STAATSARCHIV: Das lachende und das weinende Auge des Dr. Aebersold

Fast 40 Jahre lang hat Rolf Aebersold die Urner Geschichte archiviert. Jetzt geht er in Pension – mit gemischten Gefühlen.

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Rolf Aebersold im unterirdischen Magazin des Urner Staatsarchivs.

Rolf Aebersold im unterirdischen Magazin des Urner Staatsarchivs.

ars. Für den Fototermin wählt Dr. Rolf Aebersold den Kulturgüterschutzraum. In diesem unterirdischen Gewölbe werden die besonders wertvollen Bestände des Staatsarchivs Uri aufbewahrt. Und kaum einer kennt sich hier so gut aus wie Aebersold. 38 Jahre lang war er im Staatsarchiv tätig, die vergangenen 25 Jahre als Amtsvorsteher. Diese Ära ist nun vorbei. Ende Juni tritt Aebersold, der am Mittwoch seinen 65. Geburtstag, feierte, in den Ruhestand. Er geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. «Einerseits freue ich mich auf das, was kommt», sagt er. «Anderseits verabschiede ich mich von einer Arbeit, die ich sehr gern und mit Befriedigung gemacht habe.» Aebersold war ein Staatsarchivar mit Leib und Seele, das kulturelle Erbe ist seine Passion. In all den Jahren hat er Historisches aus Uri gesammelt, bewertet, dokumentiert und für die Nachwelt gesichert. Eine staubtrockene Arbeit mit Aktenbergen im stillen Kämmerlein? Aebersold sieht es mehr als «nachhaltige Tätigkeit», wobei er sich stets in den Dienst der Urner Bevölkerung gestellt habe. Dem Staatsarchiv hat er sogar seine private Plakatsammlung und seine umfangreichen Urner Künstlerdokumentationen geschenkt. Er war auch für den Ankauf und den Unterhalt der Kunstsammlung des Kantons zuständig. Besonders gefreut hat er sich, als die Regierung 2007 das Archiv von Foto Video Aschwanden erworben hat. «Ich sehe das als Bekenntnis der höchsten Urner Behörde, wichtiges kulturelles Erbe zu erhalten und dafür auch Mittel einzusetzen.» Der Kauf des Fotoarchivs gehört zu den Bemühungen des Kantons, analoge Fotografie zu archivieren. Gut in Erinnerung bleibt Aebersold auch der runde Tisch, den er Anfang der Neunzigerjahre lancierte und der kürzlich zum 29. Mal stattfand. «So konnte seriöse wissenschaftliche Forschungsarbeit vorgestellt werden», sagt Aebersold. Für ihn selber war Forschung zuletzt kaum möglich. Heute sei der Staatsarchivar mehr Materialaufbereiter als Forscher. Kommt hinzu: Die Kunden wollen immer weniger Zeit aufwenden und sehen manchmal nicht ein, warum sie für Sonderleistungen zahlen müssen. «Dabei betreiben wir einen hohen personellen, materiellen und infrastrukturellen Aufwand», so Aebersold.

«Einen Schnitt machen»

In Zukunft werde es noch vermehrt darum gehen, Informationen zu bewerten und zu erhalten. Doch darum macht sich Aebersold keine Sorgen. Er weiss sein Vermächtnis in guten Händen. Sein Nachfolger als Staatsarchivar wird der Historiker Dr. Hans Jörg Kuhn (siehe Box), der bislang als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Amt für Staatsarchiv tätig war. Rolf Aebersold kann sich also getrost zurücklehnen. «Ich will jetzt bewusst einen Schnitt machen», sagt er. Ganz loslassen wird ihn das Staatsarchiv aber nicht. Er will künftig wieder vermehrt Zeitungsartikel schreiben, die sich mit der Urner Geschichte befassen. Zumindest einen kleinen Teil dieser Geschichte hat er als Staats­archivar massgeblich mitgeprägt.