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SOZIALHUND: Alayah bringt Freude in den Heimalltag

Ruth Anklin leistet mit ihrer Hündin Alayah regelmässig freiwillige Einsätze in verschiedenen Urner Institutionen. Bei einem Besuch in der Stiftung Behindertenbetriebe Uri zeigt sich, welche ungeahnten Fähigkeiten in der ausgebildeten Sozialhündin stecken.
Carmen Epp
Christina ist die Freude ins Gesicht geschrieben, wenn sie mit Ruth Anklin und Alayah auf Tour ist. (Bilder: Urs Hanhart (Schattdorf, 19. September 2017))

Christina ist die Freude ins Gesicht geschrieben, wenn sie mit Ruth Anklin und Alayah auf Tour ist. (Bilder: Urs Hanhart (Schattdorf, 19. September 2017))

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Ruth Anklins Labradorhündin Alayah ist trotz ihres schwarzen Fells in der Stiftung Behindertenbetriebe Uri (SBU) bekannt wie ein bunter Hund. Nicht als Besucherin, sondern als Sozialhündin und damit gewissermassen als Einsatzkraft auf vier Pfoten. Seit dreieinhalb Jahren besucht Anklin mit Alayah alle zwei Wochen eine Gruppe Menschen mit einer mehrfachen Behinderung im ­Tagesatelier «Wärchläübä».

Dort werden die beiden auch an diesem Dienstagmorgen bereits sehnlichst erwartet. Zwei geistig behinderte Frauen gehen direkt auf Alayah zu, um sie zu streicheln, während ein autistischer junger Mann zu hüpfen beginnt, als die Hündin das Zimmer betritt. Nur Nicole rührt sich nicht. Die körperlich und geistig schwerstbehinderte Frau sitzt im Rollstuhl, ihre Arme vor der Brust verkrampft. «Ihr tut Alayah besonders gut», sagt Anklin. Was die 58-Jährige Hundehalterin meint, wird sich bald zeigen.

Entspannende Momente auf dem Sofa

Die Betreuerin hebt die Frau aus dem Rollstuhl und setzt sie auf ein Sofa neben ihre geistig behinderte Kollegin Irina. Anklin ruft Alayah zu sich. Die Hündin lässt sich nicht lange bitten, steigt sanft aufs Sofa und legt ihren Kopf behutsam auf das Frotteetuch auf Nicoles Schoss. Während Irina der Hündin über den Kopf streichelt, kann sich auch Nicole sichtbar entspannen. Ihre Hände entkrampfen sich, das Gesicht wird lockerer – bis sie mit einem ausgelassenen Gähnen bekräftigt, was Anklin angekündigt hat: Alayah tut ihr gut.

So geniessen Irina und Nicole ein paar entspannte Minuten mit der Hündin auf dem Sofa – ein Anblick, den auch Gruppenleiterin Verena Arnold immer wieder aufs Neue fasziniert, wie sie sagt. «Alayah ist stets die Ruhe selbst. Das überträgt sich automatisch auf die Gruppe.» Tatsächlich lässt sich die Hündin durch nichts beirren und bleibt selbst dann weiter entspannt liegen, als der ­autistische Junge plötzlich etwas lautstark zu Boden fallen lässt.

Dass Alayah so gelassen ist, kommt nicht von ungefähr: Sie hat 2013 zusammen mit ihrem Frauchen die achtmonatige Ausbildung zum Sozialhund an der Blindenführhundeschule Allschwil absolviert. An einem Eignungstest wurde die Hündin auf ihre Reaktionen auf unterschiedliche Reize und Manipulationen hin geprüft. Nach einem Grundausbildungswochenende und einem Theorietag folgten sechs Trainingstage in unterschiedlichen Institutionen im Raum Luzern, bis dann das Gelernte an einer praktischen Prüfung an der Blindenführhundeschule in Allschwil geprüft wurde.

«In der Ausbildung wird der Hund schrittweise an die Situationen gewöhnt, die ihm bei seinen späteren Besuchseinsätzen begegnen könnten», erklärt ­Anklin. Dazu gehören etwa das Gehen am Rollstuhl und auf glatten Böden, das Aushalten von lauten Geräuschen und ungewohnten Gerüchen sowie der Umgang mit ungeschickten oder unsanften Berührungen. Gleichzeitig werde auch der Halter gefordert, wie Anklin sagt: «Man lernt, auf die Signale seines Hundes zu achten und ihn zu schützen.»

Auf dem Spaziergang ist Teamwork gefragt

So lässt Anklin auch während der entspannten Situation auf dem Sofa ihre Hündin nie aus den ­Augen, stellt mit einer Hand am Halsband immer wieder Körperkontakt zu ihr her. Wie wichtig Teamwork bei einem Sozialhund-Einsatz ist, zeigt sich auch beim nächsten Programmpunkt, der seit Beginn ein fester Bestandteil von Alayas Einsätzen in der SBU ist: die gemeinsamen Spaziergänge mit den Gruppenmitgliedern.

Hierfür zieht Anklin ihrer Hündin zuerst eine Schabracke an, auf der in grossen Buchstaben «Sozialhund» zu lesen ist, daneben ein Herz mit einer Pfote. Sie selber führt Alayah an der Leine am Halsband, an der Schabracke befestigt sie eine sogenannte Alibi-Leine, die die behinderten Personen auf dem Spaziergang halten können. «So entsteht für sie der Eindruck, sie würden die Hündin spazieren führen», erklärt die Seedorferin. «Bei ruckartigen Bewegungen aber würde sich die Leine von der Schabracke lösen, damit weder der besuchten Person noch Alayah etwas passiert.»

Nach und nach dreht Anklin mit jedem Mitglied der Gruppe eine Runde um die SBU. Hier zeigt sich, wie unterschiedlich die Personen sind. Während Christina, welche am Downsyndrom leidet, freudig drauflosredet, geniessen Heidi und der autistische Nicola den Spaziergang schweigend. Alayah kümmert das wenig. Sie läuft brav an den zwei Leinen mit. «Das ist das Schöne an Hunden», sagt Anklin. «Sie haben keine Erwartungshaltung und nehmen jeden Menschen so, wie er ist.»

Darin liegt denn auch die besondere Wirkung begründet, die Alayah bei ihren Einsätzen auf Menschen hat: Neben der Freude und der Abwechslung kann die Hündin auch Kommunikation auslösen. Das stellt Anklin immer wieder bei ihren Besuchen auf der Stiftung Phönix Uri oder auf der Geriatrieabteilung des Kantonsspitals Uri fest: «Wenn die Patienten Alayah sehen, erzählen sie plötzlich von früher, von ihren eigenen Tieren oder Erlebnissen.» Das ist gerade bei Menschen mit Demenz eine grosse Leistung – und mitunter ein Grund, wieso die von Anklin ins Leben gerufene Gruppe «Sozialhund Uri» den Fokuspreis der Alzheimervereinigung Uri/Schwyz erhalten hat (siehe Kasten).

Irina (links) und Nicole geniessen ein paar entspannte Minuten mit Sozialhündin Alayah auf dem Sofa. (Bild: Urs Hanhart (Schattdorf, 19. September 2017))

Irina (links) und Nicole geniessen ein paar entspannte Minuten mit Sozialhündin Alayah auf dem Sofa. (Bild: Urs Hanhart (Schattdorf, 19. September 2017))

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