Sprengung des labilen Felsens wahrscheinlich

Das labile Felsstück im Bergsturzgebiet von Gurtnellen wird wohl weggesprengt. Erst dann kann der verschüttete Bauarbeiter geborgen und die Bahnlinie wiederhergestellt werden. Vor allem beim Güterverkehr herrscht wegen der unterbrochenen Strecke ein Engpass.

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Blick aus dem Helikopter auf das Gebiet des Felssturzes bei Gurtnellen. (Bild: Keystone)

Blick aus dem Helikopter auf das Gebiet des Felssturzes bei Gurtnellen. (Bild: Keystone)

Ein 500 Kubikmeter grosser Felsen droht abzustürzen und dürfte nach aktueller Einschätzung Mitte nächster Woche gesprengt werden, wie SBB-Sprecher Christian Ginsig auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte. Der Brocken gefährde die Bergung des verschütteten Arbeiters und die Aufräumarbeiten und müsse deshalb runter.

Beim Verschütteten handelt es sich um einen 29 Jahre alten Urner. Er arbeitete für eine der beiden Baufirmen, die Hangsicherungsmassnahmen nach einem früheren Felssturz ausführten.

Ein Personenzug fährt am 3. Juli wieder über die Gotthard-Strecke. (Bild: Keystone)
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Einer der ersten Züge unterwegs Richtung Süden. (Bild: Keystone)
Zweimal 170 Meter Schienen wurden samt dem Schotterbett komplett ausgetauscht. Zudem mussten vier neue Mastfundamente betoniert und die Fahrleitungen erneuert werden. (Bild: Keystone)
Bis der Güterverkehr wieder normal unterwegs sein wird, dürfte es jedoch noch einige Tage dauern. (Bild: Keystone)
Die Bahnstrecke ist frei. (Bild: Keystone)
Die letzten Arbeiten am 170 Meter langen beschädigten Trassee konnten am Montagmorgen abgeschlossen werden. (Bild: Keystone)
Die Schienen sind repariert. (Bild: Keystone)
Im Bahnhof Erstfeld stehen die Züge bereit zur Fahrt in Richtung Süden. (Bild: Keystone)
Bis die letzten Arbeiten abgeschlossen sind - dazu gehört auch der Einbau von Sensoren -, dürfte es Ende August werden. (Bild: Keystone)
Neben Netzen und Matten wurde der Hang auch mit Sensoren ausgerüstet, welche Bewegungen und Steinschläge melden. (Bild: Keystone)
Der gesamte Streckenunterbruch dürfte mit 10 bis 20 Millionen Franken zu Buche schlagen. Welche Kosten durch Versicherungen gedeckt werden könnten und ob Schadenersatz bezahlt werden muss, ist nach Angaben der SBB noch offen. (Bild: Keystone)
Am 30. Juni laufen die letzten Arbeiten vor der Öffnung der SBB-Gotthardlinie. (Bild: Maria Schmid / Neue LZ)
Am 30. Juni laufen die letzten Arbeiten vor der Öffnung der SBB-Gotthardlinie. (Bild: Maria Schmid / Neue LZ)
Die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren. (Bild: SBB)
Bild: SBB
Bild: SBB
Bild: SBB
Bild: SBB
Am 21. Juni montieren Felstechniker über dem gesprengten Felsen Steinschlagnetze. (Bild: Keystone)
2000 Kubikmeter donnern ins Tal. (Bild: Nadia Schärli/Neue LZ)
Gewaltige Gesteinsmasen donnerten zu Tal. (Bild: Nadia Schärli/Neue LZ)
Die Sprengung ist erfolgt. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Der Chef der Firma Gasser, Thomas Gasser, betrachtet die gesprengten Felsmassen. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Der Fels donnert ins Tal. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Aufräumen am Fels. (Bild: Nadia Schärli/Neue LZ)
Nur wenig Geröll donnerte bis auf die mit Schutzmatten abgedeckten die SBB-Geleise. (Bild: René Meier / Luzernerzeitung.ch)
Vor der Sprengung am 16. Juni (links) und nach der Sprengung am 18. Juni. (Bild: René Meier / Luzernerzeitung.ch)
Nach der Sprengung wird der Fels überprüft. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Thomas Gasser überwacht die Sprengung aus der Ferne. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
