STAUPROGNOSE: Österliche Blechlawine am Gotthard erwartet

Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Zu Ostern werden sich die Blechlawinen vor dem Gotthard-Nordportal stauen. Mit Wartezeiten ist ab Mittwochmittag zu rechnen.

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Bis spät in die Nacht hinein: Osterstau bei Gurtnellen am späten Abend des Gründonnerstags im Jahr 2001. (Bild Peter Appius/Neue LZ)

Bis spät in die Nacht hinein: Osterstau bei Gurtnellen am späten Abend des Gründonnerstags im Jahr 2001. (Bild Peter Appius/Neue LZ)

«Ein Osterstau am Gotthard kann niemanden überraschen», sagt Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen (Astra). Seit der Gotthardstrassentunnel 1980 eröffnet wurde, stehen die Karossen alljährlich still. Die Prognosen von MeteoSchweiz sehen durchzogene Feiertage voraus, mit Sonne vorwiegend im Norden. Doch ob Sonne oder Schnee: Zehntausende motorisierte Deutsche, Schweizer und Franzosen werden das lange Wochenende für Kurzferien im Süden nutzen, haben teils schon ein Jahr voraus gebucht. Die Blechlawine kommt. «Ab Mittwochmittag dürfte der Feiertagsverkehr einsetzen», sagt Rohrbach. Mit Staus sei zu rechnen etwa auf der A1 westwärts zwischen Zürich und Bern, im Nadelöhr zwischen Härkingen und Wiggertal Richtung Luzern und auf der A2 am Gotthard.

Bis 30'000 Wagen gleichzeitig
16'000 Fahrzeuge durchfahren an einem Durchschnittstag den Gotthardtunnel in beide Richtungen. An einem Mittwoch vor Ostern seien es bald einmal 30'000 Fahrzeuge, die zudem innert weniger Stunden hindurch wollten, sagt Rohrbach. An den schlimmsten Tagen, Gründonnerstag und Karfreitag, rollen allein in Richtung Süden je 18'000 Autos durch die Röhre. Für den ganzen Donnerstag rät Rohrbach den Automobilisten, Wartezeiten von zwei Stunden einzuplanen. Am Freitag stocke der Verkehr erfahrungsgemäss noch zwischen 7 und 18 Uhr.

Kontrollzentrale in Emmen
«Auf keinen Fall darf es zum Stau im Tunnel kommen», sagt der Astra-Sprecher. Wenn ein Feuer ausbräche, wären mehr Menschen in Gefahr als im Freien. Zudem könnten sich Automobilisten in Panik im Tunnel falsch verhalten, etwa davonlaufen und ihr Auto stehen lassen. Dies zu verhindern ist Aufgabe der Verkehrsmanagementzentrale des Bundes (VZM-CH) im luzernischen Emmen. Ziel der VMZ-Verkehrsoperatoren ist, den Verkehr gleichmässig, ruhig, störungsfrei und emissionsarm über die Nationalstrassen zu schleusen. Dazu kooperieren sie mit den Kantonspolizeien und dem Informationsdienst Viasuisse. Auf Ostern wird das VMZ-Team aufgestockt, so dass im 24-Stunden-Betrieb stets drei Verkehrsoperatoren vor den Bildschirmen sitzen.

Die Zentrale in Emmen beobachtet die Verkehrsströme ab der Nordgrenze bei Basel. «Man sieht die Welle kommen,» sagt Rohrbach. Über 280 automatische Zähler auf den Nationalstrassen melden Zahl und Grösse der heranrollenden Fahrzeuge. Zusätzlich übermitteln Kameras von mehr als 100 Punkten am Nationalstrassennetz Bilder. Die Polizeien melden Unfälle und Stockungen.

Blechlawine vor dem Gotthard dämpfen
Um Stau an neuralgischen Stellen wie Gotthard oder Härkingen zu verhindern, greift die VMZ weit vorab ein: Etwa, indem sie die Polizei in Basel und im Baselbiet auffordert, kurzzeitig Tempo-Reduktionen anzuordnen. Diese informiert dann die Autofahrer via die Wechseltext-Anzeigen über der Autobahn. Die VMZ erstellt zudem Empfehlungen für Alternativrouten, welche dann via Viasuisse und Radio verbreitet werden.

Wie stark das Verkehrsaufkommen über Ostern wird, lässt sich erst am Gründonnerstag sagen. Dann zeigt sich, wie viele Urlauber lieber Skifahren gehen als in die Frühlingsferien nach Süden fahren. Wohin die Ströme auch fliessen: «Bei gleichmässigem Verkehrsfluss sinkt das Staurisiko», weiss Rohrbach. Plötzliche Spurwechsel, Abbremsen und Anfahren sollte unterlassen, wer Ostern noch anderswo als im Stau verbringen will.

ap