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STAATSARCHIV: Ahnenforschung: Das Urner Stammbuch ist neu auch online einzusehen

Das Stammbuch des Kantons Uri umfasst alle Urner Geschlechter von 1600 bis 1930. Nun können alle Geschlechter auf der Webseite des Staatsarchivs abgerufen werden. Dort findet sich auch eine kurze Anleitung.
Rolf Gisler-Jauch
Stammbaum der Familie Jauch mit dem Stammvater Johann Jauch, der um 1470 in Wassen geboren wurde. Der Stammbaum – gefertigt von Heraldiker Albert Huber – weist insgesamt 16 Generationen auf. Johann Jauch ist 1515 in der Schlacht von Marignano gefallen. (Bilder: Rolf Gisler)

Stammbaum der Familie Jauch mit dem Stammvater Johann Jauch, der um 1470 in Wassen geboren wurde. Der Stammbaum – gefertigt von Heraldiker Albert Huber – weist insgesamt 16 Generationen auf. Johann Jauch ist 1515 in der Schlacht von Marignano gefallen. (Bilder: Rolf Gisler)

Rolf Gisler-Jauch

redaktion@urnerzeitung.ch

Das Urner Stammbuch besteht aus Folianten, die in Leder gebunden im Kulturgüterschutzraum des Staatsarchivs Uri ­stehen. Das Stammbuch ist öffentlich zugänglich und bei Familienforschern die erste und beliebteste Quelle.

Aus Substanzerhaltungsgründen wurden die 34 Bände auf Mikrofilme kopiert, die bisher mittels eines Lesegeräts im Lesesaal des Staatsarchivs angeschaut werden konnten. Dies kann zwar weiterhin getan werden, der Gang ins Staatsarchiv kann jedoch auch wegfallen, denn die rund 13600 Seiten des Urner Stammbuchs sind nun – unabhängig von den Öffnungszeiten – im Internet auf der Website des Staatsarchivs Uri abrufbar.

Die Wurzeln des Urner Stammbuches liegen im Armenrecht. Die Gemeindebürgerregister waren im 19. Jahrhundert nicht mit der nötigen Sorgfalt geführt und deshalb unzuverlässig. Das Urner Landrecht kannte zudem die Verwandtenunterstützungspflicht bis zum fünften Grade väter- und mütterlicherseits. Diese Pflicht rief nach Familienregistern, aus welchen die Blutsverwandten sicher und mit amtlicher Beweiskraft hervorgingen. Im Landrat vom 28. Dezember 1831 wurde zwar der Antrag auf Einführung eines kantonalen Stammbuchs gestellt, doch es sollte noch viel Wasser die Reuss hinunterfliessen, bis das Urner Parlament am 1. April 1844 dieses grosse Vorhaben tatsächlich auch beschloss.

Das Stammbuch wird abgeschlossen

Mit der Arbeit wurde der Geistliche Alois Müller aus Altdorf betraut. Nach seinem Tod im Jahre 1853 setzten Pfarrhelfer Ambros Baumann, Josef Epp und schliesslich der Erstfelder Lehrer Dominik Wipfli die Arbeit fort. Bei seinem Tod konnte Letzterer ein in Leder gebundenes Werk in 34 Bänden hinterlassen. Aufgenommen wurden 280 in Uri niedergelassene Geschlechter. Ungefähr 100 Familien, die um 1840 bereits erloschen waren, fanden keine Aufnahme mehr.

Die Forschungsarbeiten erstreckten sich der Quellenlage (Pfarrbücher, Gemeinderegister) entsprechend von 1600 bis 1845 rückwirkend und ab 1846 fortlaufend. Nach der Neuordnung des eidgenössischen Zivilstandswesens im Jahre 1928 mit der Einführung der Familienregister und schliesslich nach der Demission von Stammbuchführer Friedrich Gisler beschloss der Regierungsrat, das Stammbuch nicht mehr weiterzuführen, sondern durch Heraldiker Albert Huber auf das Jahr 1929 abzuschliessen. Das Stammbuch wurde dem Staatsarchiv in Obhut gegeben. Seither dient es Geschichtswissenschaftern, Heraldikern und Hobbyforschern als wichtige Quelle.

Für eine Publizierung des Stammbuchs im Internet mussten die 34 Folianten digitalisiert werden. Da die bisher benutzten Schwarz-Weiss-Mikrofilme nicht alle eine gute Aufnahmequalität haben, wurden die Seiten des Urner Stammbuchs vom Fachlabor Gubler in Felben-Wellhausen (TG) direkt vom Original in einer hohen Auflösung gescannt. Die Dateigrösse beträgt im TIFF-Format für einen 400-seitigen Band 15 Gigabyte, für das ganze Werk somit rund 510 Gigabyte. Die hochauflösenden Dateien sind für die Substanzerhaltung notwendig, zum Gebrauch im Internet jedoch untauglich.

