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STATISTIK: Der Urner Polizei gehen deutlich mehr Kiffer ins Netz

Die Zahl der Drogendelikte ist massiv angestiegen. Eine Substanz ist im Kanton besonders beliebt – gerade bei Jugendlichen.
Matthias Stadler
Ein Mann raucht einen Joint. (Bild: Keystone / Edi Engeler)

Ein Mann raucht einen Joint. (Bild: Keystone / Edi Engeler)

Der süsse Duft der Hanfpflanze lockt im Kanton Uri wieder vermehrt Konsumenten an. Erst vor rund zwei Wochen wurde ein Fall bekannt, bei dem 21 Personen – mehrheitlich Jugendliche – wegen Cannabiskonsums verzeigt wurden. Und auch die neueste Kriminalstatistik der Kantonspolizei Uri zeigt die Beliebtheit des grünen Pflänzchens. 62-mal wurde vergangenes Jahr Marihuana sichergestellt. Sie ist damit die mit Abstand beliebteste Droge. Im Vergleich zum Vorjahr ist das fast dreimal mehr (23 Fälle). Und auch die Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz – also Drogendelikte – sind stark angestiegen. So gab es im Jahr 2014 noch 71 Straftaten, 2015 waren es 179. Grund dafür ist laut dem Bericht unter anderem, dass 2015 eine Indoor-Hanfanlage ausgehoben wurde und im Zusammenhang damit «eine grosse Anzahl» von Konsumenten überführt werden konnte.

Ein grosser Fall ändert die Statistik

Doch ist das der einzige Grund, weshalb die Cannabis- sowie die Drogenfälle gestiegen sind? Reto Kempf, stellvertretender Chef der Kriminalpolizei, kann sich die Zunahme auch nicht gänzlich erklären. «Es kann verschiedene Ursachen haben.» Je nachdem, wie häufig andere Ereignisse auftreten – beispielsweise Verkehrsunfälle –, können laut Kempf andere Brennpunkte weniger von der Bereitschafts- und Verkehrspolizei kontrolliert werden wie etwa Cannabiskonsumenten. Der Verkehr wird so quasi zum versteckten Helfer von Kiffern. «Es kann aber schlicht auch Zufall sein. Ein grosser Fall verändert die Statistik im Kanton Uri schnell», fügt Kempf an.

Marihuana wieder mehr in Mode

Auch bei der Jugendberatungsstelle Kontakt Uri wurde 2015 eine Zunahme der Anzahl Cannabiskonsumenten festgestellt. Kontakt Uri ist eine Beratungsstelle für Jugendliche, die Probleme im Alltag haben. So etwa bei Themen wie Sexualität, Gewalt oder eben Drogen. Die Urner Jugendanwaltschaft weist ertappte jugendliche Kiffer der Stelle zu. Diese werden dann von Fachpersonen beraten. Christoph Schillig, Leiter der Stelle, spricht von etwa 15 Fällen mehr im Jahr 2015 als im Vorjahr. Auch er kann sich mehrere Gründe für die Zunahme vorstellen. «Es kann durchaus sein, dass Jugendliche wieder vermehrt kiffen.» Es gebe Wellenbewegungen. Einmal sei Alkohol mehr in Mode, ein anderes Mal wieder Marihuana. Aber das könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mit Sicherheit sagen. Schillig sagt aber auch, dass es purer Zufall sein könnte, dass 2015 mehr Cannabisfälle festgestellt wurden. «Wenn zum Beispiel ein Dealer erwischt wird, kann es sein, dass darauffolgend mehrere Personen gleichzeitig wegen Marihuana verzeigt werden.»

Die Mehrheit der jugendlichen Kiffer sind Männer und in einer Ausbildung, wie Schillig ausführt. «Die meisten sind gut in die Gesellschaft eingebunden, zum Beispiel in Vereinen. Sie sind oft unproblematisch unterwegs und kiffen ‹just for fun›.» Nur wenige würden kiffen, um Probleme zu bewältigen. «Im Vergleich zu anderen Kantonen in der Zentralschweiz steht Uri nicht schlechter da. Aber ganz in den Griff bekommen werden wir die Cannabisprobleme nicht», fügt Schillig an.

Kokain an zweiter Stelle

Sonstige Fälle, bei denen Drogen gefunden wurden, sind im Kanton Uri selten. Nach Marihuana kommt mit grossem Abstand nichts – und dann Kokain. In 11 Fällen stellte die Polizei 2015 das weisse Pulver sicher. Auch das ist eine starke Zunahme, trat im Vorjahr doch gerade mal ein solcher Fall auf. Andere Drogen wie Amphetamin, Ecstasy und Heroin wurden nur vereinzelt sichergestellt. Reto Kempf von der Kantonspolizei Uri relativiert die gestiegenen Kokainfälle: «Es ist uns nicht bekannt, dass im Kanton Uri eine eigentliche Kokainszene existiert.»

Matthias Stadler

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