So schmeckt virtuelles Bier – UZ-Redaktor macht den Selbsttest

Die Online-Degustation dreier Alpenbrauereien sorgte bei den Teilnehmern für viele positive Reaktionen. Zu sehen gab es virtuelle Brauerei-Führungen, zu hören spannende Biergeschichten.

Christian Tschümperlin
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Mit ihrer ersten Online-Degustation haben sich die drei Alpenbrauereien «Stiär Biär», «Davos Monstein» und «Thun Bier» einiges vorgenommen. Der Feuertaufe im Internet zum Durchbruch verhilft gleich am Anfang «Stiär Biär»: Pünktlich um 20 Uhr geht Geschäftsführer Urs Wagner am Freitag aus seiner Brauerei live auf Sendung und streamt vor teils über 40 Zuschauern in die Weiten der Facebook-Gemeinschaft. Bevor er den Rundgang durch seine Brauerei antritt, öffnet er «Äs Hells», schaut aus dem Fenster und ruft laut «Prost», dies die Geste zum «Tag des Schweizer Bieres».

Die Teilnehmer haben im Vorfeld eine Kiste mit zwei Bieren pro Brauerei bei der Brauerei ihres Vertrauens abgeholt. Bei «Stiär Biär» in Altdorf stieg die Nachfrage am Freitagnachmittag plötzlich sprunghaft an, so dass noch nachgeliefert werden musste.

Geschäftsführer Urs Wagner führte am Freitag durch die Brauerei.

Geschäftsführer Urs Wagner führte am Freitag durch die Brauerei.

Bild: Urs Hanhart

Spuren von «Stiär Biärs» Kampf mit Red Bull auf Logo verewigt

Zugegeben: Seit Ausbruch der Coronakrise habe ich nur ein einziges Bier getrunken. Dabei wurde mir schwindlig. Dass ich nicht mehr geeicht war, zeigte Wirkung. Etwas mulmig ist es mir also schon zumute, als ich das erste Bier öffne. «Äs Hells» hat eine goldglänzende Farbe und fünf Volumenprozent Alkohol. «Ihr riecht einen zart malzigen Duft», erklärt Urs Wagner. Während die Zuschauer das süffige Bier bei sich zuhause geniessen, tritt Wagner seine Führung durch die Brauerei an. Der Brauerei-Geschäftsführer erklärt Hopfen und Malz und beantwortet Fragen aus der Community, wie etwa jene nach der richtigen Gärungstemperatur für ein untergäriges Bier (7 bis 12 Grad). Nicht fehlen darf bei «Stiär Biär» die Episode von der Auseinandersetzung mit Red Bull: Das alte Logo von «Äs Roots» zeigt einen Bullen mit zwei Hörnern und musste nach einer Klage des Energydrinks-Produzenten angepasst werden. Beim neuen Logo fehlt beim Stier ein Horn. «Das sind die Spuren des Kampfes mit Red Bull, den «Stiär Biär» verloren hat. Aber wir sind deswegen nicht geschwächt und zeigen uns kämpferisch», sagt Wagner.

Autor Christian Tschümperlin verfolgt die virtuelle Bierdegustation aus seinem Garten.

Autor Christian Tschümperlin verfolgt die virtuelle Bierdegustation aus seinem Garten.

Bild: PD (Schwyz, 27. April 2020)

Wagner hat auch beobachtet, dass sich das Konsumverhalten seit Ausbruch der Coronakrise verändert hat. «Frau und Mann gönnen sich gemeinsam daheim ein gutes Bier und nicht wie sonst oft getrennt auswärts und in grossen Gruppen», sagt er. «Der neue Onlineshop und die Heimlieferungen kommen sehr gut an.» Er gewinnt damit der Krise auch etwas Positives ab und hofft, dass die neu gewonnenen Online-Kunden «Stiär Biär» auch nach der Krise treu bleiben und auch zukünftig per Webshop bestellen. «Schön wäre, wenn der Onlinebestellprozess zukünftig auch die Gastronomen überzeugt.»

Woher der Bananen-Geschmack eines Bieres wirklich kommt

Wagner stellt die weiteren Produkte vor, darunter das vor kurzem neu eingeführte Desinfektionsmittel aus Bier. Mit einem Ausblick auf die Zeit nach Corona empfiehlt er der eingeschworenen Online-Gemeinschaft das «Freitag-Feierabend-Bier» bei «Stiär Biär» zu besuchen oder eine Führung mit gemütlichem Zusammensein zu buchen. Wagner öffnet das Panasch zur Degustation. Das Naturpanasch überzeugt mit einer spritzigen Frische. «Es ist nicht zu süss und schmeckt nicht chemisch dank der Bio-Limonade, die selber hergestellt wird.»

Dann wird nach Davos geschaltet zu «Monstein»: Braumeister Basti Degen erklärt unter anderem, dass der Bananen-Geschmack des Monsteiner Häusträffel Weizen nicht etwa auf Bananen zurückzuführen sei, die ins Bier geschüttet würden, sondern auf einer besonderen Hefe. «Für 2000 Liter Bier brauchen wir 20 Liter Hefe», erklärt der Braumeister.

Urs Wagner springt für Berner Brauerei ein

Bei «Thun Bier» spielen die Tücken der Technik übel mit, die Schaltung aus der Berner Brauerei klappt nicht. Urs Wagner springt aber ein und stellt das «New England IPA» sowie das «Porter» vor:

«IPA», weiss er zu berichten, bedeute Indian Pale Ale und habe eine lange Geschichte. «Als die Briten Bier nach Indien verschifften, brauten sie ein stärkeres Bier mit mehr Alkohol, quasi als Bierkonzentrat für die lange Reise. Die Idee wäre es gewesen, das Bier zu verdünnen. Doch die britischen Soldaten haben schnell bemerkt, dass man ein ‹IPA› auch gut ohne Verdünnung geniessen kann.» Bis heute hat das «IPA» höhere Volumenprozente, im Fall von Thun Bier 6,5.

Mit guter Stimmung und vielen positiven Rückmeldungen verabschiedet Urs Wagner die Teilnehmer der Online-Degustation daraufhin in den Abend. Schwindlig wird es mir übrigens nicht und Kopfweh habe ich auch keines. Mit einem Freund, der ebenfalls an der Online-Degustation teilnahm, ergibt sich via Chat ein reger Austausch. Vor der wunderbaren Bergkulisse in unserer Alpenregion stellt sich bald eine romantische Stimmung ein. Auch Online-Degustationen können eben heimelig sein. 

Die Videos und Kommentare gibt es auf Facebook auf der Seite Biermoment zum Nachschauen.

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