2000 Kubikmeter Feld werden weggesprengt. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Letzte Vorbereitungen vor der Sprengung. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Kurz nach der Sprengung begutachten Geologen den Hang. (Bild: René Meier / Luzernerzeitung.ch)
Das Medieninteresse ist gross. (Bild: Nadia Schärli/Neue LZ)
60 Personen verfolgen die Sprengung vor Ort. (Bild: Nadia Schärli/Neue LZ)
Das Medieninteresse ist gross. (Bild: Nadia Schärli/Neue LZ)
Medienschaffende positionieren ihre Kameras. (Bild: Nadia Schärli/Neue LZ)
Das Schweizer Fernsehen (hier Oliver Bono) überträgt live. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
Abdeckmatten werden mit einem Helikopter auf die Bahngeleise gelegt. (Bild: René Meier / Luzernerzeitung.ch)
Ein Arbeiter hängt die Abdeckmatten ans Seil des Helikopters. (Bild: René Meier / Luzernerzeitung.ch)
Am 16. Juni bringt der Helikopter im Minutentakt die Abdeckmatten. (Bild: René Meier / Luzernerzeitung.ch)
Warnung beim Felssturzgebiet. (Bild: René Meier / Luzernerzeitung.ch)
Der Helikopter bringt die Abdeckmatten. (Bild: René Meier / Luzernerzeitung.ch)
Arbeiter bohren eines von 25 Löcher in den Fels, der weggesprengt werden soll. Die Löcher sind rund 10cm dick. (Bild: René Meier / Luzernerzeitung.ch)
Der Fels oben rechts wird am 18. Juni weggesprengt. (Bild: René Meier / Luzernerzeitung.ch)
Am Schluss liegen rund 2000 Pneus auf den SBB-Geleisen. (Bild: René Meier / Luzernerzeitung.ch)
Ein Arbeiter trifft Vorbereitungen für die Sprengung. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Diese Felspartie muss weggesprengt werden. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
In Flüelen müssen Passagiere in Richtung Süden auf die Extrabusse umsteigen. (Bild: Sven Aregger / Neue UZ)
In Flüelen müssen Passagiere in Richtung Süden auf die Extrabusse umsteigen. (Bild: Sven Aregger / Neue UZ)
Ein ferngesteuerter Bagger im Einsatz. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Ein ferngesteuerter Bagger im Einsatz. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)
Bild: Keystone
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Bild: Keystone
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Bild: Jakob Ineichen / Neue LZ
Bild: Jakob Ineichen / Neue LZ
Bild: Jakob Ineichen / Neue LZ
Bild: Jakob Ineichen / Neue LZ
Bild: Jakob Ineichen / Neue LZ
Bild: Jakob Ineichen / Neue LZ
Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
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Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
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Laut Angaben der SBB ist die Gotthard-Bahnlinie mindestens drei Tage unterbrochen, weil mehrere Tausend Kubikmeter Geröll die Gleise, mehrere Fahrleitungsmasten sowie eine Stützmauer beschädigten (Bild: Leser Peter Lienert)
Zwei Bauarbeiter wurden verletzt, einer wird noch vermisst. (Bild: Leser Peter Lienert)
Die Feuerwehr Meien bei Ihrem Einsatz. (Bild: Leser Peter Lienert)
Felsturz bei Gurtnellen (Bild: Leser André Niederberger)
Mehrere Tausend Kubimeter Geröll stürzten auf die Bahnlinie. (Bild: Leser Peter Lienert)
Das Gleis der Gotthardstrecke wurde verschüttet. Die Linie bleibt mehrere Tage gesperrt. (Bild: SBB)
Auch die Rega stand im Einsatz. (Bild: Leser Peter Lienert)
Felsmassen stürtzen am Dienstagmorgen um 9 Uhr auf das Bahntrassee bei Gurtnellen (Bild: Kapo Uri)
Bild: Keystone
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Auf der Nord-Süd-Achse fahren bis auf weiteres nur Busse. (Bild: Ronny Nicolussi / NZZ)
12. März 2012: Ein Teil des Felssturzes landet auf den Gleisen. (Bild: SBB)
Der Felssturz weckt Erinnerungen an die tödliche Verschüttung der Autobahn 2006. (Bild: Christian Beutler / NZZ)
Bild: Urs Hanhart / Neue UZ
Bild: Urs Hanhart / Neue UZ

