SPIRINGEN: «Habe das Amt sicher nicht gesucht»

Bis vor kurzem hat sie sich «null und nichts» für Politik interessiert. Seit wenigen Tagen ist Esther Büeler Gemeindepräsidentin und hat Spass bekommen.

Drucken
Teilen
Esther Büeler auf der Terrasse ihres Hauses in Witerschwanden: «Die Vorsicht der Schächentaler darf man nicht mit konservativ gleichsetzen.» (Bild: Urs Hanhart)

Esther Büeler auf der Terrasse ihres Hauses in Witerschwanden: «Die Vorsicht der Schächentaler darf man nicht mit konservativ gleichsetzen.» (Bild: Urs Hanhart)

Bruno Arnold

Ein eigenes Haus mit Umschwung, ein 80-Prozent-Pensum als Leiterin Lingerie im Alters- und Pflegeheim Rosenberg in Altdorf und seit dem 1. Januar auch noch zusätzliche Verpflichtungen als Gemeindepräsidentin von Spiringen: Die 41-jährige Esther Büeler-Arnold braucht sich über mangelnde Arbeit in der Tat nicht zu beklagen. «Ich bin selber gespannt, wie ich alles unter einen Hut bringen werde», sagte sie kurz vor ihrem Amtsantritt. «Aber irgendwie wird das sicher gehen.» Wer Esther Büeler kennt, der zweifelt keinen Moment an dieser Aussage. Schliesslich ist sie sich von Haus aus gewohnt, mitzuhelfen und kräftig anzupacken. Aufgewachsen ist Esther Büeler nämlich zusammen mit sieben Geschwistern in einer Bauernfamilie in einem Bergheimet oberhalb von Unterschächen.

«Fast von 0 auf 100 gegangen»

«Ich werde versuchen, die zur Verfügung stehende Zeit möglichst intensiv zu nutzen und geschickt einzuteilen», betont die neue Gemeindepräsidentin. «Dass ich keine Kinder habe und arbeitsbedingt auch nie einem Verein beigetreten bin, kommt mir jetzt für einmal sogar zugute.» Esther Büeler sitzt erst seit Anfang 2014 im Gemeinderat. «Ich war vorher nie an einer Gemeindeversammlung und habe mich null und nichts für Politik interessiert», erklärt sie. In ihrer politischen Karriere ist es somit fast von 0 auf 100 gegangen. «Ich habe das Amt nicht gesucht», betont sie. «Irgendjemand muss es ja machen», habe sie sich gesagt, als sie angefragt worden sei. Und weil sie überzeugt sei, dass man grundsätzlich (fast) alles lernen könne, wenn man sich ernsthaft bemühe, habe sie nach kurzer Bedenkzeit auch zugesagt. «Ich bin die Sache positiv und mit viel Optimismus angegangen», erzählt sie. Die fehlenden «Vorkenntnisse» habe sie nie als Nachteil erachtet. «Im Gegenteil: Ich bin unbelastet und ohne Vorurteile an meine Aufgabe herangegangen», blickt sie nach einem Jahr im Gemeinderat zurück. «Ich habe Zusammenhänge erkennen und mir so selber eine Meinung bilden können.» Sie wolle auch keiner Partei beitreten: «Ich wüsste effektiv nicht, mit welcher Partei ich mich bedenkenlos identifizieren könnte.»

«Gar nicht daran gedacht»

«Ich habe Spass an der politischen Arbeit bekommen, die Stimmung im Ratsteam ist gut, und auch die Zusammenarbeit mit der Verwaltung klappt tipptopp», freut sich die neue Gemeindepräsidentin. «Deshalb habe ich nach nur einem Jahr im Gemeinderat auch Ja gesagt zur Übernahme des Präsidiums.» Die erste Frau in diesem Amt zu sein und damit Spirgner Dorfgeschichte zu schreiben, das sei sicher kein Grund für ihr Engagement gewesen. «Daran habe ich bei meiner Zusage gar nicht gedacht», betont sie.

Als Gemeindepräsidentin wolle sie mit ihrem Team in einem kollegialen Verhältnis versuchen, die Aufgaben zum Wohle der Einwohner möglichst gut zu erfüllen und Probleme schnell zu lösen. «Ich will den Spirgnern jederzeit natürlich und offen begegnen, ich möchte jederzeit offen kommunizieren, aber auch neutral und fair bleiben», umschreibt sie ihre Ziele im neuen Amt. «Selbstverständlich bin ich mir aber auch bewusst, dass ich es nie allen Leuten recht machen kann.»

Die Sanierung des Friedhofs und die Erstellung eines Gemeinschaftsgrabs, aber auch die Sanierung des Kreisschulhauses stehen für den Gemeinderat 2015 im Zentrum. «Die Finanzlage der Gemeinde erlaubt keine grossen Sprünge», weiss Büeler. «Wir müssen die Verschuldung in Grenzen halten, ohne die Investitionen ganz zu vernachlässigen. Das ist nicht einfach», weiss sie. «Wir müssen einfach immer gut abwägen.»

Als Wohngemeinde positionieren

Auf die Abwanderung angesprochen, meint sie: «Das sehe ich nicht unbedingt als grösstes Problem.» Der Bevölkerungsrückgang sei eher darauf zurückzuführen, dass die Familien generell kleiner würden. Büeler sieht sogar gute Chancen, Spiringen als Wohngemeinde zu positionieren und zusätzliche Steuerzahler ins Tal zu locken, vor allem aus der Region. «Als Wohngemeinde ist Spiringen durchaus attraktiv. Die Mieten oder auch das Bauland sind bei uns noch bezahlbar. Zudem ist man schnell in Altdorf oder auf der Autobahn.»

Nicht mit konservativ gleichsetzen

Dass diesen positiven Aspekten das Image einer konservativen Neinsager-Gemeinde gegenübersteht und Leute von einer Wohnsitznahme im Schächental abhalten könnte, will Büeler nicht ganz verhehlen. In Gesprächen mit Spirgnern spüre sie tatsächlich dann und wann eine gewisse Skepsis und einen Hang zu einer grundsätzlichen Anlehnung. «Der Schächentaler schiesst aber grundsätzlich nicht einfach drein, sondern er will zuerst einmal in aller Ruhe schauen, wie sich eine Sache entwickelt», glaubt sie. «Und diese Vorsicht sollte man nicht einfach mit konservativ gleichsetzen», betont die neue Gemeindepräsidentin.

Hinweis

Die «Neue Urner Zeitung» stellt im Monat Januar alle sechs neuen Urner Gemeindepräsidenten vor. Bereits erschienen sind die Porträts von Urs Kälin, Altdorf (3. Januar), Markus Frösch, Bürglen (7. Januar), und Ambros Arnold, Unterschächen (10. Januar).