Staatsarchiv Uri lässt Besucher staunen

Rund 50 Personen nutzten am Samstag die Gelegenheit, sich im Staatsarchiv ein Bild zu machen von der Vielfalt der Bestände aus staatlicher und privater Herkunft.

Paul Gwerder
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Die Besucher staunten über die sehr gut erhaltenen historischen Dokumente. (Bild: gw (Altdorf, 17. 11. 2018))

Die Besucher staunten über die sehr gut erhaltenen historischen Dokumente. (Bild: gw (Altdorf, 17. 11. 2018))

«Die Aufgabe des Staatsarchivs ist in erster Linie, die staatlichen Dokumente, wie auch die grosse Zahl von privaten Unterlagen und Sammlungen, zu sichern», er-klärte Staatsarchivar Hans Jörg Kuhn am Samstagmorgen. Dazu gehören auch die Pflege des gesamten Archivgutes, wissenschaftliche und publizistische Tätigkeiten sowie die Beratung der kantonalen Verwaltung und Dritter in Archivfragen.

Rund 50 Personen liessen sich bei der öffentlichen Führung die Gelegenheit nicht entgehen, einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können. Die Besucher konnten dabei feststellen, dass das Urner Staatsarchiv an der Altdorfer Bahnhofstrasse sehr viel zu bieten hat. Neben staatlichen Unterlagen gibt es unter anderem eine Sammlung der Urner Zeitungen und Zeitschriften, Wappenbücher, Stammbäume, Karten und Pläne und – als grosse Rarität – viele alte Filme über Uri.

Urner Stammbuch im Internet einsehbar

Seit bald einem Jahr ist das Urner Stammbuch mit 469 Familiennummern und rund 280 Geschlechtern bis ins Jahr 1600 im Internet unter www.staur.ch einsehbar, wie Rolf Gisler Jauch, Stellvertreter des Staatsarchivars, erklärte. Mit ein wenig Geduld finden interessierte Personen die gewünschte Familie unter den rund 20300. So gibt es zum Beispiel etwa 1400 Familien mit dem Namen Gisler, das sind 7 Prozent aller Familien. «Die Dokumente sind in deutscher Kurrentschrift geschrieben worden», erklärte Gisler. «Um diese überhaupt lesen zu können, braucht es anfänglich eine gewisse Übung.» Das Stammbuch ist eine hervorragende Quelle für Familienforscher, die heute nicht mehr extra ins Archiv kommen müssen. Stattdessen kann zuhause am Bildschirm jeder Männerstamm nachverfolgt werden. Bei den Frauen wird es schon schwieriger, denn diese verschwinden, sobald sie geheiratet haben und einen anderen Namen tragen.

Ebenfalls kann man heute online die 319 Wappen von 216 Urner Geschlechter finden. Einen wesentlichen Grundstein zur Erforschung des Urner Wappenwesens haben der damalige Kanzleidirektor Friedrich Gisler und der Zeichenlehrer Emil Huber mit ihrem Urner Wappenbuch geleistet.

Grosses Filmarchiv braucht Pflege

Im Archiv gibt es ebenfalls eine umfangreiche Foto- und eine riesige «Leidbildli-Sammlung». Die grosse Filmsammlung des Staatsarchivs birgt einmalige Zeugnisse aus Uris Vergangenheit. Der älteste Film stammt von der Urner Landsgemeinde im Jahr 1921. «Die Originale der wertvollen Filme aus dieser Zeit benötigen eine optimale Pflege, um sie vor Schaden zu bewahren, und heute gibt es von den Originalfilmen Gebrauchskopien, welche teilweise beim Staatsarchiv gegen eine Benützungsgebühr ausgeliehen werden können», erklärte Gisler.

Danach bekamen die Besucher auch einige alte Filmausschnitte von der Bahnhofstrasse zu sehen, und zwar vom ehemaligen Coop-Gebäude, in dem sich heute das Staatsarchiv befindet, bis hinaus zum Bahnhof. Besonders eindrücklich waren die Filme über die polnischen Internierten, welche in der Landwirtschaft eingesetzt wurden. Interessant war auch die Einweihung der Gotthard-Lokomotive mit dem Namen «Uri» im Jahr 1953, wo fast das halbe Dorf zum Bahnhof unterwegs war. «So viele Leute kämen heute wahrscheinlich nur noch auf die Strasse, wenn der Kanton Uri im Dezember eine Bundesrätin zu feiern hätte», scherzte Gisler.

Ältestes Schriftstück stammt aus dem Jahr 1196

Auf dem rund einstündigen Rundgang bot Staatsarchivar Kuhn einen spannenden Blick hinter die Kulissen. Im benachbarten «Swisscom-Gebäude» sind wichtige Dokumente und Urkunden, aber auch das ganze Film- und Fotomaterial gelagert. Damit die alten Schriftstücke überleben können, darf die Luftfeuchtigkeit nicht über 50 Prozent steigen und die Temperatur das ganze Jahr konstant zwischen 16 und 18 Grad liegen.

Besonders spannend für die Besucher war, dass sie die älteste Urkunde aus dem Jahr 1196, welche den Grenzlauf zwischen Uri und Glarus regelte, sehen durften. Und ebenso staunten die Gäste, dass auf einem geschichtsträchtigen Dokument stand, dass der Landammann und die Landleute von Uri sich im Jahr 1359 zum Preis von 8448 Gulden von den damaligen Besitzern, den zahlreichen Klöstern, loskaufen konnten. Weiter interessierten sich die Besucher für den ältesten erhaltenen Urner Siegel und für den schönen Urner Siegel aus dem Jahr 1489. In diesem Gebäude lagerten auch viele Sachen von Vereinen oder privaten Leuten, welche ihre Kostbarkeiten, wie etwa Vereinsfahnen und unzählige Gemälde, dem Staatsarchiv überlassen haben.

Besucher sind herzlich willkommen

«Ich komme immer wieder gerne ins Archiv, denn hier finde ich alte Dorfgeschichten, welche ich besonders gerne lese. Ausserdem interessieren mich auch immer wieder die verschiedenen Zufahrten zum Kanton Uri, welche ich hier auf Plänen entdecke», sagte der Flüeler Peter Ziegler. Er lobte bei dieser Gelegenheit die gute Zusammenarbeit und die freundliche Unterstützung durch die Mitarbeitenden des Archivs. «Heute kommen noch öfters Studenten oder Historiker ins Archiv, welche für ihre Arbeiten gewisse Unterlagen benötigen», sagte Kuhn. Und der Staatsarchivar ergänzte, dass gerne noch ein paar Leute mehr kommen dürften, zumal das Angebot gratis sei.