Ein Personenzug fährt am 3. Juli wieder über die Gotthard-Strecke. (Bild: Keystone)

Ob nach einer Sprengung noch weitere Sicherungsmassnahmen nötig sein werden, ist gemäss Ginsig offen. Experten werten zur Zeit Messdaten aus und erstellen ein geologisches Modell der Felspartie. Der Bergsturz oberhalb der Gotthardbahnlinie ereignete sich am Dienstag. Die Bahnstrecke dürfte mehrere Wochen unterbrochen sein.

Eine Option bleibt laut SBB der Einsatz eines ferngesteuerten Baggers zur Bergung des Vermissten. Dieses Gerät hätte den Vorteil, dass es unbemannt und trotz akuter Felssturzgefahr eingesetzt werden könnte. Der SBB-Sprecher dämpfte aber die Erwartungen: Das Absturzgebiet sei im engen Reusstal nicht leicht zugänglich. Ob der Bagger graben könne, ohne dass Gestein nachrutsche, sei auch offen.

Güterverkehr muss ausweichen

Bevor der Abschnitt gesichert ist, ist auch nicht an eine Wiederöffnung der Gotthardbahnlinie zu denken. Während Reisende über die Simplon-Linie - mit zeitlichem Mehraufwand - ins Tessin gelangen können, reicht die Kapazität bei den Güterzügen hinten und vorne nicht.

Rund ein Dutzend Güterzüge pro Tag werden über die Lötschberg- Simplon-Route umgeleitet. Für rund 90 Güterzüge pro Tag gibt es aber in der Schweiz keine Lösung für die Alpenquerung auf der Schiene. Erschwerend kommt hinzu, dass auch die österreichische Brennerstrecke wegen Sanierungsarbeiten nur beschränkt offen ist.

Nebst der französisch-italienischen Mont-Cenis-Route prüfen die Unternehmen laut Ginsig vermehrt auch die östlichere Tauernroute, obwohl diese ein Umweg bedeutet. Die SBB macht den Kunden auch weniger populäre Fahrplanfenster beliebt: Güterzüge an einem Sonntag oder in der Nacht werden deshalb in nächster Zeit zunehmen.

Nicht zu umgehen sein wird, dass ein Teil des Güterverkehrs auf die Strasse verlagert wird. Beim Güterverkehrsunternehmen Hupac, das Container und Lastanhänger auf Zügen transportiert, geht aber die Angst um, dass sich die Rückverlagerung als permanent erweisen könnte.

Strasse hat Kapazität

Noch ist kein Anstieg der LkW-Fahrten am Gotthard festzustellen, wie es beim Bundesamt für Strassen (ASTRA) auf Anfrage heisst. In den katholischen Gebieten war der Donnerstag jedoch ein Feiertag. Erst in der nächsten Woche liessen sich Auswirkungen messen, sagte ASTRA-Sprecher Thomas Rohrbach.

Jedenfalls gibt es beim Schwerverkehr am Gotthard noch genügend zusätzliche Kapazität. Pro Richtung seien rund 2500 Lastwagenfahrten möglich, sagte Rohrbach. Momentan stehe man bei rund der Hälfte. Klar sei aber, dass 20 Prozent mehr Camionfahrten auf den Strassen spürbar und nicht angenehm wären.

Sollte sich die Wiedereröffnung bis zu den Sommerferien hinziehen, könnte es wegen des Ferienverkehrs zu einer merkbaren Mehrbelastung kommen. Auf Situationen wie die temporäre Schliessung der Gotthardbahnlinie seien die ASTRA-Spezialisten aber vorbereitet.

Zusätzlichen Verkehr auf den Tessiner Strassen fürchtet die Tessiner Regierung. Sie hat deshalb eine departementsübergreifende Arbeitsgruppe eingesetzt, welche die Situation überwachen und allfällige Massnahmen ergreifen und koordinieren soll, wie es in einem Communiqué heisst.

sda