Urnerin erzählt von ihrer Arbeit in Südamerika

Die Seedorferin Emma Arnold setzt sich in Kolumbien mit ihrer Stiftung Hoffnungsbaum seit 40 Jahren für Bedürftige ein. «Es ist noch viel Vermittlungsarbeit nötig», sagte sie bei einem Vortrag in Seedorf.

Leza Aschwanden
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Emma Arnold berichtete über ihre Arbeit in Kolumbien. (Archivbild: Markus Zwyssig, Seedorf, 22. September 2017)

Emma Arnold berichtete über ihre Arbeit in Kolumbien. (Archivbild: Markus Zwyssig, Seedorf, 22. September 2017)

Das südamerikanische Land Kolumbien hat eine sehr unruhige Vergangenheit erlebt. Interne Konflikte und instabile Nachbarländer waren sehr oft für ein schwieriges gesellschaftliches Umfeld verantwortlich. Besonders die Farc-Rebellen sorgten immer wieder für Unruhe, bis 2016 nach jahrelangem Ringen ein Friedensvertrag zwischen Regierung und Rebellen geschlossen werden konnte. Dieser Friede ist allerdings unter der neuen Regierung bereits wieder gefährdet.

In diesem abenteuerlichen Kontext ist die Seedorferin Emma Arnold seit 40 Jahren aktiv. Im Städtchen El Carmen de Bolivar im Norden von Kolumbien unterstützt die Emma-Arnold-Stiftung Hoffnungsbaum das Werk Institucion Educatica Tecnica Ecologica Emma Cecilia Arnold (IETEECA). Dieses Bildungszentrum bietet Schulbildung vom Kindergarten bis zur Matura. Das Angebot richtet sich an die Ärmsten der Region. Inzwischen ist aus der Schule ein anerkanntes Bildungszentrum geworden, das täglich ungefähr 800 Kindern Bildung und Verpflegung bietet. In einer Schreinerei, einer Schneiderei und einem landwirtschaftlichen Betrieb können die Kinder und Jugendlichen neben der schulischen Bildung auch handwerkliche Kompetenzen erwerben.

Die Zusammenarbeit braucht viel Energie

Am vergangenen Samstag stellte Emma Arnold die aktuellen Tätigkeiten und Neuerungen ihrer Stiftung in Kolumbien vor. Die Arbeit sei nicht immer einfach. Die Zusammenarbeit mit Behörden und anderen Akteuren brauche viel Energie, auch seien schlechte Strassen, Wassermangel und Nahrungsmittelpreise weitere Faktoren, die aktiv in der Planung mit einbezogen werden müssten, damit das IETEECA funktionieren könne. Da ist die schwierige politische Lage in Venezuela auch nicht gerade hilfreich. So hat das Institut auch 70 Flüchtende Frauen und Kinder aus dieser Region aufgenommen.

Eine ganzheitliche Bildung steht im Zentrum der Tätigkeit von Emma Arnold und ihres Instituts. Ökologische Aspekte waren in ihrer Arbeit schon lange wichtig, mit den aktuellen Entwicklungen hat sich dieser Fokus noch verstärkt. Arnold betont:

«Es ist wichtig, den Menschen wieder einen Bezug zu Natur und Umwelt zu vermitteln. So ist in Bereichen wie Abfalltrennung und Recycling noch viel Vermittlungsarbeit nötig.»

Unter den gegebenen Umständen und aufgrund der beschränkten Ressourcen – die Stiftung investiert jährlich etwas mehr als 300'000 Franken in das Institut – ist auch Kreativität gefragt. So werden leere Pet-Flaschen zu einer wichtigen Bauressource, indem sie in Streifen geschnitten und anschliessend zu Sitzflächen für Stühle verwoben, mit Papier gefüllt und zu Hockern verarbeitet oder als Ziegelstein-Ersatz beim Bau von Wänden verwendet werden. Auch stehen Aufforstungsprojekte an, die sich auf den Erhalt versiegender Wasserquellen positiv auswirken sollen.

Arnold begrüsst aktuelle Kirchenentwicklung

In Emma Arnolds Arbeit ist die Kirche ebenfalls sehr bedeutend. Die Befreiungstheologie bietet ihr wichtige Leitlinien für ihre Arbeit. Auch aktuelle Entwicklungen in der katholischen Kirche begrüsst sie. So hat Papst Franziskus eine Synode mit Vertretern verschiedener südamerikanischer Länder einberufen, die sich mit aktuellen Themen beschäftigen soll.

Zum Abschluss der Präsentation gab es noch eine Überraschung. Ein Lehrerpaar, das die Stiftung unterstützt, hat Emma Arnold und das IETEECA im Frühling 2019 besucht, um sich ein Bild vor Ort zu machen. Mit vielen Bildern schilderte das Paar seine Erlebnisse und zeigte sich beeindruckt. Die beiden werden im Jahr 2020 abermals nach Kolumbien reisen, diesmal auch als Teilnehmer an einem der vielen Projekte.

Lokale Verantwortliche werden eingebunden

Nach den Ausführungen von Emma Arnold und des Lehrerpaars bleibt der Eindruck, dass Emma Arnold immer noch ein wichtiger Pfeiler für das reibungslose Funktionieren des Instituts ist. Allerdings gibt es auch lokale Verantwortliche wie den Rektor des Instituts, der ebenfalls einmal dort zur Schule ging, die auch in ihrer Abwesenheit dafür sorgen, dass der alltägliche Betrieb sichergestellt ist.