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SPORT: Handballer Von Deschwanden: «Der Titel ist immer mein Ziel»

Der Liga-Topskorer lehrt bald die Torhüter der besten Handballliga der Welt das Fürchten. Lukas von Deschwanden (28) erklärt im Interview, warum er seine «zweite Heimat» Wacker Thun verlässt und in Stuttgart zum grossen Wurf ansetzen will.
Philipp Zurfluh
Lukas von Deschwanden beim WM-Qualifikationsspiel gegen Estland. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Winterthur, 7. Januar 2018))

Lukas von Deschwanden beim WM-Qualifikationsspiel gegen Estland. (Bild: Ennio Leanza/Keystone (Winterthur, 7. Januar 2018))

Interview: Philipp Zurfluh

philipp.zurfluh@urnerzeitung.ch

«Wir werden einen grossartigen Menschen und begnadeten Handballer verlieren», meint Martin Rubin, Coach von Wacker Thun. Der Verein bedauert den Abgang des 192 Zentimeter grossen und 93 Kilogramm schweren Handballers zutiefst. Er muss nach Lenin Rubin (HSG Wetzlar) und Roman Caspar (Rücktritt) mit Lukas von Deschwanden einen weiteren gewichtigen Abgang verkraften.

Der Leistungsausweis des Urners ist beeindruckend: Zweimal erhielt er die Auszeichnung als wertvollster Spieler der Liga, zweimal avancierte er zum Torschützenkönig. Auch in dieser Saison ist er mit 89 Treffern bisher bester Werfer. Mit Wacker Thun gewann er einmal den Meistertitel (2013) und dreimal den Schweizer Cup. Auch in der Nationalmannschaft nimmt der wurfgewaltige Rechtshänder eine zentrale Rolle ein. Er zieht die Fäden in der Offensive und ist in Abwesenheit des Bundesligastars Andy Schmid die zentrale Figur. Nun nimmt Lukas von Deschwanden gegenüber unserer Zeitung Stellung.

Am Mittwoch wurde offiziell mitgeteilt, dass Sie im Sommer in der besten Handballliga der Welt spielen werden. Was für Reaktionen haben Sie erhalten?

Durchwegs positive. Familie, Freunde, meine Mannschaftskollegen in Thun und in der Nationalmannschaft freuen sich sehr, dass ich den Schritt ins Ausland mache.

Sie hatten seit Jahren lukrative Angebote vorliegen aus Deutschland und Frankreich. Warum ist gerade nächste Saison der richtige Moment, in die erste Bundesliga zu wechseln?

Mein Bauchgefühl hat bisher nie gestimmt, und auf dieses kann ich mich sehr gut verlassen. Jetzt bin ich bereit für höhere Aufgaben und möchte mich der Herausforderung stellen. Zudem habe ich im Sommer mein Masterstudium (Sportwissenschaften) abgeschlossen, welches mir nach der Karriere Sicherheit gibt, in die Berufswelt einzusteigen.

Wie ist der Kontakt zum TBV Stuttgart zu Stande gekommen?

Da ich keinen Berater habe, schaute ich mich selber um. Nationalspieler Andi Schmid von den Rhein-Neckar Löwen hat mir geholfen, mit den Verantwortlichen von Stuttgart in Kontakt zu treten. Er konnte mir auch viel darüber berichten, wie die deutsche Bundesliga funktioniert und auf was ich Acht geben soll.

Sie waren bereits einmal vor Ort beim Klub im Südwesten Deutschlands. Welche Eindrücke haben Sie von da mitgenommen?

Ich war mit meiner Freundin dort und habe mit dem Trainer und Geschäftsführer des Vereins interessante Gespräche geführt. Der Klub ist im Vergleich zu den meisten anderen Vereinen in der Bundesliga eher klein und sehr familiär geprägt. Auf Anhieb habe ich ein sehr gutes Gefühl gehabt.

Mussten Sie lange überlegen, bis Sie Ihren Entscheid gefällt haben?

Ich habe mich noch mit der Familie und Freunden darüber unterhalten, die mich unterstützten. Auch meine Freundin, die mit nach Stuttgart kommt, steht voll hinter meiner Entscheidung.

Stuttgart steht in der Tabelle auf dem viertletzten Rang. Wäre Ihr Vertrag auch gültig, wenn Stuttgart absteigt?

Würde dies zutreffen, kann ich entscheiden, ob ich den Vertrag trotzdem annehmen möchte. Doch davon gehe ich nicht aus. Ich bin überzeugt, dass die Mannschaft genug Qualität hat, um den Klassenerhalt zu schaffen.

Mit Wacker Thun haben sie die abgelaufene Qualifikation auf dem ersten Rang beendet. Auch im EHF-Cup ist Thun als einzige Schweizer Mannschaft noch vertreten. Der Schweizer-Meister-Titel wäre der krönende Abschluss ihres Engagements bei den Thuner Oberländern.

Wer mich kennt weiss, dass Titel immer mein Ziel sind. Doch wir sind realistisch genug. Die Doppelbelastung kostet viel Sub­stanz. Wir sind davon abhängig, dass die Verletzungshexe nicht zuschlägt. Nur so können wir national um den Titel kämpfen. Die Chancen sind intakt.

Sie stehen knapp neun Jahre im Dienst der Berner Oberländer. Was werden Sie am meisten vermissen?

Thun ist für mich wie eine zweite Heimat geworden. Ich durfte viele Freunde gewinnen, das Umfeld des Vereins ist grossartig. Ich habe die Zusammenarbeit nie als Arbeitsverhältnis verstanden, sondern stets als kollegiales Miteinander.

An wen denken Sie besonders, wenn Sie jemanden hervorheben müssten, der ihren steilen sportlichen Aufstieg geprägt hat?

Wacker-Trainer Martin Rubin habe ich extrem viel zu verdanken. Er hat mich zu einem kompletten Spieler geformt.

In der Schweizer Nationalmannschaft führen Sie gekonnt Regie. Sie sind eine der Schlüsselfiguren in der WM-Qualifikation. Was erhoffen Sie sich vom morgigen WM-Qualifikationsspiel?

Wir wollen gegen Bosnien-Herzegowina den Einzug in die WM-Playoffs realisieren. Wir glauben immer noch fest daran. Jeder junge Sportler träumt mal davon, für sein eigenes Land zu spielen. Dass ich jetzt gar eine so wichtige Rolle einnehme, bedeutet mir viel. Ich übernehme gerne Verantwortung.

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