Zur Benützung im Internet wurden die TIFF-Dateien ins PDF-Format transformiert. Ein Band wies jedoch immer noch eine Dateigrösse von 200 Megabyte auf. Zudem sind die grösseren Geschlechter in der Regel über zwei Bände verteilt. Die grossen Datenmengen mussten somit einerseits komprimiert und gesplittet werden, anderseits mussten die einzelnen Teile eines Familiennamens zusammengeführt werden. Das tönt nicht nur kompliziert, sondern so war es auch!

Die 35600 Folianten des Stammbuches sind nun auf 513 Dateien verteilt und können im Internet auf der Website des Staatsarchivs mit Anleitung eingesehen werden.

Bis zu 15 Generationen lassen sich zurückverfolgen

Das Stammbuch erweist sich als idealer Einstieg für Familienforscher. Voraussetzung sind Kenntnisse der deutschen Kurrentschrift, ein in Uri festgehaltenes zivilrechtlich relevantes Datum (Geburt, Eheschliessung) der vor 1929 hier niedergelassenen Ahnen sowie eine genügende Portion Geduld und Forschungseifer. Im ersten Schritt muss sich der Ahnenforscher einmal im Klaren sein, was er erforschen will und was für einen Umfang die Arbeit annehmen wird.

In der Genealogie wird zwischen verschiedenen Tafeln unterschieden. Die Ahnentafeln umfassen alle nachweisbaren Vorfahren einer bestimmten Person. Geht man von den heute lebenden Generationen aus, dann lassen sich im Stammbuch je nach Heiratsalter bis an den Anfang des 17. Jahrhunderts um die 15 Generationen zurückverfolgen. Die Mathematik soll den Forscher nun nicht abschrecken, sondern vielmehr das weite Feld der Forschung aufzeigen, in welches man sich begibt: Eltern hat man zwei, Grosseltern vier, Urgrosseltern acht und so weiter. Das ergibt in der 15. Generation – rein rechnerisch – sage und schreibe 32768 Urahnen, was etwas weniger als der heutigen Urner Bevölkerung entspricht.

Stammen alle Urner von Wilhelm Tell ab?

Das Spielchen kann man noch weitertreiben. Unser Freiheitsheld Wilhelm Tell ist im Urner Stammbuch zwar nicht aufgeführt, doch wäre er um 1300 wohl einer von rund 268 Millionen Vorfahren einer heute lebenden Person mit Urner Wurzeln. Auf der Ebene des Grossvaters von Wilhelm Tell – dessen Namen wir nicht kennen – kämen wir in chinesische Verhältnisse, denn mit einer Milliarde Urahnen wäre die heutige Bevölkerung von Europa mit 743 Millionen weit überschritten. «Das ist doch unmöglich», werden Sie vielleicht nun mit Kopfschütteln sagen. Da haben Sie Recht!

Die Heiratskreise waren durch die Sesshaftigkeit der Bevölkerung in der Regel meistens so eng, dass immer wieder in Blutsverwandtschaftslinien hineingeheiratet wurde. Mit, aber auch ohne Wissen hatten die Kinder kriegenden Heiratslustigen in einer unteren Generation die gleichen Urahnen. Je früher ein solcher Fall eintritt, desto grösser wird der Quotient, um den sich die Zahl der Urahnen dezimiert. Führte eine Linie ausserhalb des Landes Uri, dann liess das Urner Stammbuch diese abbrechen. Für die Familienforschung sind in diesem Falle Quellen in anderen Archiven zu Hilfe zu nehmen.

Wer die Arbeit überhaupt nicht scheut, kann sich an die Verwandtschaftstafeln heranwagen. Sie entstehen aus der Vereinigung von Vorfahren- und Nachfahrentafeln und enthalten alle Blutsverwandten einer Person. Ist das Forschungsziel festgelegt, vertieft man sich ins e-Stammbuch. Wenn Sie auf Wilhelm Tell als Urahn gestossen sind, lassen Sie es mich bitte wissen!

Hinweis

Das e-Stammbuch gibt es unter www.staur.ch

Ausschnitt aus dem Stammbuch der Familie Josef Gisler und der Katharina Arnold sowie Katharina Gisler mit der Familiennummer 63. (Bild: Rolf Gisler)

Ausschnitt aus dem Stammbuch der Familie Josef Gisler und der Katharina Arnold sowie Katharina Gisler mit der Familiennummer 63. (Bild: Rolf Gisler)

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