ist inzwischen etwas ungeduldig geworden. Schon seit Anfang März weiss sie, dass sie dabei ist. «Ich bin froh, wenn es nun endlich losgeht», sagt sie. Inzwischen hat sie auch ihre Ausdauer trainiert. Unter anderem ist sie mehrmals ungefähr fünfeinhalb Stunden von Altdorf nach Wassen gewandert. «20 bis 25 Kilometer werden für uns durchschnittlich die täglichen Tageskilometer sein», so Zgraggen. Oft war sie auch barfuss unterwegs, um die Fusssohlen etwas abzuhärten.

Marie-Therese Zgraggen liebt die Natur und sammelt, was diese hergibt. Daher ist sie viel in Wald und Feld unterwegs. «In der Natur finde ich immer etwas, woraus ich beispielsweise Salben, Likör und Hustensirup herstellen kann.» Für Muskelschmerzen und kleine Wunden will sie vorgängig selber Salben zubereiten und mit auf die Reise nehmen. «Die Leute damals haben bestimmt jeweils auch etwas Heilkräftiges mitgenommen», gibt sich Zgraggen überzeugt. Doch auch als Pilgerin will sie aktiv sein. «Unterwegs werde ich schauen, was wächst und blüht», sagt Zgraggen. Doch nicht nur das Wissen als Kräuterfrau ist für die Pilgerreise wichtig. Von Nutzen ist auch, was sie aufgrund ihrer langjährigen Arbeit als Krankenpflegerin mitbringt.

Nicht News-süchtig, aber Wetterbericht wird fehlen

Marie-Therese Zgraggen arbeitete viele Jahre im Alters- und Pflegeheim Rosenberg in Altdorf als Stationsleiterin. Inzwischen ist sie frühpensioniert. Sie ist die älteste Teilnehmerin der Pilgerreise. Gar nicht unglücklich ist sie, wenn sie das Natel für ein paar Tage zur Seite legen kann. «Vermissen werde ich höchstens, dass ich nicht immer den Wetterbericht und den Regenradar konsultieren kann.» Seit bekannt geworden ist, dass sie bei der Pilgerreise dabei ist, hat Marie-Therese Zgraggen viele Anrufe und Anfragen von Fernsehen und Radio und auch von Zeitungen erhalten. «Das Medienecho ist gross», sagt sie. «Gesucht habe ich das nicht.»

Fürs Fernsehen stand sie bereits einen ganzen Tag vor der Kamera. «Daraus entsteht ein Porträt von rund vier Minuten Länge», so die Frührentnerin. Ausserdem wurde sie um ihr Lieblingsrezept angefragt, welches dann während der Pilger­woche auf Radio SRF 1 in der Sendung «A point» zu hören sein wird. Wer sich für die Sommer­serie verpflichtet, der muss mit der Medienaufmerksamkeit leben. «Man muss sich ein bisschen eine dicke Haut zulegen.»

Markus Zwyssig

markus.zwyssig@urnerzeitung.ch

Hinweis: Die Sommerserie «Auf Pilgerreise – Leben vor 500 Jahren» startet am 24. Juli und dauert bis am 4. August. Radio SRF 1 und «Schweiz aktuell» berichten täglich von der mittelalterlichen Reise.

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