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Regisseurin Annette Windlin verrät: Starke Frauen prägen die Tellspiele 2020

Regisseurin Annette Windlin erklärte an der GV der Tellspiel- und Theatergesellschaft Altdorf, wie sie frische Wind in Schillers Drama bringen will und warum der schmale Grad zwischen Gerechtigkeit und Rache in der Neuinszenierung eine wichtige Rolle spielt.
Remo Infanger
Annette Windlin gab an der GV erste Details der Tellspiele 2020 bekannt. (Bild: Remo Infanger, Altdorf, 30. März 2019)

Annette Windlin gab an der GV erste Details der Tellspiele 2020 bekannt. (Bild: Remo Infanger, Altdorf, 30. März 2019)

Die Tellspiele 2020 rücken näher. Drei Jahre ist es her seit der vergangenen Aufführung von Friedrich Schillers Klassiker, in einem Jahr wird der Tell auf die Bühne des Theaters Uri neu aufgeführt.

Deshalb war am Samstagabend, 30. März, im Restaurant Höfli in Altdorf ein Gemisch aus Vorfreude, Spannung und bereits einer Prise Nervosität zu spüren. Die Tellspiel- und Theatergesellschaft Altdorf traf sich zur 117. Generalversammlung. Präsidentin Barbara Bär begrüsste die Theaterfamilie und liess auf das vergangene Vereinsjahr zurückblicken.

Viele neue Gesichter im Theaterensemble

«Die Vorbereitungsarbeiten für die kommenden Tellspiele laufen seit längerer Zeit auf allen Ebenen», sagte Bär. «Denn nach dem Spiel heisst vor dem Spiel.» Im vergangenen Dezember trafen sich die Darsteller zum Probetag, um einen ersten Eindruck des Regiekonzepts zu erhalten. «Mehr als 90 Theaterbegeisterte sind zusammengekommen, darunter auch viele neue Gesichter», sagte Bär. «Dass uns bereits so früh ein solch grosses Interesse entgegengekommen ist, hat uns sehr gefreut.» Grund dafür war das künstlerische Team, das hinter der Neuinszenierung des Freiheitsspiels steckt und erste Einblicke in das Konzept gewährte.

Auf dem Regiestuhl sitzt Annette Windlin. Ihre Ideen und Vorstellungen der Tellspiele 2020 wurden an der Versammlung dann auch neugierig erwartet. Ins Detail ging die gebürtige Küssnachterin mit ihren Ausführungen zum Regiekonzept aber noch nicht. «Momentan befinde ich mich noch auf einem anderen Schiff», so Windlin. Die Theaterpädagogin und Schauspielerin inszeniert zurzeit das Theaterstück «Gedächtnispalast», das in vier Wochen auf einem alten Fabrikgelände in Emmenbrücke die Premiere feiert.

Auch Parricida wird eine Rolle spielen

Trotzdem verriet die Regisseurin, was ihr an Wilhelm Tell wichtig ist. «Wann ist es ein ‹sich Wehren› für Freiheit und Gerechtigkeit und wann ist es Rache? Diese Frage wollen wir ins Zentrum der Spiele stellen», erklärt Windlin. «Unser Ziel ist es, den Tell so aufzuführen, dass die Grenze zwischen, dem was falsch und richtig ist, zunehmend verschwimmt.» Die Tradition der Tellgeschichte soll dabei mit dem zeitgenössischen Geschehen kombiniert werden. Denn die Fragen um Freiheit, Unterdrückung und wie man damit umgeht, bleiben immer aktuell. «Deshalb ist Schillers Drama auch so zeitlos», so Windlin.

Der Konflikt zwischen Gerechtigkeit und Rache sei auch der Grund, warum die Figur des Parricida im Stück eine Rolle spielen wird. Da die Figur aufgrund seiner Komplexität meist nicht in die Dramaturgie passe, werde diese Rolle in vielen Tellspielen aussen vor gelassen. «Es wird deshalb eine besondere Herausforderung sein, eine Figur wie Parricida ins Stück hineinfliessen zu lassen – und zwar nicht in langatmigen Monologen, sondern emotional», erklärte die Regisseurin.

Wilhelm Tell behält seinen Bart

Frischen Wind in die Spiele bringen will sie auch die durch die geschlechtlichen Rollenbesetzungen. «Am ersten Casting ist sofort aufgefallen, wie unglaublich viele Mädchen und Frauen sich angemeldet haben», erinnert sich Windlin. «Das hat mich sehr gefreut, denn in Schillers Stück gibt es eine Menge starke Frauen». Das grosse Interesse von weiblichen Darstellern gäbe auch Anlass dazu, einzelnen Figuren ein neues Profil zu geben, damit sie von Frauen gespielt werden können. Es gehe dabei aber keineswegs darum, dass alle Männerrollen nun durch Frauen ersetzt werden, sondern vielmehr, dass die Vielfalt der Charakter ergänzt wird. Windlin verrät mit einem Augenzwinkern:

«Und keine Angst, es schwebt uns nicht vor, dass der Tell plötzlich von einer Frau gespielt wird.»

Um dieses Vorhaben umzusetzen, kann die Regisseurin auf die Unterstützung ihres künstlerischen Teams zählen. Die Luzernerin Ruth Mächler ist für die Kostüme und das Bühnenbild zuständig. Deren Tochter Valentina Maria Mächler übernimmt die Videokunst, Matteo Schenardi aus Altdorf die Regieassistenz. Eine zentrale Rolle der kommenden Tellspiele wird auch wieder die Musik spielen. Zwischen Jazz und Volksmusik soll die musikalische Umrahmung angesiedelt sein – ganz in der Tradition von «Alpentöne». Dafür werden bekannte Urner Musiker wie Carlo Gamma, Fränggi Gehrig oder Christian Wallner sorgen.

Wer Walterli, den Tell, Gessler oder etwa Parricida ab August 2020 auf der Bühne verkörpern wird, steht noch in den Sternen. «Anfangs Dezember werden die Rollen verteilt, damit wir dann im Januar in die intensive Probephase starten können», so Windlin. «Ich freue mich darauf. Wir sind bereit für den neuen Tell.»

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