SP und Grüne Uri betonten: «Anteil der Frauen ist bei uns sehr hoch» 

Diverse CVP- und FDP-Landräte haben einen Brief unterzeichnet, der die Förderung der Frauen in der Urner Politik zum Ziel hat. SP und Grüne unterstützen das Anliegen. Die SVP hingegen übt Kritik und nimmt die Frauen in die Verantwortung.

Markus Zwyssig
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Der Landratssaal in Altdorf: Hier sollen in Zukunft wieder mehr Frauen Platz nehmen.

Der Landratssaal in Altdorf: Hier sollen in Zukunft wieder mehr Frauen Platz nehmen.

Bild: Corinne Glanzmann (Altdorf, 4. Februar 2020)

Die CVP-Landrätin Karin Gaiser (Erstfeld) ist nach dem zweiten Wahlgang mit einem Brief an alle Urner Landrätinnen und Landräte gelangt. Diese werden darin ersucht, bei ihren Parteien vorstellig zu werden um das Thema verstärkte Frauenbeteiligung in der Politik und Erhöhung des Frauenanteils in den politischen Gremien in der kommenden Legislatur in erster Priorität zu behandeln. Einige Landrätinnen und Landräte aus der CVP und FDP haben diesen Brief mitunterzeichnet.

SP und Grüne unterstützen grundsätzlich die Bemühungen um eine Verbesserung der Situation, wie es in einer Mitteilung heisst. «Wir teilen die Meinung der Initiantinnen, dass der 8. März ein schwarzer Tag für die Gleichberechtigung von Frau und Mann war und dass grosse Anstrengungen nötig sein werden, um die Situation deutlich zu verbessern», schreiben SP und Grüne. Es sei aber auch offensichtlich, dass die Parteien in dieser Frage sehr unterschiedlich aufgestellt seien.  SP und Grüne bemühten sich schon sehr lange und intensiv um ausgeglichene Vertretungen von Frauen und Männern in den politischen Gremien: «Diese konsequente und langfristig angelegte Arbeit hat dazu geführt, dass in der Landratsfraktion SP/Grüne, aber auch in unseren Vertretungen in Gemeinde- und Schulräten der Anteil an Frauen sehr hoch ist.»

SVP findet offenen Brief völlig daneben

(MZ) Parteiintern sei der offene Brief von Karin Gaiser breit diskutiert worden, sagt Fabio Affentranger, designierter Präsident der SVP Uri, auf Anfrage. Bei der CVP hätten in letzter Zeit gleich mehrere Kandidatinnen bereits bei der Ausmarchung innerhalb der Partei auf verlorenem Posten gestanden: Karin Gaiser bei der Nomination für den Regierungsrat und Patrizia Danioth bei den Nationalratswahlen. «Bei drei Sitzen in der Regierung müsste es doch möglich sein, eine Kandidatin zu finden», gibt sich Affentranger überzeugt.  «Da ist etwas schief gelaufen.» Der Partei sei es offensichtlich doch nicht so ernst mit der Frauenförderung.

Affentranger hat noch einen anderen Rat: «Die CVP müsste halt auch einmal über den eigenen Schatten springen und fähige Kandidatinnen anderer Parteien unterstützen.» Gerade auch die SVP habe damals bei den Regierungsratswahlen 2016 mit Petra Simmen oder nun bei den Landratswahlen in Seedorf oder Andermatt gute Kandidatinnen gehabt. «Wo blieb da die Unterstützung der anderen Parteien für unsere Frauen?» Da seien doch nicht die Kantonalparteien nun in der Pflicht. Den offenen Brief findet die Partei daher völlig daneben.

Die Frauen stünden selber auch in der Verantwortung. «Wir haben alle unsere Kandidatinnen auf gute Listenplätze gesetzt und ihnen somit eine gute Ausgangslage ermöglicht.» Die Suche sei aber nicht einfach gewesen. Angefragt worden seien viele Frauen, so Affentranger: «Aber zahlreiche der potenziellen Kandidatinnen haben abgesagt.»  

SP und Grüne wollen auch in ihren Reihen weiterhin aktiv am Thema Gleichberechtigung dranbleiben. Weil die Zusammenarbeit mit den Juso und anderen jungen Linken hoch gewichtet werde, seien junge Frauen ermutigt, sich auch für politische Aufgaben zur Verfügung zu stellen. Sie werden in diesen Funktionen oder Herausforderungen durch ihre Mutterparteien tatkräftig unterstützt.

Einsatz für eine verbesserte Präsenz der Frauen in der Politik

Bei SP und Grüne gehe es mittlerweile nicht mehr alleine um Frauenförderung, «sondern dank der guten Vertretung der Frauen viel mehr um die konkrete Gestaltung einer funktionierenden Kooperation von Frauen und Männern.» In internen Gremien werde zudem versucht, wenn immer möglich paritätische Verhältnisse zu erreichen. «Wir werden uns auch in Zukunft vehement für eine verbesserte Präsenz der Frauen in der Politik bemühen», heisst es in der Mitteilung.

«Selbstverständlich sind wir auch gerne bereit, parteiübergreifende Anlässe mit zu organisieren oder gemeinsam nach Lösungsansätzen zu suchen.»

SP und Grüne setzen sich dafür ein, dass sich die Situation der Frauen in der Verwaltung und der Privatwirtschaft verbessert. «Dazu braucht es dringend Rahmenbedingungen, welche es Frauen und Männern erlauben mehr Teilzeitarbeit zu leisten.» Zudem müssten die Angebote im Bereich der Kinderbetreuung so ausgebaut werden, dass es Frauen und Männern möglich sei, Beruf und Familie vernünftig unter einen Hut zu bringen.