Studie enthält Zündstoff für Schafhalter

Für den Herdenschutz gibt es zwar Beiträge, doch diese reichen nicht aus, um den Mehraufwand zu decken. Während aus der Landwirtschaft höhere Beiträge gefordert werden, rät das Bundesamt für Umwelt, die Schaf-Alpwirtschaft zu professionalisieren.

Florian Arnold
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Zum Schutz vor Wölfen werden teilweise Lamas eingesetzt. (Bild: Samuel Golay/Keystone)

Zum Schutz vor Wölfen werden teilweise Lamas eingesetzt. (Bild: Samuel Golay/Keystone)

Schafhalter, die ihre Tiere vor Grossraubtieren schützen, müssen unter dem Strich eine Einkommenseinbusse hinnehmen. Zu diesem Schluss kommt das Büro Alpe in einer Studie. Diese wurde vom Amt für Landwirtschaft des Kantons Uri und dessen Pendant im Wallis in Auftrag gegeben. Mitfinanziert wurde sie zudem vom Bundesamt für Umwelt (Bafu). Untersucht wurden in beiden Kantonen die Vollkosten von 13 Schaf-Alpen.

Die Ergebnisse sind eindrücklich: Das wirtschaftliche Ergebnis verschlechtere sich fast ausnahmslos durch die Anpassungen an die Grossraubtier-­Situation. Im Schnitt entstanden pro Alp und Saison Mehrkosten von 18000 Franken. So wurden etwa Herdenschutzhunde und Zäune beschafft, zusätzliches Personal eingestellt und Hütten für Hirten gebaut. Von den Mehrkosten konnte aber nur rund die Hälfte durch zusätzliche Einnahmen wie Direktzahlungen und Abgeltung für Herdenschutzmassnahmen gedeckt werden. Alles in allem blieben pro Schaf-Alp somit rund 9000 Franken an zusätzlichen Kosten übrig, welche die Bewirtschafter selber tragen. Die geschätzten Mehrkosten für die Urner Schaf-Alpbetreiber belaufen sich auf 560000 Franken, hochgerechnet auf die gesamte Schweiz entstehen laut ­Bericht Kosten von 7,6 Millionen Franken. Ungedeckt blieben somit rund 3,8 Millionen Franken.

Damian Gisler vom Amt für Landwirtschaft in Uri erstaunen die Ergebnisse nicht. «Sie unterstreichen, weshalb der Widerstand der Urner Bauern gegen die Herdenschutzmassnahmen derart gross ist.» Von den gut 60 Schaf-Alpen im Kanton Uri würden auf weniger als 10 Alpen vom Bund anerkannte Herdenschutzmassnahmen ergriffen. Zusätzlich würden einige Alpen auf den Einsatz von Lamas zählen, wofür es keine Unterstützung gibt. Doch wie könnte die Lösung aussehen?

Zwei Varianten als Lösungsansätze

Im Bericht zur Studie werden zwei gangbare Wege aufgezeigt:

Variante 1: erhöhte Direktzahlungen. Diese Lösung würde das Agrar-Budget des Bundes belasten. Eine Umverteilung innerhalb des Budgets erachtet Gisler als nicht mehrheitsfähig. «Das würde bedeuten, dass man jemandem etwas wegnehmen muss.» Alternativ müsste das Budget aufgestockt werden.

Variante 2: individuelle Entschädigung pro Betrieb. Finanziert mit Geld vom Bund würden mit jedem einzelnen Betrieb die Situation analysiert und Massnahmen sowie deren Kosten definiert. «Bei rund 30 Schaf-Alpen, die in Uri geschützt werden können, wäre der administrative Zusatzaufwand zu bewältigen», glaubt Gisler. Zu definieren wäre anschliessend, wer die Kosten trägt. Für den Vorsteher des Amts für Landwirtschaft ist klar: «Es liegt nun an der Politik, aufgrund der Fakten Lösungen zu finden.» Dass Widerstand seitens der Landwirtschaft vorhanden sei, die Kosten zu decken, ist für ihn nachvollziehbar. «Der Wolf wurde nicht gerufen», werde argumentiert. Deshalb sei das Bafu in die Pflicht zu nehmen.

Das sieht Reinhard Schnidrig vom Bafu anders: «Die Studie macht etwas zu wenig deutlich, dass die spezifischen Massnahmen für den Herdenschutz in der Tat abgegolten werden.» Die Arbeit hinter den Massnahmen und die Umstellung der Betriebsstruktur würden die Kosten in die Höhe treiben. Einfach gesagt: Zaun und Herdenschutzhund sind finanziert; die Arbeit, um den Zaun zu stellen oder den Hund zu füttern, nicht. Schnidrig macht deutlich: «Auf das Betriebliche hat das Bafu keinen Einfluss. Das ist Sache der Landwirtschaft.»

«Schafbewirtschaftung ist etwas konzeptlos»

Ausserdem sei es nicht so, dass sich das Bafu den Wolf zurück in die Schweiz gewünscht habe. «Die Rückkehr des Wolfs ist ein natürlicher Prozess», sagt Schnidrig. «Aber wir stehen für den Erhalt der heimischen Arten ein und müssen Hand bieten, um Konflikte zu vermeiden.»

Der Bafu-Mitarbeiter sieht Lösungsansätze vor allem darin, die Alpwirtschaft zu modernisieren.

«Die Schafbewirtschaftung ist etwas konzeptlos unterwegs, wie eine neue Agroscope-Studie gerade festgehalten hat.»

Aber auch um diesen Missstand zu beheben, also die Schafhaltung zu professionalisieren, verweist er auf die Zuständigkeit der Landwirtschaft.

Der Alpsommer 2019 kommt, ob nun ein Systemwechsel geschehen ist oder nicht. «Für die Urner Schafhalter ändert sich nicht viel an der Ausgangslage», erklärt Damian Gisler vom Amt für Landwirtschaft. «Ihnen ist bewusst, dass sie jederzeit mit dem Wolf rechnen müssen.»