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Sommerserie «Mein Lieblingsplatz»: Die Marienhöhe in Seelisberg hat es Florian Arnold angetan

Der Lieblingsplatz von Florian Arnold befindet sich dort, wo ein bekanntes Gemälde entstand, das sogar Aprilscherze enthält.
Florian Arnold
Redaktionsleiter Florian Arnold auf der Marienhöhe in Seelisberg, dem Standort eines berühmten Gemäldes. (Bild: Ronny Arnold, 26.Juli 2019)

Redaktionsleiter Florian Arnold auf der Marienhöhe in Seelisberg, dem Standort eines berühmten Gemäldes. (Bild: Ronny Arnold, 26.Juli 2019)

Wandern ist eigentlich nicht so mein Ding. Klar, es ist schön, unsere einzigartige Landschaft zu Fuss zu erkunden. Und auch ich mag das Gefühl, wenn man nach einem langen Aufstieg endlich auf dem Gipfel angekommen ist, einen Jutzer loslässt, ein Rädchen Wurst abschneidet, gemeinsam anstösst und sich im Gipfelbuch einträgt. Aber trotzdem kostet es mich jedes Mal Überwindung, die Bergschuhe (okay, es sind eigentlich Winterschuhe) anzuziehen und loszulaufen. Dabei gäbe es beinahe unerschöpflich viele Motivationsspritzen, die zwischen zwei Buchdeckeln darauf warten, injiziert zu werden. Im Regal unserer Zeitungsredaktion lässt sich da seit kurzem ein Buch zur Via Urschweiz finden und eines zum Vier-Quellen-Weg sowie zur Kontinentalen Wasserscheide. Ebenfalls dieses Jahr herausgekommen ist das Buch mit dem Titel «Wandern wie gemalt», Untertitel: «Auf den Spuren bekannter Gemälde». Mein Interesse ist geweckt.

«Wiege der Eidgenossenschaft» ist 11,5 Meter breit

Ruth Michel Richter und Konrad Richter haben sich mit diesem Buchprojekt zum Ziel gesetzt, genau jene Standorte aufzuspüren, an denen Kunstmaler seinerzeit ihre Staffelei aufgestellt haben müssen. Das erste Kapitel ist jenem Gemälde gewidmet, das wohl jeder kennt, aber die wenigsten schon einmal genauer unter die Lupe genommen haben: «Die Wiege der Eidgenossenschaft». Es ist 11,5 Meter breit und 5 Meter hoch und hängt im Nationalratssaal des Bundeshauses direkt hinter der Ratsleitung. Gemalt hat es der Genfer Künstler Charles Giron aufgrund von Skizzen, die er in Seelisberg anfertigte. Ich selber kam mit dem Bild in Berührung, als ich für die Bildungs-App Sqwiss ein Video drehte. Auch unser Team suchte den Standort auf der «Marienhöhe» in Seelisberg auf und drehte bei etwas nebliger Sicht auf die Schwyzer Mythen. Aus dem Drehbuch aber erfuhr ich erst die wirklich interessanten Details.

1902 wurde das Gemälde feierlich enthüllt und das ausgerechnet am 1. April. Scheinbar galt das Datum schon damals als etwas Besonderes. Und der Maler, offensichtlich mit reichlich Humor ausgestattet, liess es sich nicht nehmen, im Bild gleich zwei Scherze zu verstecken. Über dem Urnersee schwebt eine Wolke. Beinahe unmerklich hat sich am linken Rand eine weisse nackte Jungfrau mit Engelsflügeln hingesetzt, in ihrer linken Hand hält sie einen Ölzweig. Noch genauer hinschauen muss man, um den zweiten Scherz zu finden: In einer Spalte der markanten Felspartie am linken Bildrand liegt ein Fisch. Hintergrund dabei ist, dass man sich im französischsprachigen Raum am 1. April traditionsgemäss gegenseitig falsche oder tote Fische in die Jackentasche steckte.

Bilderbuch-Sujets vor strengem Aufstieg

Ein Bild, zwei Scherze, ein Buch und ein Video sind für mich Grund genug, wieder einmal die Winter-/Wanderschuhe zu schnüren. «Wenn schon, denn schon», sage ich mir und wähle als Ausgangsort jenen Flecken Erde, auf dem unser Land gegründet wurde. Ich muss zugeben, dass es mich schon immer irgendwie stolz gemacht hat, dass das Rütli ausgerechnet in meinem Heimatkanton liegt.

Die Schifffahrt ab Flüelen ist gemütlich und bietet so manches Bilderbuch-Sujet. Es bleibt Zeit, ein wenig im Wanderbuch zu schmökern. Eine Bekannte entdeckt mich, ihr Blick fällt auf das Buch mit dem Gemälde: «Genau bei diesem Bild haben sich mein Vater und ich immer gestritten, wo das genau gemalt wurde», sagt sie. Als ich ein paar Seiten weiter blättere, weiss ich warum: Wie die beiden Autoren enthüllen, muss der Maler an zwei unterschiedlichen Standorten skizziert haben. Das werde ich überprüfen.

Zuvor liegt ein Aufstieg vor mir, den ich mir irgendwie leichter vorgestellt hatte. 1 Stunde 10 Minuten, so die offizielle Zeitangabe vom Rütli bis Seelisberg Dorf. Ich gebe mir eine halbe Stunde, was sich als masslose Überschätzung herausstellt. Nach 20 Minuten brauche ich eine Pause. Anschliessend kämpfe ich mich die letzten Höhenmeter empor und schaffe es gerade noch leicht unter der angegebenen Zeit. Es ist und bleibt ein idyllisches Plätzchen, dieses Seelisberg. Es ist ruhig, und die Aussicht einfach phänomenal, selbst wenn es auch an diesem Tag wieder etwas trüb ist und man die Berggipfel rundherum nur etwas verschwommen wahrnimmt. Kein Wunder hat es hier Künstler wie Richard Wagner oder Gottfried Keller hingezogen, oder eben auch den indischen Guru Maharishi Mahesh Yogi, der hier einen idealen Ort für Meditationen fand und im ehemaligen Hotel Sonnenberg die «European Research University» aufbaute.

Fisch und Jungfrau lassen sich nicht blicken

Um zur Marienhöhe zu gelangen, muss man vom Dorfladen her durch den Wald. Mich begleiten eine ehemalige Schulkollegin und ein Musikfreund, die sich gerade am Seelisbergerseeli erholen. Den richtigen Weg müssen wir ein wenig suchen. Schliesslich gelangen wir an den Aussichtspunkt. Eindeutig, das ist der Ort, der den Blick aufs Rütli, den Urnersee, den markanten Felsen und die Mythen freigibt. Nur der Fisch und die Jungfrau lassen sich heute nicht blicken. Beim genauen Vergleich mit dem Bild fällt allerdings auf, dass hinter der Hügelpartie, durch welchen auf der anderen Seite des Sees der Mositunnel führt, noch weitere Berge zu sehen sind. Das Buch hatte also recht: Der Maler muss an zwei Standorten seine Skizzen angefertigt haben. Aber das ist dann eine andere Wanderung …

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