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STILLER HAS: «Ich warte auf Bergkäse-Guerilla»

Von einem Mix aus Rap und Jodel hält Endo Anaconda nichts. Trotzdem möchte er einmal mit einem Jodlerklub zusammenarbeiten.
Interview Markus Zwyssig
Endo Anaconda bei einem Auftritt am Gurten-Festival Bern. Am Sonntag ist er in Altdorf zu Gast. Keystone / Peter Klaunzer

Endo Anaconda bei einem Auftritt am Gurten-Festival Bern. Am Sonntag ist er in Altdorf zu Gast. Keystone / Peter Klaunzer

Endo Anaconda, womit überraschen Sie die Urner am Musikfestival Alpentöne?

Endo Anaconda: Wir überraschen immer. Schliesslich spielen wir unsere Musik noch selber. Bei uns gibt es weder Loops noch synthetische Instrumente. Wir haben unsere Stücke noch nicht zu Tode geübt. Wenn wir auf die Bühne gehen, wissen wir selber nicht genau, was passiert.

«Alpentöne» steht für Innovation. Was haben Sie Neues auf Lager?

Anaconda: Wir machen für das Festival nicht extra etwas auf Alpen. Wir berufen uns nicht auf Jodel oder «Hudigäggeler».Nichtsdestotrotz kommen wir gerne nach Altdorf, um am Festival zu spielen. Mein Bezug zu den Alpen hat einen grösseren Zusammenhang.

Wie meinen Sie das?

Anaconda: Ich sehe das vor allem politisch. Die Alpenregion wird immer mehr abgehängt. Postautoverbindungen und Bahnlinien werden gestrichen. Das erlebe ich bei mir im Emmental hautnah. Dabei zeigen uns die Alpen und das Berggebiet auf, dass man der heutigen hektischen Zeit etwas entgegensetzen kann. Ich bin kein Freund der heutigen Zeit. Auch wir wehren uns gegen den Mainstream, gegen die Tendenz, dass man gar nicht mehr selber Musik macht. Meine Bodenhaftung ist eher in der Art und Weise zu sehen, wie wir Musik machen und durch meine Texte.

Welche Art von Volksmusik macht Stiller Has?

Anaconda: Ich sehe mich in der Tradition der aufmüpfigen Volksmusik. Wenn ich an der Aare am Bräteln bin, spazieren Sechsjährige vorbei und singen unseren Song «Dr Aare naa». Das ist doch der beste Beweis dafür, dass wir Volksmusik machen. Wir machen nicht Musik für eine Altersklasse. Wir machen Musik für die Menschen. Es ist wunderbar, wenn Jung und Alt unsere Songs wie «Znüni näh» oder «Moudi» singen. Ich bin aber kein Freund von Fusionen. Ich halte nichts davon, wenn man Techno und Jodel oder Hackbrett und Rap miteinander mischt. Das kann ich nicht ernst nehmen. Das interessiert mich nicht. Da habe ich lieber Appenzeller Musik pur, aber nicht mit Techno gemischt. Biobrot und Kunsthamburger aus Stammzellen passen ja auch nicht zusammen.

Sehen Sie sich demnach als Bewahrer der echten Volksmusik?

Anaconda: Ich bin sehr gerührt, wenn ich einen Emmentaler Jodlerchor höre. Da bin ich den Tränen nahe. Das ist mir Mutternahrung. Ich kann mir durchaus vorstellen, einmal einen Song mit einem Jodlerklub zu machen, solange es nach echtem Jodel tönt. Wir sind wie Minnesänger, wir sind immer unterwegs. Und da brauche ich meine Stöckliwohnung im Emmental, um mich zwischendurch wieder zu entspannen und neue Energie zu tanken.

«Gäge d Bärgä singeni aa», hiess es in einem Ihrer Lieder. Haben Sie keine Freude an den Bergen?

Anaconda: Ich liebe die Berge. Ich wohne im Emmental auf 1000 Meter. Für uns sind sie ein grosser Trumpf, den wir mehr ausspielen müssten. Mit ihren leeren Camions und mit ihren Südfrüchten, die sie Tausende von Kilometern transportieren, müssen sie durch die Alpenkette fahren. Da könnten wir mehr Druck aufsetzen. Schliesslich sind es unsere Berge. Das ist eine spezielle Situation. Ich bin dafür, dass man den Alpenschutz konsequent durchsetzt.

Was müssen die Bauern tun, um überleben zu können?

Anaconda: Man kann viel steuern über naturnahe Landwirtschaft. Alpenmilch – oder Bergmilch – hat eine andere Qualität als Milch aus Massenproduktion. Die Alpbewirtschaftung kommt immer mehr unter Druck. Dabei ist es eine der letzten Freiheiten, weil es die letzte Wildnis ist und auch eine Kulturlandschaft. Damit geht auch ein Stück Kultur und Lebensqualität verloren. Je mehr die Randgebiete abgehängt werden, desto mehr werden Rebellen und Desperados hier Platz finden. Vielleicht sind die Menschen irgendwann noch froh um unseren Alpkäse. Ich warte auf die Bergkäse-Guerilla.

Sie haben schon mehrere Konzerte in Uri gegeben. Wie haben Sie dabei das Publikum erlebt?

Anaconda: Ich spiele gerne an kleineren Orten. Städter sind sehr überheblich gegenüber Aargauern und Innerschweizern. Dabei gibt es keine schlimmere Provinz als Zürich. Die müssen nicht so tun, als wären sie etwas. Trotzdem: Auch vom Kantönligeist halte ich nicht viel.

Weshalb?

Anaconda: Die Alpen sind ein zusammenhängender Kulturraum. Man muss das Denken in Regionen fördern und nicht in Kantonen. Rein geografisch sind die Alpen so gross wie der Raum Los Angeles. Und wir haben das Gefühl, jedes Tal müsse etwas Spezielles sein. Ganz schlimm sind die Bündner. Sie sind am Aussterben, wollen aber in jedem Tal ihre Eigenheiten bewahren. Das läuft für mich unter WWF.

Wäre es aber nicht ein grosser Verlust, wenn es keine Bauern und Älpler mehr geben würde?

Anaconda: Das Wissen der Bergler darf nicht verloren gehen. Sie wissen, wo man bauen kann und wo nicht. Mit den Gefahren der Natur sind sie vertraut. Ziel der Landwirtschaft ist, dass sie Nahrungsmittel produzieren können. Alpkäse ist etwas anderes als Scheibletten.

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